FUSSBALL: Babbels vergebliches Hoffen auf das Comeback von Puljic

Luzern tritt morgen (19.45) im Heimspiel gegen St. Gallen wohl mit der gleichen Startelf an wie beim 2:1-Sieg in Basel. Abwehrchef Tomislav Puljic bleibt draussen.

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Vorderhand nicht einsetzbar: FCL-Innenverteidiger Tomislav Puljic (in Blau), hier gegen FCZ-Stürmer Amine Chermiti. (Bild Philipp Schmidli)

Vorderhand nicht einsetzbar: FCL-Innenverteidiger Tomislav Puljic (in Blau), hier gegen FCZ-Stürmer Amine Chermiti. (Bild Philipp Schmidli)

François Affolter und Sally Sarr sind am Sonntag in Basel gegen den Serienmeister ohne einen nennenswerten Fehler über die Runden gekommen. Dabei musste das Duo die Stamm-Innenverteidiger Tomislav Puljic und Kaja Rogulj ersetzen. Nach einer solchen Leistung auf diesem Niveau ist es normalerweise üblich, dass die Trainer sich schwertun, personelle Wechsel vorzunehmen. Markus Babbel aber signalisierte deutlich, dass er Abwehrchef Tomislav Puljic morgen zu Hause gegen St. Gallen gerne wieder zurück im Team gehabt hätte. Dem Bayer ist, wenn es um die Personalie Puljic geht, egal, dass der Kroate wegen einer Verletzung die beiden bisher besten Saisonspiele gegen GC (2:0) und Basel (2:1) verpasst hat.

Doch enttäuscht erklärt Babbel: «Pu­ljic hat mir gesagt, dass er sich nicht gut fühlt. So macht es keinen Sinn, einen Spieler aufzustellen.» Die Konsternation beim FCL-Trainer ist verständlich. Puljic war während der ersten acht Partien der Rückrunde der effektivste Spieler; der zentrale Abwehrmann überzeugte nicht nur mit seiner enormen Präsenz und Kopfballstärke, er erzielte bis dato auch die einzigen drei Verteidigertore der Luzerner in dieser Saison.

Das Risiko wäre zu gross

Puljic sagt, es gehe ihm viel besser als in der ersten Phase nach dem vor knapp drei Wochen im Spiel gegen Thun (0:1) erlittenen Anriss des Syndesmosebandes. «Aber ich möchte gegen St. Gallen kein Risiko eingehen. Vielleicht bin ich am Sonntag für das Spiel in Aarau bereit.» Schmerzen spüre er schon, sobald er gegen einen Ball trete, klärt er auf.

Vier Jahre kaum einmal verletzt

Mit FCL-Mannschaftsarzt Sascha Käsermann oder einem anderen Mediziner habe er nicht über das Risiko eines zu frühen Einsatzes gesprochen. Puljic: «Ich habe mit unseren Physiotherapeuten darüber diskutiert.» Wer möchte es dem 32-jährigen Profi verdenken, dass er zuerst möglichst wieder gesund werden möchte, bevor er sich der Belastung von Pflichtspielen aussetzt. Mindestens zwei Jahre will er noch auf diesem Niveau spielen. Die Verletzung muss ihn stark behindern, sonst hätte er bereits sein Comeback gegeben. Denn Puljic hatte in den ersten vier Jahren beim FCL kaum ein Spiel aus Verletzungsgründen verpasst.

Keine Angst um den Stammplatz

Affolter und Sarr spielten als hinterste Feldspieler eine starke Partie in Basel, das Innenverteidiger-Duo wurde hervorragend von den neun anderen im Einsatz stehenden Teamkollegen unterstützt. Eine Woche zuvor gelang dem gegen den FCB gesperrten Kaja Rogulj ein fehlerloser Auftritt beim 2:0-Heimsieg gegen GC. Ein Einsatz von Puljics Landsmann ist gegen St. Gallen jedoch wie für Alain Wiss fraglich (siehe Box).

Besteht für Puljic ein Grund, sich Gedanken über einen allfälligen Verlust des Stammplatzes machen zu müssen? Der 1,92 Meter hohe Abwehrturm scheint ein derart grosses Selbstvertrauen zu haben, das mindestens seiner Körperlänge entspricht. Puljic sagt, er sei glücklich, dass die Abwehrkollegen in seiner Abwesenheit überzeugende Leistungen gezeigt hätten, das sei gut für die ganze Mannschaft. «Ich mag François Affolter, Sally Sarr und allen anderen das Erfolgserlebnis in Basel gönnen. Ich hoffe, wir werden auch gegen St. Gallen gut spielen, denn wir sind ein Team und haben ein gemeinsames Ziel, den Ligaerhalt.»

Oben in der Team-Hierarchie

Puljic, dessen Vertrag sich mit dem Erreichen des Klassenerhalts um ein Jahr verlängert, hat eine professionelle Einstellung. Dem dreifachen Familienvater ist durchaus bewusst, welches Standing er in der Teamhierarchie und bei Trainer Babbel hat. «Ich denke, dass ich der Mannschaft nach meiner Rückkehr zu Beginn der zweiten Saisonhälfte sehr helfen konnte und so auch Selbstvertrauen zurückgebracht habe», sagt Puljic. Ob man seinen eher körperbetonten Stil mag oder nicht, ist nicht relevant. Objektiv betrachtet muss man dem 15-fachen Super-League-Torschützen (134 Spiele) Recht geben. Obwohl er wie alle anderen beim FCL auch kein «Lautsprecher» ist, bringt er wenn er denn spielt – Ausstrahlung mit auf den Platz.

daniel wyrsch