FUSSBALL: Babbel steht beim FC Basel auf der Liste

Die gute Arbeit beim FC Luzern zahlt sich für Trainer Markus Babbel aus: Gemäss Insidern ist er beim FC Basel ein ernsthafter Kandidat. Zumindest bis Ende Saison bleibt er dem FCL aber erhalten.

Daniel Wyrsch
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Wiedersehen macht Freude: Fürsprecher Marco Streller (rechts) begrüsst Markus Babbel bei einem Meisterschaftsspiel zwischen Basel und Luzern im St.-Jakob-Park. Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 26. 4. 2015)

Wiedersehen macht Freude: Fürsprecher Marco Streller (rechts) begrüsst Markus Babbel bei einem Meisterschaftsspiel zwischen Basel und Luzern im St.-Jakob-Park. Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 26. 4. 2015)

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Markus Babbel (44) leistet beim FC Luzern zusammen mit seinem Trainerteam gute Arbeit. Als Beobachter muss man nach dieser Vorrunde feststellen: Der Bayer holt wahrscheinlich das Maximum aus dieser Mannschaft, die keinen einzigen Topspieler hat, heraus.

Der FCL hat in den ersten 18 Runden 29 Punkte geholt – gleich viele wie der spielerisch deutlich talentiertere FC Sion mit Cracks wie Carlitos, Konaté, Akolo und Salatic. Beim 3:1-Sieg der Walliser am Sonntag auf dem hart gefrorenen Terrain im Tourbillon wurde deutlich, dass Sion nicht nur punkto Standfestigkeit mehr Potenzial hat.

Sieben-Punkte-Polster für erneute Europacup-Teilnahme

Trotzdem haben die Luzerner (4.) zusammen mit Sion (3.) sieben Punkte Vorsprung auf die fünftplatzierten Grasshoppers, die als erstes Team nicht auf einem der Europacup-Ränge stehen. Die Chancen sind gut, dass Babbel den FCL zum zweiten Mal hintereinander in die Europa-League-Qualifikation führt. Dieses Kunststück ist bis auf Meistertrainer Friedel Rausch (1989/1990) keinem Coach der Innerschweizer gelungen. Ausserdem hat der FCL in den beiden letzten Jahren unter Babbel aussergewöhnlich viele Zähler gesammelt: heuer 57 und im Vorjahr 60 Punkte.

Gemäss unserer Zeitung vorliegenden Insiderinformationen aus Basel ist FCB-Präsident Bernhard Heusler (52) die gute Arbeit von Markus Babbel in der Innerschweiz mehr als nur aufgefallen. Der Vertrag des aktuellen Basel-Trainers Urs Fischer (50) läuft Ende Saison aus. Obwohl Heusler gestern an einem Bilanzgespräch Fischer eine «hervorragende Arbeit» attestierte, ist dessen Zukunft beim FCB nach dem ernüchternden Abschneiden in der Champions League weiterhin offen.

Dafür soll gemäss unseren Informationen Babbel auf der Liste der Trainer stehen, die für den FCB ein ernsthaftes Thema für die Zukunft sind. Babbel antwortete nach dem Match in Sion darauf angesprochen: «Das ist als Trainer wie bei einem Spieler: Wenn man erfolgreich arbeitet, weckt das Begehrlichkeiten.» Trotzdem besinnt sich der Deutsche auf die bis Ende Juni 2018 dauernde Verpflichtung bei seinem jetzigen Arbeitgeber: «Ich weiss, was ich am FC Luzern habe, mir macht die Arbeit extrem viel Spass – und vor allem habe ich hier einen Vertrag. Darum beschäftige ich mich mit solchen Gerüchten nicht.»

Allerdings ist für jeden Spieler und Trainer in der Schweiz der FC Basel die Topadresse. Würde er mit Präsident Heusler reden, falls eine Anfrage käme? Babbel: «Ich habe schon öfter mit Bernhard Heusler gesprochen, weil er ein sympathischer Mensch ist und weil ich aus Höflichkeit mit den Leuten spreche.»

Marco Streller wollte Babbel schon 2015 zum FCB holen

Babbel kennt sich nach rund 25 Jahren im Profifussball mit den Nebengeräuschen des Geschäfts bestens aus. «Spekulationen gehören zu unserem Sport», sagt er. Aber er verschweigt andererseits bewusst, dass er bereits im Sommer 2015 eine lose Anfrage des FCB hatte. Damals suchte der Serienmeister nach dem kurzfristigen Abgang von Paulo Sousa zu Fiorentina unter Hochdruck einen neuen Coach. Marco Streller, Babbels Mitspieler und Zimmerkollege beim VfB Stuttgart im Meisterjahr 2007, hatte den FCL-Trainer ins Spiel gebracht. Zu dieser Zeit noch Captain, ist der 35-jährige Streller heute Mitglied der Technischen Kommission und Ambassador des FCB. Als Babbel im Oktober 2014 von Luzern verpflichtet worden war, sagte Streller in einem Interview: «Ich kenne ihn als Trainer nicht, aber als Menschen – und da ist er fantastisch.»

Für Sousa übernahm der vormalige Thun- und Zürich-Coach Fischer den FC Basel – einen Klub, den er zumindest zu Beginn als ungewohnt gross empfand. Babbel bräuchte als Ex-Spieler der Weltklubs Bayern und Liverpool keine Eingewöhnungszeit. «Markus hat sehr, sehr breite Schultern», weiss Streller. Babbel würde mit dem Druck im «Joggeli» klarkommen. Zudem spricht für ihn, dass er stets mutig nach vorne spielen lässt.

Zumindest bis Ende Saison bleibt er FCL-Coach. Doch auch Babbel weiss: Danach ist im unberechenbaren Fussballgeschäft alles möglich.