FUSSBALL: Bucchi für Zibung: Ein Wechsel für ein Spiel

Lorenzo Bucchi hat FCL-Goalie David Zibung nach dessen Platzverweis gegen YB erfolgreich ersetzt. Zibung ist bei den Fans nicht unumstritten. Wer steht künftig im Luzerner Tor?

Daniel Wyrsch
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David Zibung (links) macht am Sonntag in Bern seinem Ersatz Lorenzo Bucchi Platz, der eine fehlerfreie Partie absolviert. (Bild Philipp Schmidli)

David Zibung (links) macht am Sonntag in Bern seinem Ersatz Lorenzo Bucchi Platz, der eine fehlerfreie Partie absolviert. (Bild Philipp Schmidli)

Lorenzo Bucchi (30) ist am Sonntag mit einem Paukenschlag für Luzerns langjährige Nummer 1, David Zibung (30), ins Spiel gegen die Young Boys gekommen. Der Italiener hielt sogleich den von Josef Martinez geschossenen Penalty, den Zibung zuvor mit einem Foul an Raphael Nuzzolo verschuldet hatte. Für dieses sogenannte Notbremse-Foul in der 4. Minute sah Zibung die rote Karte und musste den Match fortan von der Tribüne aus verfolgen. Bucchi spielte stark und machte in seinem zweiten Ligaeinsatz für den FCL Werbung in eigener Sache. Der frühere Bellinzona-Goalie meinte nach dem mit 1:2 verlorenen Match: «Ich hatte auch Glück, der Penalty wurde in die Mitte geschossen. Zu zehnt war es für uns schwierig. Wir holten keinen Punkt und deswegen kann ich mich nicht freuen.»

Bucchi sorgt für gute Stimmung

Trotzdem dürfte Bucchi nicht entgangen sein, dass ihn sogar YB-Coach Uli Forte für die gelungenen Paraden lobte: «Auch wenn unser Stürmer Michael Frey mit zwei Lattenschüssen Pech hatte, machte Bucchi seine Sache hervorragend.» FCL-Trainer Carlos Bernegger sagte gestern über den Ersatzgoalie: «Ich freue mich für Lorenzo, er trainiert sehr gut, sorgt immer für gute Stimmung in der Mannschaft und ist stets auf den Punkt parat.» Weiter erklärte Bernegger, dass Bucchi Zuverlässigkeit und Sicherheit ausstrahle, sich solidarisch verhalte und lernfähig sei.

Das sind alles Attribute, die ihn ab dem nächsten Spiel am Sonntag (13.45 Uhr, Swissporarena) gegen St. Gallen für den dann gesperrten Zibung zu einem ernsthaften Konkurrenten machen könnten. Sollte Luzern siegen und Bucchi (Vertrag bis 2015) wieder eine überzeugende Partie zeigen – würde der 1,86 Meter grosse Schlussmann dann zwischen den FCL-Pfosten bleiben? Bernegger stellt klar: «David ist die Nummer 1, Lorenzo die Nummer 2. Diese Regelung ist klar, wir wollen in dieser schwierigen Phase nicht mit einem Konkurrenzkampf auf der Torhüterposition für zusätzliche Unruhe sorgen.»

Seit neun Jahren die Nummer 1

Zibung ist seit neun Jahren der unangefochtene Stammgoalie der Zentralschweizer. Bei den Fans ist er nicht unumstritten. Böse Zungen behaupten, mit Zibung könne der FCL keinen Titel gewinnen. Dreimal stand er im Cupfinal, dreimal ging er als Verlierer vom Platz. Andere kritisieren, dass der gebürtige Hergiswiler immer dann patzt, wenn es der Mannschaft sonst schon schlecht läuft. Wie vor zehn Tagen gegen Basel (0:2), als er einen Kopfball von Giovanni Sio aus 15 Metern zum Rückstand durchliess. Beim missglückten Rückrundenstart gegen GC (1:3) war er von einem Flatterball Caios und anschliessendem Hackentrick Gashis zum 0:1 überrascht worden. Bereits in den schwierigen letzten Monaten unter Ryszard Komornicki und 2011 unter Rolf Fringer war es Zibung, der sein Team und die Trainer nicht als sicherer Rückhalt vor mehr Ungemach bewahren konnte.

Keine Stammplatzgarantie

Dennoch setzte der FCL im Oktober 2012 unter dem damaligen Sportchef Heinz Hermann und unter dem Einfluss von Ex-Präsident Walter Stierli mit einer grosszügig dotierten Vertragsverlängerung bis Sommer 2016 auf Zibung. Für Bernegger ein Grund, weiterhin auf den dienstältesten Spieler zu setzen? «Nein, David weiss, wie ich ticke. Ich habe ihm vor einem Jahr bei meinem Amtsantritt klar gesagt, dass die Vertragsdauer keine Stammplatzgarantie ist. Auch er muss über Trainings- und Spielleistungen seinen Platz verteidigen.» Der FCL-Trainer sagte, ihm sei natürlich bewusst, dass Zibung in der Region eine Integrationsfigur sei. «Trotzdem muss er künftig mit dem Konkurrenzkampf klar kommen.» Das dürfte bedeuten: Nächste Saison ist der Kampf um die Nummer 1 offen.

Costanzo will in die Schweiz zurück

Greift vielleicht sogar der frühere Basel-Torhüter Franco Costanzo (33) in diesen Konkurrenzkampf ein? Das Gerücht macht die Runde, dass FCL-Sportchef Alex Frei seinen alten FCB-Teamkollegen gerne ab nächster Saison verpflichtet hätte. Costanzo, der zwischen 2006 und 2011 mit Basel je dreimal die Meisterschaft und den Cup gewann sowie zweimal in der Champions League spielte, wäre günstig zu haben. Doch der Ex-FCB-Captain aus Argentinien mit italienischem EU-Pass sei beim FCL intern nicht durchsetzbar. Wegen Zibung, der ein Politikum im Verein sei.

Bernegger dementierte, dass man seinen argentinischen Landsmann Costanzo habe verpflichten wollen. «Ich pflege schon länger einen persönlichen Kontakt zu Franco Costanzo. Er möchte mit seiner Familie zurück in die Schweiz kommen und sucht einen Klub. In Luzern ist er nie ein Thema gewesen.» Costanzos Berater Christian Gimenez bestätigte den Sachverhalt am Handy in Buenos Aires. «Ich habe mit Alex Frei Kontakt gehabt, doch wir sprachen über andere Spieler», sagte der einstige Basel- und Lugano-Torjäger. In zwei Wochen plane er in die Schweiz zu kommen, um mit Klubvertretern zu sprechen, die an einer Verpflichtung Costanzos interessiert seien. Zurzeit spielt Basels früherer Goalie und Publikumsliebling bei Universidad Catolica in Chile.