FUSSBALL: Carlos Berneggers schönster Moment

FCL-Trainer Carlos Bernegger hat in 21 Tagen aus Ich-Profis ein Team geformt. Er bleibt seiner Linie treu – egal, ob er gerade mit Luzern beim FC Basel 3:0 gewonnen hat.

Daniel Wyrsch
Merken
Drucken
Teilen
Innige Umarmung zwischen Vater und Sohn: FCL-Trainer Carlos Bernegger mit Kevin (9).

Innige Umarmung zwischen Vater und Sohn: FCL-Trainer Carlos Bernegger mit Kevin (9).

Oben auf der Tribüne im TV-Studio von «Teleclub» schwärmte Basels Fussballlegende Karli Odermatt (70). Dabei war der FC Basel soeben im heimischen St.-Jakob-Park vom FC Luzern vorgeführt und mit 0:3 bezwungen worden. Nicht, dass der in Luzern geborene Odermatt den Baslern die Schlappe gegönnt hätte, Odermatt freute sich für Carlos Bern­egger (44). Bis vor knapp einem Monat hatte der Schweiz-Argentinier die U 21 des FCB trainiert. «Carlos hat seine Mannschaft hervorragend eingestellt», lobte Odermatt und prophezeite: «Luzern wird auch die nächsten zwei Spiele gewinnen und mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben.»

Ruhepause gibts erst ab Juni

Von solch optimistischen Voraussagen wollte unten im Mediencenter der neue FCL-Trainer nichts wissen. Zwar stellte Bernegger fest, dass Luzern nun neben Schlusslicht Servette auch Lausanne in der Tabelle hinter sich hat, aber er warnte: «Wir dürfen jetzt nicht euphorisch werden oder uns überschätzen. Mit der Dreipunkte-Regelung kann es sehr schnell gehen.» Es verbleiben noch sieben Runden zu spielen. Schlag auf Schlag geht es. Am nächsten Sonntag trifft der FCL auswärts auf das wiedererstarkte Thun, danach folgt eine englische Woche mit den Heimspielen gegen St. Gallen (Mittwoch, 8. Mai) und YB (Samstag, 11. Mai).

Bernegger erklärte unmittelbar nach dem Coup in Basel: «Wichtig ist, den bisherigen Erfolg zu bestätigen und im Trend weiter vorwärtszukommen.» 7 Punkte hat er aus 3 Spielen mit Luzern gewonnen. Für den Trainer gibt es erst, wenn die Meisterschaft am 1. Juni mit dem letzten Match in Genf bei Servette zu Ende geht, ein paar Ruhetage.

Fussball kontra «schönes Leben»

«Jetzt darf keine Ferienlagerstimmung aufkommen», hatte Bernegger letzte Woche gemahnt, als die ersten warmen Frühlingstage die Menschen erfreuten. Für ihn, der «eine professionelle Auffassung» von sich und den Spielern voraussetzt, ist dieses Ferienflair, das Luzern ausstrahlt, Grund zur Beunruhigung. «Pilatus und See im Sonnenschein, offene Cabrios, Leute mit tollen Kleidern, das ist ein schönes Leben hier. Die Spieler sehen das, aber sie dürfen nicht träumen, müssen gedanklich auf ihre Arbeit fokussiert sein.»

Emotionales Wiedersehen

Wie berechtigt diese Ansicht ist, versteht nur, wer die Wandlung der FCL-Profis in den letzten 21 Tagen mitverfolgen konnte. Es ist noch nicht allzu lange her, da schlenderten Spieler lässig wie Touristen um die Swissporarena. Bernegger hat sich als Ziel gesetzt, «die Individuen richtig einzuschätzen und einzuordnen, damit wir als Team funktionieren». Er sei mittendrin in der «Entdeckungsphase», die Spieler noch besser kennen zu lernen. «Der Weg wird zeigen, wie weit wir kommen. Stimmt die Leistung, kommen die Resultate.»

Bernegger, dieser warmherzige und gradlinige Lateinamerikaner mit grosselterlichen Wurzeln im Entlebuch und Rheintal, steht fürs Vorwärtskommen. «Wir müssen viel investieren, um hartnäckig und unerschrocken aufzutreten.» Wie im St. Jakob an der Birs, wo selbst der ehemalige FCL-Trainer Murat Yakin nach seiner ersten Liga-Heimniederlage als Basel-Coach anerkennen musste: «Luzern war fokussierter als wir.»

Bernegger freute sich nach dem Match auf dem Rasen sehr über das Wiedersehen mit Sohn Kevin (9). «Das war ein schöner Moment», sagte er bewegt, seine Augen wurden feucht. «Meine Familie weiss, wie es mir geht, sie sind voll dabei.» Er hofft, in Luzern bald eine Wohnung zu finden, «damit mir meine Familie nachfolgen kann».