FUSSBALL: Bei Berneggers FCL wird das «Gefühl zu versagen stärker»

Nach sieben Spielen steht der FCL als einziges Team der Super League ohne Sieg da. Die Kritik an Trainer Carlos Bernegger wächst, der beim 1:1 gegen Aarau einen ratlosen Eindruck hinterliess.

Daniel Wyrsch
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Ist Carlos Bernegger der Krisenmanager, der beim FCL die Wende schaffen kann? (Bild: EQ/Marc Schumacher)

Ist Carlos Bernegger der Krisenmanager, der beim FCL die Wende schaffen kann? (Bild: EQ/Marc Schumacher)

Das Publikum machte seinem Unmut am Samstag beim Abpfiff des Heimspiels gegen Aarau Luft. Ein Pfeifkonzert und Buhrufe mussten Luzerns Profis nach dem siebten 1:1 dieser Saison (fünf in der Liga, zwei in der Qualifikation zur Europa League gegen St. Johnstone) über sich ergehen lassen. Doch die Zeichen der Verärgerung galten hauptsächlich Carlos Bernegger. Für einen ernst zu nehmenden Teil der Zuschauer coacht der FCL-Trainer die Mannschaft fehlerhaft. Gegen Aarau machte er sich nach der Pause einmal mehr angreifbar, weil er der klar abfallenden Leistung seines Teams bis zehn Minuten vor Schluss tatenlos zusah. Erst dann reagierte er mit der ersten Einwechslung (80. Jahmir Hyka für Jakob Jantscher).

Keine Reaktion auf Aaraus Taktik

FCA-Trainer Sven Christ (40) hatte angeordnet, dass seine Spieler die Luzerner nach dem Seitenwechsel früher attackieren. Es war offensichtlich, dass die Aarauer durch diese Massnahme viel besseren Zugriff aufs Spiel bekamen, während die Luzerner ihre Dominanz aus der ersten Halbzeit abgaben. Thierry Doubai, auf der wichtigen zentralen Position vor der Abwehr, verlor nun praktisch jeden Zweikampf. Doch Bernegger sah sich nicht gezwungen, eine personelle oder taktische Änderung vorzunehmen. Prompt spielte sich Aaraus eingewechselter Offensivmann Dusan Djuric in der 65. Minute an Doubai vorbei frei und traf mit einem herrlichen Schlenzer über den verdutzten FCL-Goalie David Zibung zum 1:1-Endstand.

Doch nicht genug damit. Bernegger liess Doubai weitere 18 Minuten auf dem Platz, er ersetzte den ausgepumpten Ivorer erst in der 83. Minute durch Alain Wiss. Auf die Frage, ob ein viel früherer Wechsel angebracht gewesen wäre, antwortete Luzerns Coach: «Im Mittelfeld mussten wir viel präsenter sein, und bei Thierry Doubai mit seinen Qualitäten erwartete ich, dass er in der Lage ist, unser Spiel zu animieren.» Bernegger gab ehrlich zu: «Natürlich ist es zu zwei, drei Fehlern gekommen auf dieser Position.» Er habe mit der Einwechslung von Wiss die Möglichkeit gehabt zu reagieren, und er habe Wiss für Doubai gebracht. Zudem sei Dario Lezcano keine natürliche Nummer 10, dies würde das Mittelfeldspiel erschweren.

Bernegger zollte aber auch dem Gegner Respekt: «Auf der Seite haben wir zu wenig Entlastung gehabt, dort haben es die Aarauer in der zweiten Halbzeit sehr gut gemacht, sie spielten einige gefährliche Angriffe. Unsere Schwierigkeiten sind auch den Bemühungen des Gegners zuzuschreiben.»

Mutlose Einstellung

Mit dem Last-Minute-Wechsel von Angreifer Ridge Mobulu (92.) für Verteidiger Jérôme Thiesson verärgerte Bernegger einen Grossteil der Anhänger. Mobulu, gegen Vaduz später 1:1-Ausgleichsschütze (94.), berührte den Ball kein einziges Mal. Der Coach probierte hinterher, sich zu verteidigen: «Ich versuche, der Mannschaft immer die richtigen Impulse zu geben. Das Publikum weiss nicht, wie Ridge Mobulu trainiert, in welcher Phase der Integration er ist und gleichzeitig, was wir nötig haben.» Aus seiner Sicht sei eine frühere Einwechslung Mobulus nicht nötig gewesen. Es tönte mutlos, sogar unsicher, als Bernegger feststellte: «Mit den Wechseln steigt die Gefahr, die Ordnung zu verlieren.»

Doch auf der anderen Seite muss man auch Verständnis für seine Meinung über dieses Spiel haben. «Wir haben nicht nur in der ersten Halbzeit durch Jantscher und Lezcano unzählige Aktionen gehabt, die nicht reingegangen sind. Auch in der Schlussphase haben wir durch einen knapp am Tor vorbei gehenden Kopfball von Schneuwly, einer unnötig abgebrochenen Aktion von Hyka, dem Pfostenschuss von Winter sowie einem zu wenig starken Schuss von Wiss genügend erstklassige Gelegenheiten gehabt, doch noch den ersten Saisonsieg an uns zu reissen.»

Trainer und Spieler haben offenbar nach erneut viel zu vielen vergebenen Torchancen den Glauben ans Siegen verloren. Als die Mannschaft wieder aus der Kabine gekommen war, war die Angst vor einem Gegentreffer förmlich spürbar gewesen. Dieser erneut unnötige doppelte Punkteverlust sei ein hartes Stück, das die Mannschaft mental verarbeiten müsse. «Das Gefühl zu versagen wird stärker, obwohl man sich bemüht hat», meinte Bernegger.

Schweres Programm nach Pause

Der FCL-Trainer haderte mit dem Schicksal. «Ich will nicht von fehlendem Wettkampfglück reden, aber es fällt schwer, dieses wiederholte Unentschieden zu akzeptieren, wenn man während drei Vierteln der Spielzeit die bessere Mannschaft gewesen ist.» Er sei aber überzeugt, dass sein Team trotz der nun verstärkten Belastung aus diesem schwierigen Moment herausfinden wird.

Nach 14 Tagen Wettkampfpause durch die EM-Qualifikation der Nationalmannschaft folgt für Luzern der schwere Gang nach Bern zu YB, bevor das heikle Cupspiel in Schaffhausen ansteht und anschliessend das erste Viertel der Meisterschaft mit dem Auswärtsspiel bei den einmal mehr überraschend erfolgreichen Thunern abgeschlossen wird.

Hinweis

Mehr zur Super League lesen Sie auf Seite 25.