FUSSBALL: Bissiger FCL überfährt St. Gallen

Der FC Luzern setzt seinen Siegeszug auch ohne «Vako» Gvilia und Pascal Schürpf fort: Bereits zur Pause liegt er gegen St. Gallen 3:0 vorne, gewinnt 3:1. Jetzt ist für den FCL sogar Platz 3 in Griffnähe.

Daniel Wyrsch
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Idriz Voca behauptet sich gegen St. Gallens Danijel Aleksic. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 2. April 2018))

Idriz Voca behauptet sich gegen St. Gallens Danijel Aleksic. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 2. April 2018))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Feststimmung herrschte in der mit fast 12 000 Zuschauern gutgefüllten Swiss­por-Arena. Die Luzerner machten nach der Länderspielpause weiter, wo sie vorher aufgehört hatten. Beim 3:1-Heimsieg gegen St. Gallen ist der Equipe von Gerardo Seoane der dritte Vollerfolg in Serie gelungen. Die Fans stimmten in den Schlussminuten «Steht auf, wenn ihr Luzerner seid!» an, bis auf die grünweissen Gästefans machten alle Besucher mit.

Hühnerhautatmosphäre war beim heimischen Publikum bereits in der ersten Halbzeit auszumachen. Das lag an der Überlegenheit der Luzerner. Nicht, dass die Spieler von Trainer Seoane derart überragend Fussball gespielt hätten. Dazu fehlten ihnen der verletzte ­Spielmacher Valeriane Gvilia sowie der ­gesperrte Offensivmann Pascal Schürpf, der zuletzt mit fünf Toren in vier Partien brilliert hatte. Die Vorteile erarbeiteten sich die Luzerner durch ihre Aufsässigkeit und Bissigkeit. Die drittplatzierten St. Galler, die mit einer makellosen ­Bilanz von fünf Siegen hintereinander angereist waren, wurden von den entfesselten Gastgebern förmlich überfahren.

Juric überwindet sein Penaltytrauma

Der Match wurde aus Sicht des FCL durch den australischen Internationalen Tomi Juric in die richtige Bahn gelenkt: Er durchbrach in der 19. Minute St. Gallens Abwehr mit einer Einzelaktion, und im Strafraum riss ihn Nzuzi Toko nieder. Schiedsrichter Lionel Tschudi zeigte ­sofort auf den Elfmeterpunkt. Den Foulpenalty verwertete Juric in der 21. Minute mit seinem siebten Saisontor. Notabene, nachdem er in der Vorrunde zweimal vom Punkt gescheitert war. Noch besser kam es für die Innerschweizer vor Ablauf der ersten halben Stunde: Francisco Rodriguez passte steil auf Juric, dessen Abseitsposition wurde durch St. Gallens Andreas Wittwer aufgehoben. Silvan Heftis Abwehraktion geriet zur idealen Vorlage für Christian Schneuwly, der mühelos zum 2:0 (29.) einschoss.

Das Sahnehäubchen auf die erste Halbzeit zauberten Captain Claudio Lustenberger und der hochbegabte Ruben Vargas (19). Lustenberger setzte Runar Sigurjonsson mit einer Finte schachmatt, passte zur Mitte, wo Vargas in der 41. Minute mit dem 3:0 sein Premierentor erzielte. Der Match war damit zur Pause vorentschieden, St.-Gallen-Coach Giorgio Contini haderte mit der harm­losen Gegenwehr seines Teams: «Wir haben zu lange die Zweikämpfe nicht ­bestritten, darum konnte Luzern den Grundstein zu diesem Sieg legen.»

Während die Anhänger euphorisch die wundersame Auferstehung des FCL unter Seoane feierten (acht Spiele mit sechs Siegen, zwei Unentschieden und null Niederlagen, die ein Total von 20 Punkten seit der Winterpause ergeben), blieb der Coach wie gewohnt analytisch kühl: «In der ersten Halbzeit waren wir vorne und hinten sehr effizient.» Der Schweiz-Spanier berichtete wieder von einer Kollektivleistung, die aber diesmal das Prädikat herausragend verdiente.

Jetzt scheint sogar das Traumziel Europa League realisierbar

Für die zweiten 45 Minuten rechtfertigte sich Seoane vorsorglich für die defensive Grundausrichtung seiner Mannschaft, obwohl kein einziger Journalist etwas zu monieren hatte: «Mein Team ist sich nicht gewohnt, zur Pause 3:0 zu führen.» In der zweiten Halbzeit war ­tatsächlich nicht mehr viel vom FCL zu sehen gewesen, doch daran störte sich kaum einer. Verständlich, dass die junge Equipe nichts mehr riskierte und den ­Gewinn der drei Zähler verwaltete. Die St. Galler bewiesen unter den Augen des sehr enttäuscht wirkenden Präsidenten Matthias Hüppi, der letzte Woche seinen 60. Geburtstag feierte, erstaunlich viel Moral. Sie gaben bis zum Schlusspfiff nicht auf, kamen aber gegen den überragenden Luzern-Goalie Jonas Omlin erst in der 92. Minute durch Toko zum 3:1 Das war eindeutig zu spät.

Die Luzerner haben sich keine Grenzen gesetzt, wie sie vor diesem Heimspiel erwähnten. Nun haben sie noch zwei Punkte Rückstand auf St. Gallen und Platz 3. Gewinnt YB Meisterschaft und Cupfinal, bedeutet Rang 3 die direkte Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase und ein Startgeld von 3 Millionen Franken. Für den im Winter noch akut abstiegsgefährdeten FCL scheint dieses Traumziel jetzt möglich.

Luzern - St. Gallen 3:1 (3:0)

11'897 Zuschauer. - SR Tschudi. - Tore: 21. Juric (Foulpenalty) 1:0. 29. Schneuwly 2:0. 41. Vargas (Lustenberger) 3:0. 92. Toko (Aratore) 3:1.

Luzern: Omlin; Grether, Cirkovic, Schulz, Lustenberger; Voca, Kryeziu (73. Knezevic); Vargas (58. Custodio), Rodriguez, Schneuwly (78. Demhasaj); Juric.

St. Gallen: Stojanovic; Hefti, Wiss, Musavu-King; Sigurjonsson (79. Vanin); Aratore, Toko, Aleksic (63. Tschernegg), Wittwer; Ben Khalifa, Itten (63. Buess).

Bemerkungen: Luzern ohne Gvilia, Lucas, Kutesa, Schmid, Schwegler (alle verletzt) und Schürpf (gesperrt), St. Gallen ohne Ajeti, Barnetta, Lüchinger, Koch, Muheim und Van der Werff (alle verletzt). Verwarnungen: 20. Toko (Foul). 24. Vargas (Foul). 48. Sigurjonsson (Foul). 53. Hefti (Foul). 85. Schulz (Foul). 93. Lustenberger (Foul).