FUSSBALL: Bucchi bringt Emotionen ins Spiel

Lorenzo Bucchi (33) war drei Jahre lang Ersatztorhüter beim FCL. Heute (20.30, SRF zwei) steht er im Cup-Viertelfinal gegen den FC Luzern im Tor des Challenge-League-Vereins FC Aarau.

Daniel Wyrsch
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Ex-FCL-Torhüter Lorenzo Bucchi (in Grün) für Aarau und gegen den FC Zürich in Aktion.Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 6. November 2016)

Ex-FCL-Torhüter Lorenzo Bucchi (in Grün) für Aarau und gegen den FC Zürich in Aktion.Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 6. November 2016)

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Für Lorenzo Bucchi (33) ist der Cup-Viertelfinal mit dem FC Aarau gegen Ex-Arbeitgeber FC Luzern ein besonderes Spiel. «Das wird ein sehr emotionaler Match für uns alle gegen ein Team aus der Super League. Und für mich ist es noch spezieller, gegen Luzern zu spielen.» Von 2013 bis 2016 war Bucchi der Torhüter Nummer 2 der Innerschweizer.

Zwei Spiele hintereinander konnte er das FCL-Urgestein Da

vid Zibung (33) auf die Ersatzbank verdrängen. Doch damals, im Oktober 2014, stand Coach Carlos Bernegger schon so unter Druck, dass Bucchis Zeit im Tor schnell vorbei war. Das Heimspiel gegen St. Gallen (1:2) und die Auswärtspartie in Sion (1:3) gingen verloren. Bernegger musste nach elf sieglosen Ligaspielen in Serie gehen. Für ihn kam Markus Babbel. Seither ist Zibung wieder die Nummer 1.

Bucchi ist ein Extrovertierter aus der alten Generation

Bucchi akzeptierte die Sachlage. Emotional und stets engagiert bei der Sache blieb der gebürtige Römer trotzdem bis zum Schluss in Luzern. Er gehört mit 33 Jahren zur aussterbenden Generation von Profis, die ihrem aufgestauten Ärger freien Lauf lässt. Wie zum Beispiel im Trainingslager 2015 in Marbella. Da hatte ihn Verteidiger François Affolter mit groben Fehlern während eines internen Testmatches in Rage gebracht. Bucchi packte Affolter an der Gurgel. «Das war nur eine Episode, so was kann passieren», erklärt Bucchi heute. «Zwei Stunden später hatten wir uns ausgesprochen – und unsere Beziehung war fortan gut.»

Für Bucchi war es überhaupt eine «sehr schöne Zeit beim FC Luzern. Ich habe es mit allen Mitspielern gut gehabt». Besonders eng war das Verhältnis zu Jérôme Thiesson, der den Verein in Richtung nordamerikanische Major League Soccer verlassen und bei Minnesota United unterschrieben hat. «Schade, ist er nun nicht mehr dabei. Jerry ist für mich im Fussball der beste Freund.» Bucchi bedauert, dass Tomislav Puljic und Sally Sarr aussortiert wurden. «Doch kenne ich die jetzigen FCL-Entscheidungsträger nicht mehr. Im Fussball kann es sehr schnell gehen.» Das trifft ebenso auf ihn zu. Trainer Marco Schällibaum holte ihn letzten Sommer zu Aarau, gab ihm einen Zweijahresvertrag bis Mitte 2018. Nach der Vorrunde hat Bucchi seinen Stammplatz der Nummer 2, Ulisse Pelloni (23), überlassen müssen. «Wir haben gegen Ende der Vorrunde zu viele Gegentore kassiert. Ich musste den Entscheid akzeptieren, obwohl ich darüber nicht glücklich bin.» Im Training ar­beite er hart daran, um wieder ins Tor zurückzukehren und dann die Chance zu packen.

Die erste Möglichkeit, die Aarauer Nummer 1 zurückzuer­obern, bekommt Bucchi heute. Ihn stimmt positiv, dass die beiden defensiven Mittelfeldspieler Michael Perrier und Captain Sandro Burki nach einer Sperre für das Spiel gegen den FC Chiasso wieder im Team sind. Die 1:5-Niederlage gegen den Zweitletzten der Challenge League vom Sonntag «wird uns gegen Luzern nicht beeinflussen, davon bin ich überzeugt».

Papa Bucchi hat an der Uni Rom den Bachelor gemacht

Bucchi wohnt mit seiner Luzerner Partnerin Raquel weiterhin in Luzern. Letztes Jahr wurden sie Eltern von Sergio Gael. Lorenzo Bucchi weiss, «dass Aarau gegen Luzern immer ein besonderer Match ist. Das ist ein kleines Derby bei nur 50 Kilometern Distanz zwischen den beiden Städten». Der engagierte Italiener, der an der Uni Rom im Fernstudium den Bachelor in Politikwissenschaft geschafft hat, verspricht: «Ich versuche in diesem Cup-Viertelfinal, für den FC Aarau positive Energie ins Spiel zu bringen.»