FUSSBALL: Babbel will «Platz schaffen» für Talente

Luzern versucht seit Jahren, Nachwuchsspieler ins Super-League-Team einzubauen. Trainer Markus Babbel macht jetzt Ernst – unterstützt vom wirtschaftlichen Druck.

Daniel Wyrsch
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Die U-21-Junioren Nicolas Haas (links) und Omar Thali (rechts), hier im Spiel gegen Kriens, sollen an die erste Mannschaft herangeführt werden. (Bilder Philipp Schmidli)

Die U-21-Junioren Nicolas Haas (links) und Omar Thali (rechts), hier im Spiel gegen Kriens, sollen an die erste Mannschaft herangeführt werden. (Bilder Philipp Schmidli)

Gestern Vormittag auf einem der Trainingsplätze auf der Allmend. Bei garstigen Bedingungen trainieren 22 Feldspieler und drei Torhüter. Dazu dreht Claudio Lustenberger (27) Runden. Der Captain hat muskuläre Probleme, nach 30 Minuten gibt er erleichtert Entwarnung. «Am Dienstag kann ich wieder mit dem Team trainieren.» Das bedeutet: Der FC Luzern kann morgen Mittwoch (19.45, Swissporarena) im Nachtragsspiel gegen den BSC Young Boys in Bestbesetzung antreten. Beim Tabellenletzten FCL, der sein letztes Spiel am Samstag in Aarau 3:0 gewann, ist die Zuversicht zurück: Die Zentralschweizer hoffen, dass sie die Saison dank des Schlussspurts vor dem Jahreswechsel (am Samstag um 17.45 Uhr folgt zu Hause der letzte Match gegen Basel) doch noch in etwas bessere Bahnen lenken können.

Kaderreduktion unumgänglich

Eines ist jetzt schon sicher: Aufgrund des erneut hohen Defizits von zwischen 2 und 3 Millionen Franken wird der FCL bald nicht mehr über ein Kader von 25 Profis verfügen. Wie unsere Zeitung von mehreren Investoren erfahren hat, ist künftig ein schlankeres Fanionteam vorgesehen. Das Ziel ist, mit einem Gerüst von 16 Spielern auszukommen. Das genügt natürlich nicht, um durch eine Saison zu kommen. Weitere sechs Fussballer sollen aus dem eigenen Nachwuchs mit Akademie zum Profikader stossen. Damit käme man der schon lange angestrebten Durchlässigkeit für Talente einen grossen Schritt näher.

FCL-Cheftrainer Markus Babbel spricht zwar auch von einem «Kaderschnitt», den sie in der Winterpause nach eingehender Analyse vollziehen möchten, aber noch längst nicht in dem Mass, wie es die strategischen Pläne der Geldgeber aus der Holding vorsehen. Sicher kommt dem Übungsleiter bei seiner Umsetzung der Teamreduktion der wirtschaftliche Sachzwang entgegen. Babbel erklärt: «Wenn man Junge dazunimmt, muss man auch Platz schaffen, um weiterhin ein qualitativ gutes Training anzubieten.» Mit 30 Leuten wäre das nicht mehr möglich, schliesslich wolle man jedem Spieler gerecht werden. Er findet: «Sobald man der Meinung ist, Spieler XY habe hier keine Perspektiven mehr, muss man mit diesem offen und ehrlich umgehen.»

Natürlich will der Bundesliga- und Premier-League-erfahrene Babbel vor den zwei ausstehenden Heimspielen gegen YB und Basel kein Fass auftun – egal, ob er als Bayer das Münchner Oktoberfest mag. «Es ist eine Sache, mit der wir uns nach diesen letzten Partien beschäftigen. Bis Samstag ist der Fokus auf den Hinrundenschluss gerichtet.»

Trotzdem kann man sich vorstellen, wer auf die Liste der Spieler kommt, von denen sich der FCL trennen könnte. Dazu gehört der Uruguayer Andrés Lamas (30). Nur in den letzten vier Partien unter Ex-Trainer Carlos Bernegger kam der Anfang August geholte Innenverteidiger mit Vertrag bis Sommer 2016 zum Einsatz – mit ihm verlor der FCL stets. Babbel setzte Lamas nur einmal auf die Bank, sonst stand er nicht einmal im Aufgebot. Auch für Linksaussen Jahmir Hyka (26) dürfte die Luft dünn werden. Der Vertrag des Albaners läuft im Sommer nach vier Jahren aus.

Winter steht vor Abgang zu YB

Hartnäckig heisst es aus Insiderkreisen des morgigen Gegners YB, dass Rechtsaussen Adrian Winter (28) zu den Bernern wechselt. Möglicherweise schon zum Trainingsbeginn im Januar, obwohl sein Kontrakt noch bis Ende Saison läuft.

Mit ins Trainingslager nach Marbella (13. bis 22. Januar 2015) und definitiv ins Kader will Babbel die aufstrebenden Luzerner Talente Nicolas Haas (18, Mittelfeld) und Omar Thali (19, Sturm, bisher 13 1.-Liga-Saisontore) nehmen. Babbel: «Die beiden haben sich in der U 21 mit tollen Leistungen aufgedrängt, sie sind bereit für den nächsten Schritt.»

Die restlichen Spiele vor der Winterpause. Nachtragsspiel der 13. Runde. Mittwoch, 19.45: Luzern - Young Boys. – 18. Runde. Samstag, 17.45: Luzern - Basel. – 20.00: Grasshoppers - Young Boys. – Sonntag, 13.45: Thun - FC Zürich, Vaduz - Aarau. – 16.00: St. Gallen - Sion.