FUSSBALL: Beim FC Luzern brodelt es gewaltig

Luzerns Misserfolg hat Folgen: Der Machtkampf zwischen dem angezählten Sportchef Alex Frei und Ex-Präsident Walter Stierli ist in vollem Gang.

Daniel Wyrsch
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Werden wohl nicht mehr gute Freunde: Ehrenpräsident und Aktionär Walter Stierli (links) und Sportchef Alex Frei. (Bild: Philipp Schmidli / Keystone)

Werden wohl nicht mehr gute Freunde: Ehrenpräsident und Aktionär Walter Stierli (links) und Sportchef Alex Frei. (Bild: Philipp Schmidli / Keystone)

Die «NZZ am Sonntag» hat es in ihrer jüngsten Ausgabe auf den Punkt gebracht: «Das Projekt mit Alex Frei ist gefährdet.» Ob die Schuld den Richtigen in die Schuhe geschoben wird, ist allerdings fraglich. Denn im Artikel werden die aktuellen Probleme beim FC Luzern aus der Optik des jungen Sportchefs gesehen. Der 35-jährige Ex-Profi teilt einmal mehr gegen seinen Arbeitgeber aus, als sei es sein letztes Interview aus der Swissporarena. Auf die Frage, ob er etwas falsch eingeschätzt habe, als er nach Luzern kam, meinte er: «Ich wusste, dass der FC Luzern ein Haifisch­becken ist. Aber mir war nicht bewusst, dass so viele Haie darin schwimmen.»

Selbstkritik für Frei ein Fremdwort

Eine selbstkritische Haltung einzunehmen, ist nie Freis Ding gewesen. Der sportliche Leiter des klaren Tabellenletzten will nichts von gemachten Fehlern wissen. «Alle machen Fehler.» Zum Kampf in Luzern sagte er: «Man versucht tagtäglich, die Energie zu behalten.» Die Antworten tönen wie von jemandem, der innerlich mit dem Arbeitgeber abgeschlossen hat. Unserer Zeitung beantwortete Frei diese Feststellung, die als Frage an ihn gerichtet war, nicht.

Dem Rekordtorschützen der Nationalmannschaft steht in Luzern nicht seine eigene Person im Weg, aus Freis Sicht ist es der langjährige FCL-Präsident Walter Stierli (66). Diese Meinung bestätigt der Baselbieter zwar offiziell mit keinem Wort, aber im erwähnten Artikel wird es offensichtlich. Dem heutigen Ehrenpräsidenten und Aktionär der Holding, die den Verein besitzt, wird vorgeworfen, er übe seit seinem Rücktritt als Präsident vor mehr als zwei Jahren aus dem Hintergrund Einfluss aus. Zum Beispiel auf den wichtigsten Geldgeber Bernhard Alpstaeg (69). Der Swisspor-Patron und der frühere Klubchef stehen sich tatsächlich nahe; Alpstaeg und Stierli machten den Bau des im Juli 2011 fertiggebauten Stadions von FCL-Seite her überhaupt möglich. Zusammen gehört ihnen mit 51 Prozent die Aktienmehrheit des Klubs. Alpstaeg mit seinem geschätzten Milliardenvermögen ist monetär die entscheidende Person dafür, in welche Richtung es mit dem Luzerner Fussball in der Super League weitergeht. Seit Monaten hält er sich mit seiner lange Zeit auf hemdsärmelige Art und Weise geäusserten Meinung zurück.

Wie steht Alpstaeg zu Sieber?

Ende Oktober wurde kolportiert, ­Alpstaeg habe an einem Match im VIP-Bereich den Holding-Präsidenten Marco Sieber (56) verbal attackiert. Sieber setzt auf Kontinuität und auf Frei. Alpstaeg dementierte, dass er den Holding-Leiter angegangen habe. Unserer Zeitung teilte Unternehmer Alpstaeg am 5. November mit: «Stand heute ist Marco Sieber Verwaltungsratspräsident der Holding, der Verwaltungsrat steht hinter dem Präsidenten und auch hinter der FCL-Führung.»

Seither hat Luzern zu Hause gegen Thun 0:0 gespielt und 2:3 bei GC verloren. Es brodelt gewaltig in der Vereinsführung. Stierli hat nicht auf Freis Aussagen im erwähnten Bericht reagiert. «Ich lasse mich nicht auf Diskussionen ein. Wir haben genug zu tun, müssen uns auf die sportlichen Dinge konzentrieren», sagte Stierli.

Der FCL ist trotz mittlerem Budget Schlusslicht. Zum Vorrundenende tagt die Holding. Es wird ein hartes Ringen um Frei geben. Der Sportchef hat eine nur dreimonatige Kündigungsfrist.

Luzern-Trainer Babbel schlägt andere Töne an

Die Stimmung bei den Profis und beim Staff des FC Luzern war am Sonntagvormittag bedrückt. Keiner lächelte oder machte Sprüche, wie es in letzter Zeit mit Markus Babbel wieder öfter der Fall gewesen war. Ein lockeres Auftreten hätte nicht zur Situation gepasst nach der ersten Niederlage im vierten Meisterschaftsspiel unter dem Trainer. Babbel unterstreicht den Ernst der Lage mit den Worten: «Ich habe am Anfang gesagt, es sei Viertel vor zwölf. Jetzt muss ich feststellen, dass es schlimmer steht, für uns ist es bereits fünf vor zwölf.»

Der FCL-Trainer ärgerte sich tags darauf nach der 2:3-Pleite bei den Grasshoppers immer noch genau so heftig wie beim Abpfiff. Unverständlich für ihn, wie die Mannschaft, nachdem sie den 0:2-Rückstand aus der ersten Halbzeit mit dem 2:2 wettgemacht hatte, «erneut in die Passivität fiel, statt weiter zu agieren und die Führung zu suchen. Das ist keine Mannschaft, die verwalten kann, wir müssen agieren.»

«Eine brenzlige Situation»

Babbel, der bisher von einem intakten Team mit ausnahmslos einsatzfreudigen Spielern sprach, hat gestern erstmals kritische Töne angeschlagen. «Wir müssen eine andere Bereitschaft und Galligkeit zeigen, denn wir befinden uns in einer brenzligen Situation. Das muss allen klar sein, die Spieler tragen Verantwortung für die enttäuschten Klubverantwortlichen und Fans. Ich erwarte ab sofort ein anderes Auftreten.»

Bis zur Winterpause spielt der FCL noch in Aarau (nächsten Samstag, 17.45) und danach zu Hause gegen YB (Mittwoch, 3. Dezember, 19.45) und Basel (Samstag, 6. Dezember, 17.45).

Wunden lecken

In einem internen Testspiel mit Reservisten und U-21-Spielern ging es gestern hart zur Sache. Gut in Szene setzen konnte sich dabei der 17-jährige Mittelfeldspieler Remo Arnold. Der Luzerner aus Schlierbach ist ein Versprechen für die Zukunft. Mehr jedoch (noch) nicht. Babbel sagt: «Er ist in der U 21 sehr gut aufgehoben.»

Über Alain Wiss, unter Babbel in fünf Pflichtspielen ohne eine Minute Einsatzzeit, sagte er: «Er muss sich noch mehr aufdrängen.» Wiss ging nach dem Training wortlos in die Kabine, sagen wollte er nichts. Derweil Nachwuchschef Andy Egli mit Fidan Aliti (21) das Notbremsefoul gegen GC und die Auswirkungen der roten Karte besprach. Wunden lecken musste ebenso David Zibung mit Goalie-Trainer Daniel Böbner. Der Nebel passte zur Tristesse.