FUSSBALL: Babbel muss Luzern aus Tief führen

Der FC Luzern hat einen neuen Trainer: Markus Babbel (42). Der Deutsche war in seiner Heimat als Spieler erfolgreich. Als Trainer ist seine Bilanz ziemlich durchzogen.

Daniel Wyrsch
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Der ehemalige Bayern-Profi Markus Babbel soll den FC Luzern aus dem Tabellenkeller führen. (Bild: Imago/Jan Hübner)

Der ehemalige Bayern-Profi Markus Babbel soll den FC Luzern aus dem Tabellenkeller führen. (Bild: Imago/Jan Hübner)

Luzern-Sportchef Alex Frei (35) hat einen Überraschungsmann aus dem Ärmel gezogen. Nicht der hoffnungsvolle Ex-Aarau-Trainer René Weiler oder Zug-94-Coach Martin Andermatt ist FCL-Trainer geworden. Nach den Absagen von Thorsten Fink und Ciriaco Sforza wird heute um 11 Uhr mit Markus Babbel (42) ein anderer Ex-Spieler des FC Bayern München in der Swissporarena den Medien vorgestellt. Obwohl der frühere Verteidiger später auch beim FC Liverpool Erfolge feierte und 1996 mit Deutschland den Europameistertitel gewann, zählt für den FC Luzern einzig, welchen Leistungsausweis der gebürtige Münchner als Trainer hat.

Drei Trainerjobs, drei Geschichten

Babbel beendete nach dem Meistertitel 2007 mit dem VfB Stuttgart (als Teamkollege der Schweizer Marco Streller und Ludovic Magnin) seine Profikarriere und wurde anschliessend Assistent von VfB-Trainer Armin Veh. Nach dessen Entlassung am 23. November 2008 wurde Babbel Teamchef. Er führte die Mannschaft auf Platz 3 und in die Champions League. Als er in Köln seine Trainerlizenz machen musste, war er in der folgenden Saison 2009/10 während drei bis vier Tagen wöchentlich abwesend, der sportliche Sinkflug begann. Nach nur zwei Siegen aus den ersten 15 Saisonspielen und nur einem Sieg in fünf Spielen der Champions League wurde er am 6. Dezember 2009 entlassen. Ein Journalist der «Stuttgarter Nachrichten» sagt: «Die Trainerausbildung wurde Babbel zum Verhängnis. Er hatte sich zu viel zugemutet.» Insgesamt attestiert der Reporter dem neuen FCL-Coach eine «ruhige und souveräne Art». Dass Stuttgart kein einfacher Klub ist, musste direkt nach Babbel auch der Schweizer Christian Gross erfahren. Er wurde ebenfalls nach einer erfolgreichen ersten Saison im zweiten Jahr entlassen.

Beim Hauptstadtklub Hertha BSC begann Jungtrainer Babbel die Arbeit in der Saison 2010/11 mit dem Aufstieg in die Bundesliga. Dort etablierte er die Berliner nach der Vorrunde 2011 im Mittelfeld der Tabelle. Doch weil Babbel plante, zum Saisonende seine Arbeit bei Hertha zu beenden, entfachte er eine öffentliche Kontroverse mit Sportchef Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer. Diese gipfelte in der Freistellung Babbels am 13. Dezember 2011.

Bereits am 10. Februar 2012 wurde Babbel Trainer bei der TSG 1899 Hoffenheim. Er unterschrieb einen Vertrag bis 2014. Von März bis September 2012 war er zudem Sportchef des Klubs. Diese Doppelfunktion habe ihn überfordert, gab er später zu. In seiner Funktion als Manager verpflichtete er Tim Wiese und den Schweizer Nationalspieler Eren Derdiyok. Beide erwiesen sich in der Folge als Transferflops. Hoffenheim stellte Babbel am 3. Dezember 2012 frei, denn der Verein von Milliardär und SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp war mit Ambitionen auf einen Platz im europäischen Geschäft in die Saison gestartet, die Realität sah nach 15 Runden mit 9 Niederlagen und nur 3 Siegen konträr anders aus: Abstiegsplatz. Hoffenheim wurde (unter Markus Gisdol) erst in den Relegationsspielen gerettet.

Bayern-Siegergen und Vitamin B

Knapp 22 Monate später muss nun Babbel den FCL aus einer prekären Lage befreien. Für Frei ist die Aufgabe des Nachfolgers von Carlos Bernegger (45) machbar, denn der Sportchef mit toller Spielerkarriere ist überzeugt: «Unsere jetzige Mannschaft ist besser als jene aus dem Vorjahr.» Wobei Luzern nach elf Runden damals 18 Punkte auf dem Konto hatte, derzeit sind es 5. Babbel muss dem in der Meisterschaft immer noch sieglosen Team sofort Selbstvertrauen einimpfen. In der erfolgreichen ersten Saison in Stuttgart, die in der Qualifikation für die Champions League endete, wurde Babbel gelobt, er habe das Siegergen der Bayern ausgestrahlt.

Hier in Luzern kommt er in einen Klub, der nicht geeint ist. Eben erst hat der erfolgreiche Ex-Präsident Walter Stierli seinen Rückzug aus dem Verwaltungsrat der Holding per Ende Jahr publik gemacht. Und man weiss auch nicht, auf welcher Seite Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg steht. Geklärt ist hingegen, dass sich Holding-Präsident Marco Sieber von Ex-Bayern-Spieler Thomas Strunz beraten lässt. Derselbe Strunz wurde 1996 mit Babbel Europameister. Ausserdem hat Frei in der Person des Berner Rechtsanwalts Andreas Gross den gleichen Berater wie Babbel.

Viel Zeit, um sein neues Team kennen zu lernen, hat Babbel nicht. Bereits am nächsten Sonntag empfängt der FCL den Vorletzten FC Vaduz.

Hinweis

Das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1 berichtet heute um 11 Uhr live von der Medienkonferenz mit dem neuen FCL-Trainer Markus Babbel.