FUSSBALL: Babbel erwartet mehr von Costa

Der FC Luzern trifft morgen (16 Uhr, SRF 2) zu Hause auf den konterstarken FC Lugano. Während Ricardo Costa in die zentrale Abwehr zurückkehrt, dürfte Tomislav Puljic Zuschauer bleiben.

Daniel Wyrsch
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Ricardo Costa, hier im Duell mit Thuns Carlinhos, steht nach seiner Sperre wieder zur Verfügung. Bild: Freshfocus (Luzern, 20. August 2016)

Ricardo Costa, hier im Duell mit Thuns Carlinhos, steht nach seiner Sperre wieder zur Verfügung. Bild: Freshfocus (Luzern, 20. August 2016)

Die Länderspielpause ist nicht spurlos an FCL-Trainer Markus Babbel vorbeigegangen. Nein, das vermeintliche Interesse von Bundesligist Ingolstadt an seiner Person war nicht der Grund dafür. Um sich Gedanken über eine Rückkehr in die deutsche Eliteklasse zu machen, war die Adresse zu uninteressant. Babbel hatte im Januar, als Stürmer Dario Lezcano von Luzern nach Ingolstadt ging, doch etwas die Nase gerümpft über den Klub aus der Audi-Stadt. Seiner Meinung nach hätte Lezcano vorerst beim FCL bleiben und auf ein Angebot von einem Verein mit einer spielstärkeren Mannschaft warten sollen.

Die Länderspielpause hat aber im Gesicht des 44-jährigen Coaches Spuren hinterlassen. Babbel ist neu kahl rasiert, er ähnelt nun dem ehemaligen Basel-Trainer Christian Gross.

Radikale Massnahme gegen die Glatze

Schuld für das radikale Durchgreifen in Sachen Frisur war eine Kamera, mit der das Training von oben aufgenommen worden war. Babbel mochte die Aufnahmen nicht ansehen, weil er bei sich eine grosse lichte Stelle mitten in den dunklen Haaren feststellen musste. «Da ging ich nach Hause und sagte meiner Frau, sie solle mir gleich alle Haare vom Kopf rasieren.»

Ähnlich entschlossen war Babbel vor der Länderspielpause gegen jene FCL-Profis vorgegangen, die sich in seinen Augen zu wenig eingesetzt hatten. Jahmir Hyka und Francisco Rodriguez mussten aus sportlichen Gründen auf die Tribüne, Hekuran Kryeziu und Tomislav Puljic fanden je einmal keinen Platz im Aufgebot, weil sie aus disziplinarischen Gründen nicht erfüllten.

Unklare Situation im Fall von Abwehrturm Puljic

Besonders bitter war die Strafe für Puljic. Denn der 33-jährige Innenverteidiger ist der Stellvertreter von Captain Claudio Lustenberger. Nach seinem überzeugenden Auftritt mit dem Kopfballtor gegen St. Gallen (3:0-Sieg) verletzte sich der Kroate, wäre vor zwei Wochen im Heimspiel gegen YB (2:2) wieder fit gewesen. Doch Babbel fand, dass sich Puljic während seiner Verletzungszeit zu egoistisch benahm und nicht wie von ihm erwartet als moralischer Unterstützer zu den Partien in Köniz und Lausanne reiste.

«Ich habe ihm sehr eindringlich gesagt, was mir nicht gepasst hat», blickt Babbel auf sein Gespräch mit Puljic zurück. «Jetzt schauen wir weiter.» Mehr wollte der Trainer nicht verraten, «weil interne Dinge intern bleiben».Das aktuelle Verhältnis zu Puljic bezeichnet Babbel als «normal. Tomislav hat wie die anderen die Trainings während der Länderspielpause genutzt.» Wie es mit dem 1,92 Meter grossen Abwehrturm im siebten FCL-Jahr weitergeht, ist allerdings offen. Puljic braucht Ligaspiele, auf 20 muss er bis Ende Saison kommen, damit sich sein Vertrag automatisch um ein Jahr verlängert. Acht Partien bestritt er bislang. Ob morgen in der Swissporarena gegen Lugano ein weiterer Match dazukommt, steht in den Sternen.

Babbel dürfte von der Dreierabwehr gegen die Young Boys wieder zur Viererkette zurückkehren. Nach der abgesessenen Spielsperre steht Innenverteidiger Ricardo Costa wieder zur Verfügung. «Das ist schon mal sehr positiv», findet der Trainer. Der portugiesische Ex-Internationale wird in der zentralen Abwehr spielen – obwohl Babbel zunehmend Mühe hat, die Vorteile des 35-Jährigen hervorzuheben.

Costas Auftritte seien nicht so schlecht gewesen, wie sie teilweise dargestellt worden seien, sagt der Trainer. «Es waren Spiele dabei, in denen er die Aufgaben sehr gut erfüllt hat. Jetzt müssen wir eine Stabilität in Ricardo Costas Leistungen bekommen, da es Partien gab, die nicht so der Brüller waren.» Statt 1,39 Gegentore pro Spiel wie im Vorjahr hat der FCL in dieser Saison mit Costa bisher 2,0 Treffer pro Match hinnehmen müssen.

Gegen die umschaltstarken Luganesi mit dem neunfachen Torschützen Ezgjan Alioski sollen Costa und François Affolter zeigen, dass sie im Zentrum kompakt verteidigen können.

Daniel Wyrschdaniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch