FUSSBALL: Babbel zögert mit Neumayr

Steht Wunschtransfer Markus Neumayr heute (16.00) gegen den FC Zürich in der Startformation des FCL? Beim 0:3 in Basel war sein Stellvertreter Clemens Fandrich ungenügend.

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Kann er seinen neuen Arbeitgeber heute im offensiven Mittelfeld dirigieren? Markus Neumayr (rechts, im Spiel gegen Basel) hofft auf seinen ersten FCL-Einsatz von Beginn weg. (Bild: Freshfocus/Martin Meienberger)

Kann er seinen neuen Arbeitgeber heute im offensiven Mittelfeld dirigieren? Markus Neumayr (rechts, im Spiel gegen Basel) hofft auf seinen ersten FCL-Einsatz von Beginn weg. (Bild: Freshfocus/Martin Meienberger)

Daniel Wyrsch

Markus Neumayr (29) ist meist ein gut gelaunter Mensch. Er lächelt, wenn er seine Arbeit auf dem Trainingsplatz getan hat. Kicken macht ihm sichtlich Spass. So auch während dieser Woche. Obwohl er am letzten Sonntag in Basel bei seinem Debüt im FCL-Dress erst nach mehr als einer Stunde Spielzeit zum Einsatz kam. Das war für ihn bestimmt eine Enttäuschung, nachdem er von Markus Babbel in die Zentralschweiz geholt worden war. Der Trainer begründete am Tag nach der 0:3-Niederlage zum Rückrundenstart: «Das war eine taktische Geschichte, dass Markus in Basel lange draussen blieb. Er muss sich erst an unseren Rhythmus gewöhnen, wir betreiben einen Fussball mit hohem Laufaufwand und mit Abläufen, die er noch verinnerlichen muss.»

Ob Neumayr, der filigrane Techniker, heute im Heimspiel gegen den Tabellenletzten FC Zürich von Beginn an auflaufen darf, ist alles andere als sicher. Babbel sagte am Freitag: «Wir alle wissen, dass er ein hervorragender Fussballer ist. Aber er muss noch an unserer Philosophie arbeiten, wie wir Fussball spielen und wie wir gegen den Ball arbeiten wollen.» Anders ausgedrückt: Neumayr verrichtet für den Geschmack des Trainers zu wenig Defensivarbeit. Bekannt war, dass der deutsche Spielmacher zuvor in Vaduz mehr oder weniger offensive Narrenfreiheit genoss, ihm ein kompakter Defensivverbund von sieben Feldspielern den Rücken frei gehalten hatte.

Ähnlich wie einst bei den Yakins

Die unterschiedlichen Auffassungen zwischen Babbel und Neumayr erinnern an die Dissonanzen zwischen Murat und Hakan Yakin. Vor fünf Jahren wollte Murat Yakin als FCL-Trainer von seinem jüngeren Bruder Hakan, dass dieser bei gegnerischem Ballbesitz zum ersten Verteidiger wird. Die Begeisterung hielt sich beim Techniker in Grenzen. Entspannung kam erst auf, als Hakan Yakin nach Bellinzona wechselte.

Von einem Abgang Neumayrs ist der FCL nach wenigen Wochen der Zusammenarbeit selbstverständlich weit entfernt. Polemik um diesen Transfer ist dennoch nicht ausgeschlossen. Kritik muss der deutsche Coach für sein hartnäckiges Festhalten an Mittelfeldspieler Clemens Fandrich hinnehmen. Gegen Basel verlor der 25-jährige Cottbuser den Ball in günstiger Position bei mehreren Konterangriffen.

Als eine Hauptbegründung für die Vertragsverlängerung mit Babbel bis 2018 nannte Ruedi Stäger die Qualitäten des Bayers in der Arbeit mit dem Nachwuchs. Allerdings hat in den anderthalb Jahren unter dem Trainer einzig der derzeit grippekranke Hekuran Kryeziu (23) als klubeigener Spieler den Durchbruch geschafft. Von Remo Arnold (19) und Nicolas Haas (20) verlangt Babbel weiterhin Geduld. Mittelfeldspieler Haas ist zuletzt in Testspielen und im Training positiv aufgefallen.

Babbels Lob für Haas

Babbel hielt diese Woche fest: «Nicolas Haas macht seine Arbeit schon seit mehreren Wochen sehr gut. Er hatte im Herbst ein Tief gehabt, über das wir sehr ausführlich miteinander redeten. Ich muss sagen, er hat eine tolle Reaktion gezeigt, er nahm sich die Kritik zu Herzen und hinterfragte sich selber.» Der ehrgeizige Nachwuchsmann ist gemäss Babbel wieder auf einem sehr guten Weg. «Er ist eine tolle Alternative für uns und bringt unglaublich viel mit.»

Vielleicht kommt Haas heute gegen den FCZ zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz der Rückrunde.

Chiumiento fehlt Fitness fürs Comeback gegen FCL

FC Zürich dw. Angesprochen auf die heikle Lage seines früheren Liverpool-Mitspielers Sami Hyypiä (42) beim FCZ, sagte FCL-Trainer Markus Babbel: «Die Zürcher haben im Winter sehr viel geändert. Vorerst ohne Erfolg. Aber Sion zählt zu den stärksten Teams.» 0:1 ging der Rückrundenstart gegen die Walliser für die Mannschaft von Trainer Hyypiä verloren. Es war die vierte Niederlage im zwölften Spiel unter dem Finnen, der mit seinem Team bislang nur zwei Siege errang und sechs Mal die Punkte teilte.

Der Einfluss des FCZ-Captains

Mittelfeldspieler Davide Chiumiento (31) war letzten Montag in den Kreis der Mannschaft zurückgekehrt. Captain Gilles Yapi hatte Hyypiä und FCZ-Präsident Ancillo Canepa mit Erfolg darum gebeten, den technisch versierten Vorlagengeber aus der Verbannung der U 21 ins Fanionteam zurückzuholen. Chiumiento wäre heute in Luzern einsatzbereit. Hyypiä aber stellte klar: «Wenn Davide topfit ist und es innerhalb der Mannschaft stimmt, kann er ihr sehr helfen. Im Moment aber könnte er noch fitter sein.» Also wird der Ex-FCL-Profi in der Swissporarena höchstens Ersatz sein und kaum zu einem Teileinsatz kommen.

Für Kopfschütteln hatten die Zürcher in der Winterpause gesorgt: Mit Amine Chermiti (Ajaccio/Fr), Mario Gavranovic (Rjeka/Kro) und Armando Sadiku (Vaduz) gaben sie gleich drei Stürmer ab, wobei Sadiku die Liechtensteiner am letzten Wochenende mit zwei Toren in Lugano (5:2) auf Kosten des FCZ vom Tabellenende wegschoss. In den Letzigrund wechselte der Russe Alexander Kerschakow (33, Zenit St. Petersburg), der mit 30 Toren Rekordschütze seiner Landesauswahl ist. Bei seinem Debüt für Zürich machte er einen harmlosen Eindruck.

Hyypiä zögerte am Freitag noch, ob er den senegalesischen Stürmerneuling Moussa Koné (19) aus Dakar in Luzern einsetzen will.

Geflohener Christian Schneuwly

Ein Wiedersehen gibt es für den FCZ-Trainer nicht nur mit dem früheren Kumpel Babbel, sondern auch mit Christian Schneuwly (28). Der Mittelfeldspieler floh trotz gut dotiertem Vertrag bis 2018 nach nur einem Jahr aus Zürich zum FCL, weil er seine Einsätze unter Hyypiä schwinden sah.
Fakt ist: Gewinnt der FCZ heute in Luzern nicht, bleibt er Letzter. Im Herbst hat er gegen den FCL zweimal verloren (auswärts 0:1, zu Hause 2:5).

Den dritten Saisonsieg gegen den FCZ strebt natürlich Babbel an: «Wir müssen unsere Dominanz auf das Feld bringen und die Fehler des Gegners bedingungslos ausnützen.» Der FCL-Trainer will «zumindest unseren vierten Platz verteidigen». Dafür brauchen die Zentralschweizer heute wahrscheinlich drei Punkte.