FUSSBALL: Berneggers Ziel ist weiter der Europacup

Spätestens seit dem 1:2 gegen YB steht fest: Luzern befindet sich in einer schwierigen Umbruchphase. Trainer Carlos Bernegger muss Personalentscheide erklären.

Daniel Wyrsch
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Unsanft gelandet: FCL-Verteidiger Florian Stahel (rechts) nach einem Zweikampf mit YB-Stürmer Michael Frey. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Unsanft gelandet: FCL-Verteidiger Florian Stahel (rechts) nach einem Zweikampf mit YB-Stürmer Michael Frey. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Der FC Luzern ist zurück in der turbulenten und harten Fussballwelt. Vorbei sind die sorgenfreien Tage im Spätherbst, als die Mannschaft von Carlos Bernegger nacheinander Sion, St. Gallen, GC, Lausanne und Aarau in Cup und Liga besiegte und danach die Hinrunde mit einem 1:1 in Basel auf Platz 2 abschloss. Jetzt ist der FCL mit 35 Punkten aus 22 Spielen zwar immer noch Vierter, aber drei Niederlagen und ein Sieg aus vier Partien der Rückrunde sind eine enttäuschende Zwischenbilanz. «Daran gibt es nichts zu beschönigen», sagt Bernegger knapp 24 Stunden nach dem 1:2 gegen YB. Der leidenschaftliche Trainer hat sich emotional weitgehend erholt von dieser zweiten Heimniederlage im noch jungen Jahr 2014. Am Sonntag war das noch anders. Für den 44-Jährigen sind die Ungeduld der Zuschauer und die sofort aufkommende öffentliche Kritik Neuland. Luzern ist seine erste Station als Cheftrainer im Profibereich. Zuvor war er langjähriger Ausbildner bei Winterthur, GC und zuletzt Basel. Die zwei Kurzeinsätze als Interimscoach bei den Grasshoppers sind nicht zu vergleichen mit der heutigen Verantwortung beim FC Luzern.

Permanentes Umstellen nötig

Bernegger sagt, es sei nicht seine Art, zu jammern. «Doch der Auftakt in die Rückrunde ist durch die zahlreichen Verletzungen erschwert worden. In jedem Match sind wir dadurch gezwungen worden, die Startelf auf zwei, drei Positionen zu verändern.» Kontinuität sehe anders aus. «Trotzdem hätten wir in der Lage sein müssen, nicht in jedem Spiel früh in Rückstand zu geraten.» Gegen YB sei es das erste Ziel gewesen, die Anfangsphase ohne Gegentor zu überstehen – und prompt lag der Ball schon in der 10. Minute im eigenen Netz.

Bernegger verteidigt seine Spieler, die sich beim 0:1 und 0:2 jeweils im Kollektiv fehlerhaft anstellten. Der Trainer setzt noch immer auf all seine Profis (Daniel Gygax ging freiwillig – siehe Box rechts oben). Denn das Ziel sei es, am Ende der Saison einen europäischen Platz zu belegen. «Der Klub braucht dieses Geld», erklärt Bernegger.

Zwei Millionen Franken sparen

Es ist eine sehr knifflige Aufgabe, welche die FCL-Investoren ihrem Fanionteam stellen. Bei 2 Millionen Franken, die im Budget für die erste Mannschaft eingespart werden müssen, wie unsere Zeitung recherchiert hat. Der inzwischen integrierte Dimitar Rangelov und Tomislav Puljic müssen Ende Saison den FCL verlassen. Sie waren gegen YB längst nicht die Schlechtesten. Der ebenfalls nicht mehr erwünschte Florian Stahel sowie Michel Renggli und Xavier Hochstrasser zeigten ungenügende Leistungen. Bernegger sagte, er habe auf Stahel als erfahrenen Rechtsverteidiger gesetzt, weil er dem Debütanten François Affolter anstelle der verletzten Sally Sarr und Jérôme Thiesson nicht den jungen Fidan Aliti (20) mit gerade mal erst zwei Liga-Einsätzen zur Seite stellen wollte. Hochstrasser spielte im Aufbau, weil Dario Lezcano kurzfristig mit muskulären Problemen ausfiel und Alain Wiss noch nicht topfit gewesen ist.

Renggli bleibt vorerst wohl drin

Auch auf den bald 34-jährigen Captain Renggli setzt Bernegger weiterhin, weil er Neuzugang Remo Freuler (21) zuerst an die Aufgabe heranführen will. Da spielt Wiss in den Überlegungen des Coaches für das kapitale nächste Spiel (Sonntag, 16.00, SRF 2) in St. Gallen eher eine Rolle. Eine Hiobsbotschaft verkünden die noch schlechter gestarteten St. Galler: Mario Mutsch fällt mit einem Teilriss des Innenbandes im Knie mindestens drei Wochen aus.