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FUSSBALL: Alpstaeg kontert Kritik mit Vorwürfen gegen Babbel

FCL-Trainer Markus Babbel verlässt den Verein im Sommer. Beim FCL herrscht nach der Ankündigung lang Stille. Dann steht an Stelle der operativen Leitung Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg Red und Antwort.
Daniel Wyrsch
Skeptischer Blick: Coach Markus Babbel beim gestrigen Traininigsstart des FC Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Luzern 3. Januar 2018))

Skeptischer Blick: Coach Markus Babbel beim gestrigen Traininigsstart des FC Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Luzern 3. Januar 2018))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Gleich zum Start der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte hat Markus Babbel (45) am Mittwoch eine «Bombe» platzen lassen: Im Gespräch mit unserer Zeitung kündigte er an, dass seine Zeit beim FC Luzern mit dem Vertragsende im Sommer zu Ende geht. Er kritisierte dabei offen die Vereinsleitung. Eine Stellungnahme dazu geben Präsident ­Philipp Studhalter und der noch ferienabwesende CEO Marcel Kälin erst morgen Freitag um 16 Uhr an einer Medienorientierung ab. Dafür ist aber am späteren Mittwochabend Hauptaktionär Bernhard Alpstaeg Rede und Antwort gestanden.

Der 72-jährige FCL-Hauptgeldgeber und Swisspor-Patron meinte am Telefon aus New York, «dass Babbel damit wahrscheinlich einer Kündigung zuvorgekommen ist». Unangemessen ist das Urteil Alpstaegs zur sportlichen Bilanz des Trainers: «Babbel ist drei Jahre erfolglos geblieben.» Vergessen sind ein dritter und zwei fünfte Plätze unter dem Mann aus München. «Ich habe mehr von ihm erwartet für den grossen Lohn», stellte Alpstaeg kategorisch fest. Der aktuelle neunte Rang sei schlecht genug.

Alpstaeg kontert die Kritik mit Vorwürfen gegen Babbel

Alpstaeg legte mit Vorwürfen nach. Babbel habe keinen Leistungsausweis und den Ton nicht gefunden. «Er hat die Innerschweizer nicht verstanden.» Der 27-Prozent-Besitzer der FCL-Holding AG drehte den Spiess gar um: Das Verhalten des Trainers habe sich auch in der Administration negativ ausgewirkt.

Markus Babbel hatte am Mittag bei seiner Ankündigung gesagt, dass er sich lange vor den Verein gestellt habe, doch jetzt könne er das nicht mehr tun. «Für mich passt die Zusammenarbeit so nicht mehr, ich kann mich nicht verbiegen.» Er sprach damit die fehlende Harmonie beim FCL an. Die Kritik gilt vor allem dem umstrittenen Geschäftsführer Marcel Kälin. Wegen des 51-jährigen FCL-CEO haben seit dessen Start im Oktober 2016 mehr als ein Dutzend Mitarbeiter die Geschäftsstelle verlassen. Der Letzte, der seinen Abschied bekanntgab, war Medienchef Max Fischer. Er verlässt den Klub Ende Februar nach dreijähriger ­Tätigkeit. Zuvor waren mehrere lang­jährige Mitarbeiter gegangen, die das schlechte Klima auf der Geschäftsstelle teils offen, teils hinter vorgehaltener Hand monierten. «Auch wir im Sport ­leiden unter der miesen Stimmung», stellte Babbel gestern besorgt fest.

Babbel antwortete auf die Frage, ob er ohne vorzeitige Vertragsverlängerung und Bekenntnis des Vereins zu einer «lame duck», zu einer lahmen Ente, mutiere, ganz trocken auf Bayerisch: «Das ist mir relativ wurst, ich mache den Job mit hohem Engagement bis zum Schluss, dann gehe ich wieder heim.» Punkt. Ein Zurück wird es nicht geben, denn Babbel doppelte, angesprochen auf die FCL-Führung, nach: «Auf einen solchen Kindergarten lasse ich mich nicht ein. Ich fand es schon etwas amüsant, dass nach der Vorrunde eine sportliche Beurteilung ohne den Trainer stattfand.» Und: «Der Verein ist speziell, das ist ein grossartiger Klub, und trotzdem nicht der Nabel der Welt.»

