FUSSBALL: Babbel setzt ganz auf Zibung

Der neue FCL-Trainer Markus Babbel bezeichnet den Cup-Achtelfinal gegen Aarau (heute, 19.30, Swissporarena) als «Riesenchance». Der Cup sei, so Babbel, der kürzeste Weg nach Europa.

Daniel Wyrsch
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Darf sich heute beim Cup-Hit daheim gegen Aarau keinen Fehler leisten: David Zibung, die alte, neue Nummer 1 im FCL-Tor. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Darf sich heute beim Cup-Hit daheim gegen Aarau keinen Fehler leisten: David Zibung, die alte, neue Nummer 1 im FCL-Tor. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Markus Babbel (42) wirkte gestern an der Medienkonferenz vor dem Achtelfinal-Heimspiel im Schweizer Cup gegen Liga-Konkurrent FC Aarau aufgeräumt und ruhig. Luzerns neuer Trainer sagt vor seinem zweiten Pflichtspiel mit den Zentralschweizern nach zehntägiger Pause: «Ich bin ganz dankbar, dass wir am Wochenende kein Spiel hatten. Wir arbeiteten intensiv.» Er hat sich ausserdem mit dem Gegner beschäftigt, mehrere DVDs mit Spielen der Aarauer angeschaut und Assistent Remo Gaugler zur Ligapartie zwischen Thun und Aar­au (0:0) geschickt. Wegen der Plastikunterlage blieb Babbel der Stockhorn-Arena fern: «Auf Kunstrasen ist es ein anderes Spiel. Da nützte mir die DVD-Analyse mehr.» Sein Fazit klingt wie eine Warnung an seine Mannschaft: «Das wird eine schwierige Aufgabe, läuferisch und mental ein hartes Stück Arbeit. Wir dürfen die Aarauer nicht ihren konstruktiven Fussball spielen lassen.»

Rückkehr zur kompakten Defensive

Das Credo des früheren Weltklasse-Innenverteidigers kommt bei den Ausführungen zum Ausdruck. Nach Carlos Berneggers Bestrebungen zu möglichst viel Ballbesitz kehrt der FCL zurück zu Murat Yakins Vorgabe der kompakten Defensive. Babbel: «Die Basis ist, gut zu stehen, damit wir nicht einem Rückstand hinterherlaufen müssen.» Der Bayer gaukelt nichts vor, er sagt, wo er die Hebel angesetzt hat: «Ich will die Gefahr möglichst weit weg vom Tor halten.»

Diese Einstellung zu «Safety first» dürfte bedeuten, dass es heute in der Swissporarena zu einem torarmen Cupspiel zweier Super-Ligisten kommt. Die Statistik zeigt: Luzern hat in 12 Ligaspielen 12 Tore erzielt, auch Aarau ist mit 14 Treffern aus 13 Partien nur unwesentlich mehr als durchschnittlich 1 Tor pro Match gelungen. Babbel, der zum Auftakt mit Luzern 0:0 gegen Vaduz spielte, verlangt von den FCL-Profis: «Sie müssen Wege gehen, die wehtun.»

Doppelt bitter für Bucchi

Das Fundament einer gut organisierten Abwehr ist die Innenverteidigung. Durch die verletzungsbedingte Absenz von Kaja Rogulj (Muskelfaserriss) sind die zwei zentralen Abwehrspieler gegeben: Sally Sarr und François Affolter. Babbel ist voll des Lobes über die beiden. «François hat gegen Vaduz einen hervorragenden Job gemacht, nachdem er in den ersten Minuten eingewechselt wurde. Bei Sally fragte ich nach wenigen Trainings meine Assistenten, ob er auch innen und nicht nur aussen spielen könne. Und siehe da, er war ursprünglich für die Mittelabwehr vorgesehen. Bei mir spielt er wieder dort.» Hinter dem Duo Sarr/Affolter kehrt David Zibung nun auch im Cup wieder zwischen die Pfosten zurück. Der FCL-Stammtorhüter der letzten zehn Jahre übernimmt somit auch im Cup die Aufgabe von Lorenzo Bucchi, der unter Babbels Vorgänger Bernegger bis zum letzten Cupspiel dieser Saison vorgesehen gewesen wäre. Doppelt bitter für Bucchi, der die letzten zwei Meisterschaftsspiele (1:2 gegen St. Gallen, 1:3 in Sion) unter dem Schweiz-Argentinier bestritten hatte und gegen Vaduz von Babbel zurück auf die Bank beordert wurde. Babbel begründet seinen Entscheid pro Zibung: «David hat mir gegen Vaduz sehr gut gefallen. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, den Torhüter zu wechseln. Die Mannschaft muss wissen, wer hinter ihr im Tor steht.»

Physische Defizite ausgemacht

Bekanntlich ist der Cup ein Knock-out-Wettbewerb. Am Ende wird es einen Sieger geben. Ob nach 90 oder 120 Minuten – und manchmal erst im Penaltyschiessen. «Im Pokal muss man an alle Möglichkeiten denken, auch ans Elfmeterschiessen.» Selbstverständlich möchte Babbel am liebsten in der normalen Spielzeit siegen. Dazu braucht es aber mindestens einen Treffer. Hat er versucht, die Luzerner Schwäche der mangelnden Effizienz zu beheben? «Wir trainierten ebenfalls Torschuss. Sicher ist dort die individuelle Qualität gefragt.»

Mit dem Katastrophenszenario, das ein Ausscheiden für den FCL bedeuten würde, wie ein Journalist meinte, will sich Babbel nicht beschäftigen. «Ich denke positiv, gehe mit optimistischen Gefühlen ins Spiel.» Das mögliche Erreichen der Viertelfinals ist für den Europameister von 1996 mit Deutschland «eine Riesenchance». Der Cup ist für ihn «der kürzeste Weg nach Europa».

Während Babbel trotz der Sieglosigkeit in der Liga kein mentales Problem beim Team feststellt, hat er bei der erhöhten Laufbereitschaft unter ihm ein Defizit erkannt: «Gegen Vaduz sind nach der Pause Löcher in der Defensive entstanden. Deshalb hatten wir an der Physis zu arbeiten.» Voraussetzung ist: Der FCL muss sich heute durchbeissen.

Hinweis

Mehr zum Schweizer Cup auf Seite 32.