FUSSBALL: Darum schwächelt der FCL

Luzern hat in den letzten vier Ligaspielen nur ein Tor geschossen. 207 Minuten hat der FCL nicht mehr getroffen. Die Krise erinnert an den schwachen Saisonstart 2014. Vor allem vier Teamstützen sind in einem Tief.

Daniel Wyrsch
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Von links: Dario Lezcano, Marco Schneuwly, Jakob Kantscher und François Affolter. (Bild: EQ/Photopress)

Von links: Dario Lezcano, Marco Schneuwly, Jakob Kantscher und François Affolter. (Bild: EQ/Photopress)

Daniel Wyrsch

FCL-Captain Claudio Lustenberger (28) machte nach der 0:2-Niederlage in Sion keinen Hehl daraus. Er sagte, warum ihm die aktuelle Entwicklung Sorgen bereitet: «Nach fünf sieglosen Spielen mit nur zwei Punkten spüren wir den Druck, den die Mannschaften hinter uns machen. Die Liga ist sehr eng.» Der Aussenverteidiger weiss in seiner zehnten Saison beim FC Luzern, wie schnell die Stimmung kippen kann.

Entgegen der Zielsetzung

Die Zentralschweizer mussten am Sonntag nach dem verlorenen Direktduell den Wallisern Platz 4 abtreten. Die nunmehr fünftplatzierten Luzerner spüren mit 20 Punkten den Atem der ersten Verfolger St. Gallen (19) und Thun (17). «Dabei wollten wir uns eigentlich nach vorne orientieren», tönte FCL-Präsident Ruedi Stäger nach der dritten Auswärtsniederlage in Folge konsterniert. Mit fünf Siegen, fünf Niederlagen, fünf Unentschieden und 20:20 Toren ist das Team nur absoluter Durchschnitt. Ein Ticket für das internationale Geschäft ist aber das Ziel des Vereins. Dazu bräuchte es eine Platzierung unter den ersten vier in der Meisterschaft oder den Triumph im Cup. In beiden Wettbewerben ist Luzern noch im Rennen. Aarau, das Tabellenschlusslicht der Challenge League, empfängt den FCL am Samstag, 12. Dezember, um 18 Uhr zum Cup-Viertelfinal.

Auf dem Papier sind die restlichen Vorrundenpartien in der Liga am Samstag (20.00) nächster Woche zu Hause gegen Thun und anschliessend in Basel und zu Hause gegen YB viel schwieriger.

Formschwäche gibt zu denken

Die Mannschaft von Markus Babbel muss die fast 14-tägige Länderspielpause nutzen, um vor dem gegnerischen Tor wieder effizienter zu werden. In den letzten vier Spielen haben die Zentralschweizer nur einen Treffer erzielt und lediglich einen Zähler geholt. 207 Minuten ist es her, seit beim FCL letztmals Torjubel ausbrach. Das 1:0 von Marco Schneuwly gegen Vaduz (1:1) war das letzte Erfolgserlebnis in der Liga.

Zur mangelnden Effizienz kommen teilweise gravierende Abwehrfehler dazu. Die Resultatkrise erinnert an den miserablen Saisonstart 2014/15 unter Carlos Bernegger. Nach elf Partien ohne Sieg und mit nur fünf geholten Zählern wurde der emotionale Trainer freigestellt und am 13. Oktober 2014 durch Babbel ersetzt. Dessen Situation ist momentan weit weniger dramatisch. Trotzdem muss ihm nicht zuletzt die Formschwäche der Schlüsselspieler Jakob Jantscher, Marco Schneuwly, Dario Lezcano und François Affolter zu denken geben.

Dario Lezcano

dw. Dario Lezcano (25) ist der Knopf im vierten Jahr in Luzern aufgegangen. Seit dem 26. April und seinem Kopfballtreffer beim 2:1-Sieg in Basel ist er durchgestartet. In 15 Spielen hintereinander hat er durchschnittlich je ein Tor markiert. Das hat dem Paraguayer ermöglicht, dass sein Bubentraum am 13. Oktober in Erfüllung gegangen ist. Lezcano durfte für die Nationalmannschaft seines Landes in der WM-Qualifikation gegen Argentinien (0:0) spielen.

