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FUSSBALL: Ballkünstler – kein zweiter Picasso

FCL-Botschafter Kurt «Kudi» Müller feiert heute seinen 70. Geburtstag. Der 41-fache Ex-Internationale spricht über seine Karriere, das Blüemli-Dress und Ehefrau Madeleine.
Daniel Wyrsch
«Kudi national» auf der FCL-Tribüne mit dem legendären Flower-Power-Dress. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 7. Mai 2018))

«Kudi national» auf der FCL-Tribüne mit dem legendären Flower-Power-Dress. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 7. Mai 2018))

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Kudi Müller, Sie werden 70 Jahre alt. Der FCL spielt in St. Gallen. Wird der Klubbotschafter auf das Auswärtsspiel verzichten und stattdessen mit seiner Familie feiern?

Ja, wir machen ein Familienfest. Ich freue mich auf die Feier mit meinen drei Söhnen und der Tochter und deren Familien. Dazu gehören natürlich auch zwei Enkel und eine Enkelin. Ich bin gerne Fussballer, aber die Familie geht vor. Sonst wären meine Frau Madeleine und ich nicht 50 Jahre zusammengeblieben.

Trotzdem dürfte es für Ihre Ehefrau mit dem Fussballer Kudi Müller nicht immer einfach gewesen sein.

Der Fussball hat natürlich schon einen grossen Teil meiner Zeit in Anspruch genommen. In meinem Fall passt der Spruch: Hinter jedem starken Mann steht eine noch stärkere Frau. Madeleine hat unsere vier Kinder grossgezogen und dazu im Sportgeschäft mitgearbeitet. Dank ihr konnte ich mich im Fussball entfalten.

Sie sind fit wie eh und je, steigen in der Swisspor-Arena ganz locker Treppen hoch und runter. Auch als Profi waren Sie kaum einmal verletzt. Warum?

Weil ich einen seriösen Lebenswandel gepflegt habe. Ab und zu trank ich ein Bier. Aber klar, früher konnte man sich noch mehr leisten. Bigi Meier und ich gingen als Jungspunde immer mal wieder ins Hinterland an Feste, doch bis der Trainer das erfuhr, war es bereits verjährt.

Als 20-Jähriger gaben Sie vor 50 Jahren das Debüt beim FC Luzern in der National- liga A. Wie kam es dazu?

Wir spielten auswärts gegen YB. Ernst Wechselberger stellte mich nicht auf, ich musste mit den Reserven antreten. Wir gewannen 8:2, ich steuerte sechs Tore bei. Die erste Mannschaft verlor gleichentags gegen YB 1:4. Auf der Rückfahrt kam Trainer Wechselberger zu mir an meinen Platz ganz hinten im Bus und teilte mir mit, dass ich am folgenden Sonntag im Fanionteam spiele. Die Partie fand zu Hause gegen Biel statt, in der 5. Minute erzielte ich das 1:0, das zweite Tor bereitete ich vor, wir siegten 2:1. Von diesem Moment an war ich nie mehr bei den Reserven.

Sie erzählen davon, als sei dieses Premierenspiel gestern gewesen, dabei ist inzwischen ein halbes Jahrhundert vergangen. Welche Gedanken lösen diese 50 Jahre im Rückblick bei Ihnen aus?

Mir gefällt, dass ich nach wie vor mit dem Fussball verbunden bin. Obwohl ich am Anfang eine Lehre als Schriftenmaler machte und an der Kunstgewerbeschule war, weil ich meinte, aus mir gäbe es einen zweiten Picasso. Ich bin ein Künstler mit dem Ball geworden. Damals arbeitete ich acht Stunden pro Tag im Malergeschäft von Harry Bühlmann – er ermöglichte es mir, zwischen der Arbeitszeit ein Training zu besuchen. Das war ein Riesenvorteil.

Sie haben auf unseren Wunsch das legendäre Pop-Dress des FC Luzern aus dem Jahr 1971 mitgenommen. Wie kam es dazu, dass die Innerschweizer mit diesem Flower-Power-Shirt gespielt haben?

Der damalige Präsident Edy Renggli war Kunstmaler, er hatte das bunte Trikot entworfen. Gegen Lausanne weihten wir das Blüemli-Leibchen ein. Der Vater von Stéphane Chapuisat, Gabet Chapuisat, spielte gegen mich. Als wir zusammen auf den Platz gingen, sagte er zu mir: «C’est rigolet.» Es sei lächerlich, wie der FCL auftrete. Am Schluss siegten wir 4:1. Danach ging ich zu Chapuisat und sagte: «Veux-tu mon maillot?»

Von Luzern wechselten Sie zu GC, anschliessend zu Hertha BSC, später spielten Sie für Servette und YB. Welches Ereignis aus der glanzvollen Karriere ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

Das Bundesliga-Spitzenspiel 1975 mit Hertha im ausverkauften Berliner Olympiastadion mit rund 100 000 Zuschauern gegen den Leader Gladbach. Ich konnte beide Tore zum 2:1-Sieg schiessen. Berti Vogts spielte gegen mich, sah dabei nicht gut aus. In Interviews sagte er nach dem Match, dass er nie mehr gegen diesen Müller spielen wolle, nicht gegen Gerd, sondern gegen den Müller aus der Schweiz.

Wie lebten Sie im geteilten Berlin des Kalten Krieges?

Wenn man mit dem Auto von der West- in die Ostzone fuhr, wurde man kontrolliert. Es war Pflicht, 20 Deutsche Mark in Ostmark umzutauschen, Retourgeld gab es bei der Rückkehr keines. Das Auto wurde völlig auseinandergenommen, die DDR-Grenzwächter wollten verhindern, dass sich jemand verstecken kann. Selbst einen alten «Blick», der im Auto lag, konfiszierten sie.

Machen wir einen Sprung in die Gegenwart: Sie sind seit Jahren Botschafter des FCL und nahe dran am Profiteam. Was macht Gerardo Seoane anders als sein Vorgänger Markus Babbel?

In erster Linie ist Gerry Seoane ein Offensivtrainer, als früherer Mittelfeldspieler hat er eher den Drang nach vorne. Mit dem positiven Gedanken des Vorwärtsfussballs kann die Mannschaft auch einen Rückstand noch wettmachen. Das hat der FCL unter Seoane schon bewiesen.

Was ist Ihr persönlicher Wunsch zum 70. Wiegenfest?

Das Entscheidende ist die Gesundheit und dass es der Familie gut geht. Wichtig ist auch, dass man zufrieden ist. Oft sucht man nach mehr, dadurch sind viele Leute unzufrieden. Sobald ein Partner mehr will, kommt es zum Streit. So ist es in der Familie, aber auch im Sport. Im Moment haben wir beim FCL Ruhe, ich hoffe, es bleibt so. Eine starke Gruppe besteht unter anderem aus Leuten, die sich zurücknehmen können. Ich wünsche mir, dass die Innerschweizer wieder Spass am FCL haben und in Scharen zu den Spielen auf der Allmend pilgern.

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