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FUSSBALL: CEO Marcel Kälin muss gehen – Präsident Philipp Studhalter schweigt

Nach 18 Monaten ist für Geschäftsführer Marcel Kälin Schluss beim FC Luzern. Der Verwaltungsrat trennt sich vom 51-jährigen CEO «in gegenseitigem Einvernehmen». Interimistisch führt Präsident Philipp Studhalter per sofort die Geschäfte des Vereins.
FCL-Präsident Philipp Studhalter verkündet die Trennung von CEO Marcel Kälin. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 28. März 2018))

FCL-Präsident Philipp Studhalter verkündet die Trennung von CEO Marcel Kälin. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 28. März 2018))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Der FC Luzern informierte am Mittwoch an einer Medienkonferenz über die Trennung mit CEO Marcel Kälin (51). Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter stand den Journalisten als einziger Klubvertreter Red und Antwort. Allerdings hielt sich der Rechtsanwalt bedeckt über die Gründe, die zur sofortigen Trennung vom Geschäftsführer nach anderthalbjähriger Zusammenarbeit führten. Formell sei Marcel Kälin von seinem Amt zurückgetreten, doch Studhalters Aussagen ist zu entnehmen, dass man ihm den Rücktritt nahegelegt hat. Kälin erhält «eine wirtschaftsübliche Entschädigung», beantwortete der FCL-Präsident eine entsprechende Frage. Über die Details der Vereinbarung schwieg er.

Zur Kardinalfrage, warum Kälin gehen musste, sagte Studhalter nur: «Die Sachlage hat sich zugespitzt.» Was er damit meinte, erklärte er nicht. Nur so viel: «Es kam zu keinem gravierenden Zwischenfall.» Bemerkenswert ist, dass Studhalter vor knapp drei Monaten seinem CEO noch «volle Rückendeckung» zuge­sprochen hatte.

Kälin hat die finanziellen Ziele nicht erreicht

Bekannt ist, dass der FC Luzern wie fast alle anderen professionell geführten ­Vereine im Schweizer Fussball seit Jahren unter einem strukturellen Defizit von mindestens 2 Millionen Franken pro Saison leidet. Kälin war am 1. Oktober 2016 vor allem angetreten, um «das Budget einzuhalten». Diese Vorgabe hatte ihm allen voran Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg zur prioritären Aufgabe gemacht. 18 Monate später liess Präsident Studhalter jedoch durchblicken, dass CEO Kälin die finanziellen Ziele nicht erreicht hat.

Obwohl Studhalter nichts bestätigt: Zum entscheidenden Stolperstein für Kälin ist die fehlende öffentliche Akzeptanz geworden. Deshalb gelang es dem Geschäftsführer auch nicht, dringend notwendige Sponsorengelder zu generieren. Anfang Januar bei der Medienkonferenz zur Freistellung von Trainer Markus Babbel hatte Kälin gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass er in ­seiner Tätigkeit beim FCL noch kein einziges Sponsoringgeschäft abschliessen konnte.

Für Unruhe sorgte zudem die Fluktuation auf der Geschäftsstelle. Rund 15 Mitarbeiter haben während der Amtszeit von Kälin gekündigt, als Hauptgrund bezeichneten viele das schlechte Arbeitsklima unter dem CEO. Am gebürtigen Einsiedler hielt bis am Mittwoch einzig der Verwaltungsrat fest. Er hatte schliesslich den Ersatzspieler der FCL-Meistermannschaft von 1989 eingestellt und für das anspruchsvolle Amt als geeignet eingeschätzt.

Allerdings fanden hinter den Kulissen längst offene Gespräche mit Kälin statt. Die Klubbesitzer wollten ihm eine zweite Chance geben. Er wurde von den in der Wirtschaft erfolgreichen Verwaltungsräten in seinen Leitungsaufgaben sogar beraten. Allein der Erfolg ist ausgeblieben, bis zuletzt herrschte Unruhe auf der Geschäftsstelle, und langjährige Mitarbeiter verliessen den Verein.

Ex-FCL-Trainer Markus Babbel hatte, kurz bevor er freigestellt wurde, die ­«miserable Stimmung auf der Geschäfts­stelle» kritisiert. Diese würde sich auf die Leistungen der Mannschaft aus­wirken. Babbels Nachfolger Gerardo Seoane hat sich in der kurzen Amtszeit noch nicht zu einer Aussage über die Geschäftsführung hinreissen lassen. Seoane reitet bislang auf einer Erfolgswelle. Der vorherige U21-Coach hat mit seiner Mannschaft aus sieben Spielen 17 Punkte gesammelt, noch ungeschlagen ist er mit den Innerschweizern von Platz 9 auf 4 in der Tabelle hochgeklettert. Trotzdem ist den Klubbesitzern Bernhard Alpstaeg, Samih Sawiris, Marco Sieber, Hans Schmid und Josef Bieri bewusst, dass Seoane den aktuellen sportlichen Erfolg nur weiterführen kann, wenn wieder eine stabile operative Führung besteht.

Das Profil des CEO wird geschärft, die Stelle bald ausgeschrieben

Nach Kälins Abgang ist Studhalter per sofort auch für die Geschäftsführung verantwortlich, bis der FCL einen geeigneten neuen CEO gefunden hat. Wie der Vorsitzende ausführte, hält der Verwaltungsrat am Modell mit dem Geschäftsführer fest. Das CEO-Profil werde geschärft, die Stelle bald ausgeschrieben. Studhalter sagte, dass sie mit Sorgfalt ­einen Nachfolger suchen würden. Offenbar wollen die Besitzer aus den personellen Fehlern der Vergangenheit lernen. Seit Walter Stierli nach siebenjähriger Amtszeit 2012 seinen Rücktritt als Präsident gab, hat sich das Innerschweizer Fussball-Aushängeschild von zwei Präsi­denten (Mike Hauser, Ruedi Stäger) sowie zwei Geschäftsführern (Thomas Schönberger, Marcel Kälin) getrennt. Studhalter: «Einen Schnellschuss gibt es nicht, wir müssen die richtige Person für diese sehr wichtige Position finden.»

CEO Marcel Kälin muss gehen. (Bild: Pius Amrein (31. Januar 2018))

CEO Marcel Kälin muss gehen. (Bild: Pius Amrein (31. Januar 2018))

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