Ausgerutscht über die lange Sperre

Just einen Monat zuvor waren dem Südamerikaner aber die Sicherungen durchgebrannt. Nach einer gelb-roten Karte im Heimspiel gegen GC (3:3) hatte er den Schiedsrichter körperlich attackiert. Acht Spiele war er deshalb auf Schweizer Fussballplätzen gesperrt gewesen. Bei seiner Rückkehr vorgestern in Sion wurde die lange Zwangspause deutlich: Lezcano liess zweimal die Präzision beim Torschuss vermissen, und einmal rutschte er allein vor Sion-Goalie Vanins aus.

Lezcano: «Ich bin froh, kann ich jetzt zum Nationalteam. Dann komme ich zurück und versuche alles, um mit Luzern wieder erfolgreich zu sein.»

Marco Schneuwly

dw. Die beste Saison seiner Karriere hatte Marco Schneuwly (30) im ersten Jahr in Luzern gespielt. 17 Tore und acht Assists sind mehr als ansprechende Werte. Seine hervorragenden Leistungen wollte der Freiburger im Sommer zu einem Klubwechsel ausnützen. Vor allem hätte ihn die Bundesliga gereizt. Doch der Karlsruher SC verpasste hauchdünn den Aufstieg.

Nicht mehr so kaltschnäuzig

Schneuwly blieb beim FCL. Kurz vor dem Saisonstart gegen Sion erhielt er von den Wallisern ein Traumangebot über sechs Jahre. Sion-Präsident Christian Constantin wollte aber keine angemessene Ablöse bezahlen. So verlängerte Schneuwly nach dem Transfer-Hickhack vorzeitig bis 2018 in Luzern. Im Anschluss an seine Ladehemmungen in sechs Spielen traf er nach der Kontraktverlängerung sofort wieder, er steht nun bei fünf Treffern. Aber der kaltschnäuzige Goalgetter der letzten Saison ist er nicht mehr. Schneuwly: «Ich will immer die beste Leistung abrufen, Tore schiessen und Vorlagen geben. Manchmal gelingt es, manchmal nicht.»

Jakob Jantscher

dw. Österreichs Nationalspieler Jakob Jantscher (26) musste in Sion zum fünften Mal in dieser Saison den Spielbeginn von der Ersatzbank aus mitverfolgen. Für einen Profi, der letzte Saison zu den Spitzenkräften des Teams zählte, eine sonderbare Situation.

Verhältnis zu Babbel hat gelitten

Obwohl weder FCL-Trainer Markus Babbel noch Jantscher sich dazu klar äussern, ist offensichtlich: Um das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden ist es nicht mehr zum Besten bestellt. Dass sich Jantscher beim FCL nicht mehr so wohl wie früher fühlt, sieht man ihm an. Obwohl das Team vor zwölf Monaten Letzter war, hatte der Grazer damals geschwärmt: «Das ist die spielstärkste Mannschaft, in der ich je gespielt habe.»

Letzte Saison war Jantscher mit elf Assists bester Vorlagengeber der Liga, und er schoss sechs Tore. Heuer hat er in 14 Einsätzen nur einmal getroffen und drei Assists gegeben. In St. Gallen (0:1) vergab er eine klare Kopfballchance. Jantscher selbstkritisch: «Wir haben uns selber in diese blöde Lage gebracht, weil wir zu wenige Tore erzielen.»

François Affolter

dw. Die letzte Rückrunde war Balsam für die geschundene Fussballerseele von François Affolter (24). Im kompakten Kollektiv von Babbels Mannschaft konnte er endlich konstante Leistungen im FCL-Dress zeigen. Im Sommer bot ihn sein früherer Trainer bei YB, Vladimir Petkovic, als Supplement sogar für einen Zusammenzug der Nationalmannschaft auf.

Erneut mit einzelnen Blackouts

Doch dem Innenverteidiger aus Biel war bewusst, dass er noch lange nicht auf dem Weg zurück in die Landesauswahl ist. «Ich konzentriere mich auf Luzern, muss mich zuerst hier längerfristig durchsetzen», sagte der fünffache Nationalspieler. Offenbar hat Affolter Babbels Hierarchie in der Innenverteidigung von Anfang 2015 gespeichert: In dieser standen die Kroaten Tomislav Puljic und Kaja Rogulj vor ihm, ehe sie sich verletzt hatten. Jetzt ist nicht nur Puljic zurück, sondern auch Rogulj und Sally Sarr. «Ich will den Stammplatz behalten», betont Affolter. Zuletzt hat er sich aber wieder, wie beim Tor zum 0:2 in Sion, einzelne Aussetzer geleistet.