FUSSBALL: «Babbel muss sich nicht erklären»

Jakob Jantscher (27) geht mit seiner Rolle als FCL-Edelreservist selbstkritisch um. Der Österreicher spricht an, was zuletzt in Luzern schiefgelaufen ist.

Daniel Wyrsch
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War zuletzt nicht zufrieden mit seinen Leistungen: FCL-Mittelfeldspieler Jakob Jantscher. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

War zuletzt nicht zufrieden mit seinen Leistungen: FCL-Mittelfeldspieler Jakob Jantscher. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Jakob Jantscher gehört zu den FCL-Publikumslieblingen. Die Nummer 10 spielt immer mit Eifer und Emotionen. «Köbi», wie der Österreicher in Luzern gerufen wird, hat die spielerischen Fähigkeiten fürs Spektakuläre. Letzte Saison schoss er sechs Tore und gab elf Vorlagen. Nach zwei Dritteln der aktuellen Meisterschaft stehen erst ein Treffer und drei Assists auf seinem Konto. Die letzten drei Partien war Jantscher Edeljoker. Eine Rolle, die mit einem Spieler seiner Reputation nicht kompatibel ist? Jantscher sieht es anders: «Markus Babbel muss mir nicht er­klären, dass ich zuletzt meine Leis­tungen nicht gebracht hätte. Das weiss ich selbst.»

Dem 27-jährigen Grazer ist klar, wer verantwortlich für den Verlust des Stammplatzes ist: «Nur ich selbst. Ich muss mich im Training wieder aufdrängen und meine Chance nützen, wenn ich spiele.» Für ungenügende Leistungen lässt Jantscher keine Alibis gelten. «Wenn Sportchef Fringer und Co-Trainer Vrabec gehen müssen, dann ist das ein Vorgang, mit dem sich die Klubleitung auseinandersetzen muss und nicht die Spieler. Wir als Mannschaft haben sechs Spiele hintereinander verloren, also tragen wir die Verantwortung dafür.»

Fehlleistungen ansprechen dürfen

Der offensive Mittelfeldspieler hat nach der bittersten aller Niederlagen, dem Halbfinal-Aus im Cup gegen Lugano (1:2), kein Blatt vor den Mund genommen. «In vier Wochen haben wir alles verkackt, was wir verkacken konnten. Wir spielten wie ein Hühnerhaufen.» Auf seine Worte angesprochen, meint Jantscher: «Wenn über 11 000 Leute im Stadion unsere miserable Darbietung sehen, warum soll ich das nicht ansprechen dürfen?» Intern habe seine Aussage ein paar negative Reaktionen ausgelöst. Aber damit könne er um­gehen, sagt der emotionale Steirer.

Froh ist Jantscher, dass die Stimmung seit dem 2:1-Ligasieg am Samstag über Lugano wieder besser ist. «Wir haben nicht überragend, aber konzentrierter und bissiger gespielt. Im Fussball kann es schnell wieder in die andere Richtung gehen.» Auch wenn er Respekt vor dem morgigen Spiel in Thun hat, «wo es auf dem Kunstrasen immer schwierig ist, haben wir unsere Chance». Schliesslich sei der FCL zur Saisonhälfte nicht zufällig Vierter und im Cup-Halbfinal gewesen. Trotz des misslungenen Rückrundenstarts bereut Jantscher nicht, letzten Sommer in Luzern geblieben zu sein. «Ich hatte gute Gespräche mit YB, aber ich fand, dass mich ein Wechsel in meinem Alter nicht wirklich vorwärtsgebracht hätte.» Er verzichtete auf ein deutlich höheres Salär. «Als Team können wir mit Ausnahme des 2:5 vor zwölf Tagen mit YB mithalten. Zudem gefällt es meiner Frau und mir hier sehr.»

Wie er trotz Baby schlafen kann

Vor einem Monat sind Jakob Jantscher und seine Frau Andrada erstmals Eltern geworden. Die Tochter heisst Alma, der Vater ist glücklich. Dank Andradas Entgegenkommen kann er die Nächte im Nebenzimmer durchschlafen.

Nach dem Match in Thun ist Jantscher zum Zusammenzug der österreichischen Nationalmannschaft eingeladen. In Wien bestreitet das Team Testspiele gegen Albanien und die Türkei. Er freut sich, dass Teamchef Marcel Koller verlängert hat. «Trotz anderer Angebote entschied er zu bleiben, weil er noch Entwicklungspotenzial gesehen hat.» An seinen Chancen für die EM-Teilnahme in Frankreich zweifelt er nicht: «Als Profi muss man immer von sich überzeugt sein. Ich gehöre seit Jahren zum Kern der Nationalmannschaft.»

Auf die These, wonach sich er und Markus Neumayr im Spiel neutralisieren würden, sagt Jantscher: «Ich verstehe mich sehr gut mit Markus. Wir sind die gleichen Spielertypen, aber müssen uns erst richtig finden.» Neid wegen der Standards gebe es nicht: «Er schiesst lieber die zentralen Freistösse, ich jene von der Seite.»