FUSSBALL: Darum ist Puljic so wichtig für den FCL

Für den FC Luzern ist Tomislav Puljic (32) bislang der wichtigste Spieler im Abstiegskampf. Seit der kroatische Verteidiger zurück ist, hat sich die Wetterlage beim FCL aufgehellt.

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Nach seinem siegbringenden Kopfballtor gegen den FC Zürich war am Samstagabend Zeit für eine pathetische Geste: Tomislav Puljic und der FCL das passt. (Bild Martin Meienberger)

Nach seinem siegbringenden Kopfballtor gegen den FC Zürich war am Samstagabend Zeit für eine pathetische Geste: Tomislav Puljic und der FCL das passt. (Bild Martin Meienberger)

daniel wyrsch

Echte Fussballfans haben ein genaues Gespür für die Vorgänge in ihrem Lieblingsverein. So ist es auch beim FC Luzern. Als die Mannschaft am letzten Samstag im Letzigrund nach dem 1:0-Sieg beim FC Zürich vor der Fankurve jubelte, skandierten die mitgereisten 400 FCL-Anhänger «Puljic, Puljic, Puljic!».

Eine grössere Anerkennung gibt es für einen Spieler nicht. Die Klubtreuen aus der Innerschweiz feierten damit nicht nur dessen eminent wichtiges KopfballSiegtor zu den drei gewonnenen Punkten, es war auch ein grosses Dankeschön für die Leistungen von Abwehrchef Tomislav Puljic (32), seit er zurück ist.

Nicht alle aus dem FCL-Umfeld sind immer hinter Puljic gestanden, das ist diesem bewusst. «Verständlicherweise waren einige Leute skeptisch, als ich nach über einem halben Jahr ohne Pflichtspiel aus dem persönlichen Trainingscamp in meiner Heimatstadt Zadar wieder hierher kam. Umso mehr macht mich jetzt mein FCL-Comeback froh.»

Rührender Brief von Puljic-Fans

Stets von Puljics Qualitäten überzeugt gewesen sind acht Fans, die unserer Zeitung Mitte Oktober einen rührenden Brief geschrieben hatten. Dass dabei der damalige Sportchef Alex Frei (35) schlecht wegkam, liegt auf der Hand. Der Ex-Goalgetter aus dem Baselbiet verantwortete letzten Sommer den Abgang des 1,92 Meter grossen Innenverteidigers. Für die FCL-Anhänger mit dem Absender «Restaurant Schützenhaus in Luzern» ein Riesenfehler, sie verglichen Puljic mit Verteidiger-Legenden aus grossen Luzerner Zeiten: «Puljic hat über 130 Spiele gemacht, war nie verletzt, war der konstanteste, zuverlässigste Kopfballspezialist und der zweikampfstärkste Abwehrspieler nach ‹Giftzahn› Roger Wehrli und dem eisenharten ‹Klopfer› René van Eck.» Und die Fans machten im Schreiben auf einen weiteren wichtigen Fakt aufmerksam: Puljic habe in vier Jahren mehr Tore (12/125 Spiele) erzielt «als die ganze Abwehr zusammen, Wehrli und van Eck inbegriffen».

Seit Freis Nachfolger Rolf Fringer (58) seinen früheren Schützling Puljic zurückgeholt hat, ist dieser zum torgefährlichsten FCL-Spieler neben Stürmer Marco Schneuwly (29) avanciert. Wie der zehnfache Saisontorschütze hat Puljic in acht Partien der Rückrunde schon drei Tore markiert. Mit dem Kopfball zum 1:1-Endstand gegen YB feierte er am 7. Februar einen Traumeinstand, gegen Basel vor zweieinhalb Wochen traf er mit dem Fuss zum zwischenzeitlichen 1:3 und bewahrte sein Team wohl vor einer Kanterniederlage.

Die Feststellung des Assistenten

Mit seinem goldenen Kopfball-Tor beim FCZ konnte der FCL den Vorsprung zum Schlusslicht FC Aarau auf sechs Punkte inklusive der klar besseren Tordifferenz ausbauen. Vor dem ersten Match mit Puljic hatte Luzerns Rückstand auf Aarau drei Punkte betragen.

Wie erklärt sich der bislang wichtigste FCL-Spieler der Rückrunde, wie er mit drei Toren, fast ausnahmslos starken Abwehrleistungen und der enormen Präsenz wesentlich zu diesem Turnaround beitragen konnte? Puljic: «Ausser in der zweiten Hälfte der letzten Saison, in der ich eine harte Zeit durchmachte, konnte ich der Mannschaft immer helfen. Nun haben wir diese Punkte dringend gebraucht, Gott sei Dank ist es gelungen. Doch wir sind noch nicht am Ziel, wir benötigen weitere Punkte, um den Ligaerhalt zu schaffen.» Er sei zurückgekehrt, um etwas zu bewegen. Es laufe ihm perfekt, auch privat. Anfang März hat seine Ehefrau Ana in Luzern mit Söhnchen Rafael das dritte Kind der jungen Familie geboren.

Puljic strotzt vom ersten Tag seiner Rückkehr am 5. Januar vor Selbstvertrauen. Co-Trainer Roland Vrabec (41), der gleichentags zum FCL stiess, hatte kurz darauf im Trainingslager in Marbella (Sp) festgestellt: «Tomislav Puljic ist ein Mann!» Herauszuhören war bei der Betonung, dass die meisten anderen Luzern-Profis in Vrabecs Augen nicht zwingend Männer sind. Punkto Persönlichkeit dazu zählt auch das Auftreten neben dem Platz – gehört Puljic zu den Ausnahmeerscheinungen im Team, obwohl auch er kein Lautsprecher ist.

Nun herrscht ein guter Geist

Wie kann Puljic den Mitspielern sein Selbstvertrauen weitergeben? «Ich rede mit den Teamkollegen. Wir profitieren vom Zusammenhalt in der Mannschaft, der guten Atmosphäre auch mit dem Staff, den Trainern und dem Sportchef.»

Anders als letzten Frühling, als Frei mit ihm, Florian Stahel, Dimitar Rangelov und Michel Renggli gleich vier Führungsspieler aus der Achse rasierte, herrscht nun ein guter Geist. Am Beispiel von Puljic, der damals im Kopf belastet – zwei Eigentore fabriziert hatte, ist zu sehen, wie entscheidend die mentale Verfassung im Fussball ist.

Positiv denkend blickt Puljic zum nächsten Spiel am Samstag (17.45) in Thun: «Ich glaube an unser Team. Wir müssen 100 Prozent parat sein, um auf dem Kunstrasen erfolgreich zu agieren.»