FUSSBALL: Beim FCL tobt ein Machtkampf

Der FC Luzern holt nur einen Punkt gegen Thun, Trainer Komornicki bleibt aber (vorläufig) im Amt. Es brodelt in der Führung: Auf dem Spiel steht Mike Hausers Präsidium.

Daniel Wyrsch
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Holding-Chef Walter Stierli möchte Ilja Kaenzig als FCL-Sportdirektor installieren. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Holding-Chef Walter Stierli möchte Ilja Kaenzig als FCL-Sportdirektor installieren. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Der FC Luzern überzeugte auch im vierten Spiel der Rückrunde nicht. Ein 0:0 zu Hause gegen einen spielerisch bescheidenen FC Thun ist zu wenig. FCL-Trainer Ryszard Komornicki musste für seine möglichst risikolose taktische Marschroute ein Pfeifkonzert des Publikums über sich ergehen lassen. Erstmals verloren sich weniger als 10 000 Zuschauer (9771) in der Swissporarena. Es war bereits die vierte Partie ohne einen einzigen Treffer seit dem Stadionbezug Ende Juli 2011 (0:0 hiess es zweimal gegen Thun und je einmal gegen Sion und Lausanne). An der Seitenlinie standen bei den Nullnummern je zweimal Komornicki und Murat Yakin.

Keine Diskussion über Komornicki

Jener Yakin, der gestern mit dem FC Basel in Genf gegen Schlusslicht Servette in einem nervenaufreibenden Match mit 2:1 gewann. Es war die mit Abstand beste Nachricht für Luzern an diesem Wochenende, denn der Vorsprung zu Servette und zum einzigen Abstiegsplatz beträgt nun fünf Punkte. Die Equipe von Sébastien Fournier tritt am nächsten Samstag (19.45) zum Auswärtsspiel gegen Luzern an. Zweitletzter gegen Letzter. FCL-Präsident Mike Hauser ist es egal, ob Servette der nächste Rivale ist oder ein anderer Gegner gegenüberstehen würde. «Wir müssen Spiel um Spiel nehmen, am Schluss sehen wir, wie viel dieser Punkt gegen Thun wert ist.» Über eine Freistellung von Komornicki hätten sie nie diskutiert. «Durch Aktionismus ändert sich in dieser Situation nichts», zeigt sich Hauser einmal mehr als besonnener Klubchef.

Wahrscheinlich hat die Zurückhaltung der Klubführung – dazu zählt auch FCL-Holding-Chef Walter Stierli – aber damit zu tun, dass der neue Sportdirektor noch nicht bestimmt worden ist. Dieser müsste über seinen wichtigsten Mitarbeiter, den Trainer, entscheiden oder den Entscheid zumindest gutheissen.

Doch vorwärtsgehen will es in dieser für den FCL eminent wichtigen Sache nicht. Dabei müsste der Sportchef möglichst bald mit der Planung für die neue Saison beginnen. Hauser zur Findung: «Es besteht kein Zeithorizont. Die Zeit ist zweitrangig, prioritär ist, den richtigen Mann für den FC Luzern zu finden.»

Allerdings tobt im Hintergrund ein Machtkampf. Die verschiedenen Exponenten versuchen ihren Wunschkandidaten zu portieren. Wie Stierli im Interview mit unserer Zeitung vom letzten Samstag offenbarte, möchte er Ex-YB-CEO Ilja Kaenzig (39) als Sportdirektor installieren. Gemäss einer gestern veröffentlichten These der «NZZ am Sonntag» soll Hauser einen anderen Kandidaten bevorzugen. Hauser zu unserer Zeitung: «Es handelt sich um eine These eines Journalisten. Fakt ist, dass wir uns im Findungsprozess befinden. Die Gespräche mit den Kandidaten laufen, ich weiss nicht, ob sich Walter Stierli schon auf eine Person festgelegt hat. Fakt ist: Wir wollen den besten Mann für den FC Luzern finden. Das ist unsere wichtigste Aufgabe, dabei lassen wir uns nicht unter Druck setzen.»

Wie unsere Zeitung erfahren hat, soll FCL-Präsident Hauser den früheren Technischen Leiter der GC-Nachwuchsabteilung und Ex-Trainer von Winterthur, Mathias Walther (40), bevorzugen. Hauser: «Zu Namen will ich mich nicht äussern, bis wir mit dem neuen Mann einen Vertrag unterschrieben haben.»

Hotelier Hauser lässt sich nicht in die Karten blicken, er bleibt bei Allgemeinplätzen. Der Findungsprozess des neuen Sportchefs hat aber mächtig Sprengkraft. Wie zwei unabhängige Quellen wissen und wie auch die «NZZ am Sonntag» schreibt, «soll der Verlauf des Verfahrens darüber entscheiden, ob Hauser den Bettel hinschmeisst oder nicht». Heisst: Falls er nicht mit dem FCL-Verwaltungsrat über den Sportdirektor entscheiden kann, würde er zurücktreten. Und noch konkreter heisst es, dass Hauser das Präsidium abgeben würde, falls Kaenzig als Sportdirektor käme. Stimmt das? Hauser: «Wie gesagt, zu Namen nehme ich keine Stellung. Ich will das Beste für den FCL, es geht nicht um Stierli, Alpstaeg und mich.»

Alpstaegs Retourkutsche

Bernhard Alpstaeg ist inzwischen vom polternden zum schweigenden Hauptinvestor mutiert, nachdem er vor 14 Tagen im «Blick» Komornicki als eine «Mimose» verunglimpfte. Der Swisspor-Patron will sich vorläufig nicht mehr zum FCL äussern. «Das ist meine Retourkutsche an euch», sagt er beleidigt. Die vielen negativen Reaktionen zu seiner Person in den Medien scheinen dem hemdsärmligen Geschäftsmann mit dem 1-Milliarden-Umsatz-Unternehmen nun selbst zugesetzt zu haben.

Interessant in diesem Machtkampf ist noch dies: Die Holding mit den Mehrheitsaktionären Stierli und Alpstaeg hat beschlossen, alle Verwaltungsräte der FCL-AG im Mai ein weiteres Jahr zu portieren. Stierli: «Mike Hauser wird, falls er will, im Amt bestätigt.»