FUSSBALL: Carlos Bernegger per sofort freigestellt

Der FCL trennt sich per sofort von seinem Trainer Carlos Bernegger. Interimsmässig übernimmt U21-Trainer Gerardo Seoane. Wer Berneggers Nachfolger wird, soll noch vor dem nächsten Spiel gegen Vaduz bekanntgegeben werden.

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Elf Runden sind gespielt und noch kein Sieg auf dem Konto des FC Luzern. Der FCL reagiert und stellt Cheftrainer Carlos Bernegger frei. (Bild: Philipp Schmidli)

Elf Runden sind gespielt und noch kein Sieg auf dem Konto des FC Luzern. Der FCL reagiert und stellt Cheftrainer Carlos Bernegger frei. (Bild: Philipp Schmidli)

Der FC Luzern hat genug von Trainer Carlos Bernegger und stellt ihn per sofort frei. Bernegger wurde die miserable sportliche Bilanz zum Verhängnis. Der Verein zog mit der Freistellung des schweizerisch-argentinischen Doppelbürgers die Konsequenzen aus dem bisher enttäuschenden Saisonverlauf. In der Super League liegt Luzern nach elf Runden mit nur fünf Punkten und noch ohne Sieg an letzter Stelle. Ein Nachfolger für den 45-jährigen Bernegger ist noch nicht bestimmt.

Alex Frei: «Es gibt eine Kandidatenliste für die Nachfolge. Wir haben klare Vorstellungen, welche Eigenschaften unser neuer Trainer mitbringen muss. Ich habe mit ersten Gesprächen mit Kandidaten bereits begonnen.» (Bild: Keystone)

Alex Frei: «Es gibt eine Kandidatenliste für die Nachfolge. Wir haben klare Vorstellungen, welche Eigenschaften unser neuer Trainer mitbringen muss. Ich habe mit ersten Gesprächen mit Kandidaten bereits begonnen.» (Bild: Keystone)

Seit Montagmorgen um 8 Uhr haben FCL-Präsident Ruedi Stäger, Holding-Präsident Marco Sieber und Sportdirektor Alex Frei die sehr schwierige sportliche Situation unter Bernegger analysiert. Der FC Luzern hat nun um 16 Uhr eine ausserordentliche Medienkonferenz abgehalten, wo die Ergebnisse der morgendlichen Sitzung mitgeteilt wurden. Dies, nachdem um 15 Uhr die Mannschaft und der gesamte Staff orientiert wurden. Präsident Ruedi Stäger brach seine Ferien in der Türkei vorzeitig ab.

Interimistisch hat U21-Trainer Gerardo Seoane übernommen, doch dürfte er in der Nationalmannschaftspause abgelöst werden. Präsident Stäger: «Die sportliche Entwicklung verlangte nach einem Schnitt. Wir hatten lange Geduld und glaubten, dass die Mannschaft mit Bernegger noch die Kurve kriegt. Nun werden wir die Situation sauber analysieren und abwägen, welche Lösung für den Klub die beste ist. Und es wird nicht einfach eine Billiglösung sein.»

Vertrag stillschweigend verlängert

Luzern hatte lange an Bernegger festgehalten. Dessen Vertrag wäre Ende Juni 2015 ausgelaufen und wurde vor Saisonbeginn um ein Jahr bis 2016 verlängert, ohne dass dies kommuniziert wurde. «Das war ein Fehler», räumte Stäger ein. «Wir wollten den Saisonstart abwarten und plädierten für Kontinuität», sagte Alex Frei.

In der Vergangenheit hatte der FCL in solchen Fällen mit seinen Trainern nicht immer so viel Geduld an den Tag gelegt. So wurden zum Beispiel Ciriaco Sforza in der Startphase der Saison 2008/09 nach fünf Spielen und Roberto Morinini nach sechs Partien entlassen. In der Saison 2012/13 traf es Murat Yakin nach nur sechs Spielen, obwohl der heutige Trainer von Spartak Moskau die Spielzeit davor mit den Luzernern auf Platz 2 abgeschlossen und sie in den Cupfinal geführt hatte.

