FUSSBALL: Babbel will FCL-Trainer bleiben

Der FCL hat sich unter Markus Babbel weitgehend gefangen. Noch ist der Ligaerhalt nicht geschafft, trotzdem stellt sich die Frage, ob es mit Babbel weitergeht.

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Will FCL-Trainer bleiben: Markus Babbel. (Bild: Philipp Schmidli)

Will FCL-Trainer bleiben: Markus Babbel. (Bild: Philipp Schmidli)

daniel wyrsch

Vertraglich ist die Situation geregelt: Wenn Markus Babbel (42) mit dem FC Luzern die Klasse hält, verlängert sich sein Vertrag im Sommer automatisch um ein Jahr. Die Richtigkeit dieser Option hat FCL-Präsident Ruedi Stäger (58) unserer Zeitung kürzlich bestätigt.

Trotzdem muss der einen Tag vor Babbels Start in Luzern erstellte Vertrag vom 12. Oktober 2014 nicht zwingend bedeuten, dass der Deutsche FCL-Coach bleibt. Ein Ausstieg würde den Verein, der bis Sommer 2016 weiterhin Babbels Vorgänger Carlos Bernegger auf der Lohnliste hat, zusätzlich eine sechsstellige Abfindungssumme kosten.

Betrachtet man die Rückrundentabelle der Super League, hat Luzern eine positive Entwicklung genommen: Mit 15 Punkten aus 10 Spielen belegen die Zentralschweizer Platz 4. Insgesamt hat Babbel 23 Zähler aus 17 Partien geholt, der Schnitt pro Match beträgt 1,35 Punkte und würde, hochgerechnet auf die Saison, 48 Punkte bedeuten. Damit wäre man letzte Saison Sechster geworden.

Hält das Team in den letzten acht Runden dieses Leistungsniveau, schafft es den Ligaerhalt. Unsere Zeitung wollte von Markus Babbel wissen, wie er seine Zukunft beim FCL sieht. Das Gespräch fand am letzten Samstag statt.

Markus Babbel, es ist üblich, dass ein Nothelfer wie Sie, der den Klub vor dem Abstieg rettet, zur Belohnung eine Vertragsverlängerung bekommt.

Markus Babbel: Ich will ja nicht belohnt werden in dem Sinn, jetzt hat er es geschafft, jetzt bleibt er halt noch ein Jahr. Ich muss schon das Gefühl haben, dass sie mich wollen. Im Geschäft ist das so, wenn man merkt, man will nicht, dann ist es auch in Ordnung, dann wird das offen kommuniziert. Aber dieses Gefühl habe ich nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich hier schon gern gesehen bin und meine Arbeit honoriert wird.

Hat es bereits Gespräche über Ihre Zukunft beim FC Luzern gegeben?

Babbel: Ich bin mit dem Präsidenten in einem sehr engen Austausch, er weiss Bescheid, er weiss, wie ich denke, wie ich das Ganze sehe. Da werden wir uns in den nächsten Tagen und Wochen zusammensetzen, um zu wissen, ob wir weitermachen wollen. Da ist überhaupt keine Hektik angesagt. Klar, irgendwann muss auch eine Planungssicherheit da sein für den Verein, aber auch für mich.

Einfach so bleiben Sie kaum beim FCL welche Vorstellungen haben Sie?

Babbel: Es gehören ein paar Faktoren dazu, die man besprechen muss. Was kann man machen? Was gibt es für Möglichkeiten? Oder geht es genau so weiter? Ich habe es schon mehrfach gesagt: Mir gefällt es hier sehr gut, und es ist hier etwas zu bewegen. Aber die Frage ist: Kann man etwas bewegen? Das ist die Komponente, bei der ich nicht ganz genau weiss, ob es wirklich möglich ist. Aber auch das wird in den nächsten Wochen geklärt sein, und dann setzt man sich zusammen und findet heraus, ob man den Weg weiter zusammen geht.

Sie haben vor sechs Monaten bei Ihrer Präsentation gewusst, dass Sie hier junge Spieler einbauen müssen.

Babbel: Ganz ehrlich kann ich den Schmarren irgendwann nicht mehr hören. Wenn die Jungen da wären, wäre ich der Letzte, der es verhindern würde, sie spielen zu lassen. Man muss sich meine Vita nur mal ansehen, bei Hertha BSC waren es mit Nico Schulz und Marco Djuricin zwei 17-Jährige, die gespielt haben, und ich musste erst noch mit dem Klub aufsteigen. Ein Pierre-Michel Lasogga war damals 19, der kam aus der A-Jugend, und ich habe den fast zur Nationalmannschaft gebracht. Er wechselte für 8 Millionen Euro zum HSV, also ist er auch kein ganz «blinder» Fussballer. Aber diese Spieler hatten natürlich ein gewisses Talent, da tun sich unsere einfach noch ein bisschen schwer. Ich bin ja nicht der Erste, glaube ich, der das sagt.

Alain Wiss war in der Saison 2007/08 der letzte FCL-Nachwuchsspieler, der den Durchbruch schaffte.

Babbel: Das hat einen Grund. Ich schmeisse nicht aus blindem Aktionismus irgendwelche Junge ins kalte Wasser, nur damit das Umfeld befriedigt ist. Wir sind in einer extrem schwierigen Situation. Als ich übernahm, hatten wir fünf Punkte, jetzt sind wir sechs vor Aarau, und trotzdem ist das Ding noch nicht erledigt. Es ist für alle Beteiligten wichtiger, wenn der Klub zuerst in der Liga bleibt. Falls danach Talente zur Verfügung stehen, versuche ich, die Jungs einzubauen. Aber sie dürfen uns nicht schwächen, da sind unsere noch nicht so weit. Sie trainieren mit, wir haben da mit Nico Haas und Omar Thali einen positiven Prozess seit der Winterpause eingeleitet. Remo Arnold und Joao de Oliveira sind jetzt dazugekommen. Man muss den Jungen Zeit geben, sich zu entwickeln. Deshalb tue ich mich auch so unheimlich schwer damit, wenn ich lese, ich sei kein Ausbildungstrainer.

Ärgert es Sie zudem, dass man von der neuen Trainings-Infrastruktur mehr erwartet hat?

Babbel: Nur weil man hier einen Komplex hingestellt hat, meint man, jetzt spriessen die Talente aus dem Boden. Das ist ein langer Prozess. Zuversichtlich bin ich, dass Haas in der neuen Saison ein vollwertiger Spieler wird, dann hat er die Matura-Prüfungen hinter sich. Gleiche Perspektiven sehe ich für Goalie Jonas Omlin.