Der Abschied ist besiegelt. Er könne nicht mehr sagen, als dass ihm die Arbeit wahnsinnig viel Spass mache. Vor allem habe er aber vor der Saison auf viele ­Dinge hingewiesen, die nicht gut laufen könnten. «Am Schluss steht man dann doch allein da. Dabei musste ich mir noch gewisse Sachen anhören, wo ich mich frage: ‹Bin ich denn für alles allein verantwortlich?› Irgendwann muss man für sich selber entscheiden, ob es noch Sinn macht – oder es nicht besser wäre, sich zu trennen.»

Er sei auf niemanden böse, das Einzige, was ihn störe, sei das Hinauszögern, «diese Rumeierei. Das braucht keiner.» Er stellte fest, dass diese Taktik im Geschäft immer mehr betrieben werde, statt Entscheidungen zu fällen und verbindliche Ansagen zu machen. «Dann würde jeder Bescheid wissen, und man könnte damit arbeiten.» Entweder sei man überzeugt vom Trainer oder nicht. «Das hat für mich nichts mit gewonnenen Punkten zu tun. Wenn man zweifelt, dann muss man es sein lassen, denn dafür steht viel zu viel auf dem Spiel», das würde auf die Dauer nicht gut gehen.

Luzern im Sparmodus hat gemäss Babbel einige Transfers verhindert

«Der Verein ist im Sparmodus», stellte Babbel in Bezug auf die bisher ausstehenden Wintertransfers fest. Dafür hat Abwehrchef Reto Ziegler (31) Luzern nach Ablauf des dreimonatigen Vertrags verlassen, er wird seine Karriere in den nächsten zwei Jahren beim FC Dallas in der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS) fortsetzen. «Ich hätte es gerne gehabt, wenn er geblieben wäre, aber meine Wünsche und die Wünsche des Klubs sind nicht immer deckungsgleich», meinte Babbel vielsagend. Zudem erzählte er, dass mehrere Spieler gerne nach Luzern gekommen wären. Unter anderen die Mittelfeldspieler Alexander Fransson (23) und Anto Grgic (21). Der Schwede Fransson ist nun bis Ende Saison vom FC Basel an Lausanne-Sport ausgeliehen; U21-Nationalspieler Grgic wird vom VfB Stuttgart voraussichtlich zum FC Lugano wechseln. «Irgendwann ist es nervig, wenn man das Gefühl hat, etwas machen zu müssen, aber der Verein anders entscheidet.»

Stürmer Florian Kamberi (22) von GC ist diese Woche im Testtraining. Mittelfeldspieler Stefan Wolf (19) aus der eigenen U21 nimmt erstmals am Trainingsbetrieb der Profis teil – wie übrigens auch Torhüter Nicolas Staubli (18).

Nicht zur Verfügung steht Mittelfeldmann Olivier Custodio (22), der erst im März von einem Syndesmosebandanriss genesen sein dürfte. Noch nicht voll belastbar kehrten die Verteidiger Christian Schwegler (33), Remo Arnold (20), Lucas Alves (25) und Nicolas Schindelholz (29) ins Teamtraining zurück.

Für Alpstaeg gibt es zahlreiche mögliche Nachfolger für Babbel

Babbel glaubt trotzdem an die überwiegend junge Mannschaft. «Ich bin überzeugt, die Jungs schaffen es, sie verhindern den Abstieg.» Aber: Wird Babbel nach seiner offensiven Bekanntgabe überhaupt bis Ende Saison bleiben ­dürfen?

Alpstaeg weist auf die morgige Orientierung hin. «Ich gehe davon aus, dass Babbel vorzeitig gehen muss.» Seine Meinung habe er zuvor der Klubleitung weitergegeben. Ohne Babbel werde es besser laufen, glaubt er. Als Nachfolger gäbe es interne wie externe Lösungen. «Es hat mehr als zwei Hände voll Trainer, die für Luzern in Frage kommen.»

Investor Bernhard Alpstaeg: «Wir alle stehen hinter dem FC Luzern.» (Bild: Daniel Wyrsch / Neue LZ)

Investor Bernhard Alpstaeg: «Wir alle stehen hinter dem FC Luzern.» (Bild: Daniel Wyrsch / Neue LZ)

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