Bernegger übernahm das Traineramt in Luzern am 7. April 2013 vom Polen Ryszard Komornicki und führte Luzern in die Europa League. In dieser schieden die Innerschweizer schon in der 2. Runde der Qualifikation gegen die bescheidenen Schotten von St. Johnstone im Penaltyschiessen aus. Vor seinem Engagement beim FCL war der emotionale Bernegger erfolgreicher Trainer der U21-Mannschaft des FC Basel in der 1. Liga Promotion. Sportchef Alex Frei lotste Bernegger nach Luzern. Das Scheitern von Bernegger kann auch als persönliche Niederlage von Alex Frei ausgelegt werden. Der Rekord-Torschütze der Nationalmannschaft bestreitet dies. «Ich möchte nicht von einer Niederlage sprechen. Aber heutzutage wird nicht mehr so lange wie bei Alex Ferguson oder Guy Roux, die Jahrzehnte lang beim gleichen Verein tätig waren, festgehalten.»

Ruedi Stäger: «Die sportliche Entwicklung verlangte nach einem Schnitt. Wir hatten lange Geduld und glaubten, dass die Mannschaft mit Bernegger noch die Kurve kriegt. Nun werden wir die Situation sauber analysieren und abwägen, welche Lösung für den Klub die beste ist. Und es wird nicht einfach eine Billiglösung sein.» (Bild: Keystone)

Ruedi Stäger: «Die sportliche Entwicklung verlangte nach einem Schnitt. Wir hatten lange Geduld und glaubten, dass die Mannschaft mit Bernegger noch die Kurve kriegt. Nun werden wir die Situation sauber analysieren und abwägen, welche Lösung für den Klub die beste ist. Und es wird nicht einfach eine Billiglösung sein.» (Bild: Keystone)

Interesse an Sforza-Rückkehr?

Offenbar denkt die FCL-Klubleitung über eine Rückkehr von Ciriaco Sforza (von 2006 bis zum freiwilligen Rücktritt 2008 schon Cheftrainer in Luzern) nach. Der Aargauer steht derzeit mit dem FC Wohlen überraschend an der Tabellenspitze der Challenge League. Weitere oft gehandelte Kandidaten sind derzeit verfügbare Trainer wie René Weiler (Ex-Aarau) und Thorsten Fink (früher Basel und Hamburger SV). Fink würde allerdings nur kommen, wenn der FCL deutlich mehr Geld in sein Profiteam investiert. Auch der Name von Luzern-Aufstiegstrainer René van Eck soll diskutiert werden. Bei ihm ist jedoch die grosse Frage, ob die Hauptaktionäre Bernhard Alpstaeg und Walter Stierli einer Verpflichtung des bei einem Grossteil der Fans beliebten Holländers überhaupt zustimmen würden.

Nachfolger bis Vaduz-Spiel bekannt

Berneggers Nachfolger soll noch vor dem nächsten Spiel gegen den FC Vaduz bekannt gegeben werden. Alex Frei: «Es gibt eine Kandidatenliste für die Nachfolge. Wir haben klare Vorstellungen, welche Eigenschaften unser neuer Trainer mitbringen muss. Ich habe mit ersten Gesprächen mit Kandidaten bereits begonnen.»

Am Sonntag verlor das Team beim 1:3 in Sion den vierten Match in Folge und bezog die insgesamt sechste Niederlage. Der FCL ist mit nur fünf Punkten Tabellenletzter, hat vier Zähler Rückstand auf den Vorletzten FC Vaduz, der am Sonntag, 19. Oktober, der nächste Gegner (zu Hause in der Swissporarena) ist.

Ist der Entscheid gerechtfertigt? Diskutieren Sie mit!

FCL-Trainer Carlos Bernegger muss seinen Platz räumen. Was sagen Sie zu dem Entscheid? Ist er gerechtfertigt oder hat die FCL-Spitze eine falsche Entscheidung getroffen? Und wie denken Sie über die stillschweigende Vertragsverlängerung Berneggers vor wenigen Wochen? Wer soll Ihrer Meinung nach der neue FCL-Trainer werden?

Diskutieren Sie gleich unter dem Artikel mit und sagen Sie uns Ihre Meinung.

dw/shä/si