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FUSSBALL: «Das Feeling der alten Allmend fehlt völlig»

Marcel Kälin (51) ist seit genau einem Jahr Geschäftsführer des FC Luzern. Er spricht über den Zuschauerschwund, die Fehler in der vergangenen Saison und die Kritik der Medien.
Daniel Wyrsch
Geschäftsführer Marcel Kälin will die Basis legen, damit der FCL auch wieder einmal Pokale gewinnen kann. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 27. September 2017))

Geschäftsführer Marcel Kälin will die Basis legen, damit der FCL auch wieder einmal Pokale gewinnen kann. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 27. September 2017))

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Marcel Kälin, wie haben Sie das erste Jahr als FCL-CEO erlebt?

Der Anfang war turbulent. Es gab Personalwechsel in wichtigen Positionen, die sich bereits vor meinem Amtsantritt abgezeichnet hatten. Finanzchef mit Assistentin, Stadionmanager und Sportkoordinator verliessen uns und mussten ersetzt werden. Ich fühle mich jedoch sehr wohl beim FCL und kann auch sagen, dass ich einen Traumjob habe. Ich konnte das Hobby Fussball zum Beruf machen und unternehmerisch tätig sein. Zugleich spüre ich 100 Prozent Vertrauen seitens unserer Investoren. Zusammen mit meinem Führungsteam kann ich etwas bewegen, dazu lerne ich fast wöchentlich interessante Persönlichkeiten aus Sport und Wirtschaft kennen.

Für Unruhe sorgten aber neben den bereits erwähnten Abgängen von Finanzchef Sandro Wyss, Stadionmanager Reto Mattmann und Sportkoordinator Remo Gaugler die Kündigungen von einem halben Dutzend weiterer Mitarbeiter.

Diese Zahl stimmt nicht. Klar ist aber, dass wir den FCL umbauen und auch neue Stellen schaffen. Der FCL muss auch ausserhalb des Spielfeldes fit sein, und wir fokussieren uns auf grössere Kundenorientierung und die Digitalisierung. Wir sind in einem normalen Wechselprozess, und unsere Mitarbeiter und Partner sollen sich zu 100 Prozent mit dem FCL identifizieren können.

Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg hat Ihnen befohlen, dass Sie das Budget strikte einzuhalten haben. So konnten Sie sich bei den Angestellten sicher nicht beliebt machen.

Das Budget einhalten: Damit werde ich von Aussenstehenden immer wieder konfrontiert und kann dies so nicht stehen lassen. Wir setzen wie in einer normalen Aktiengesellschaft die strategischen Vorgaben des ganzen Verwaltungsrates um und nicht die einer Einzelperson. Innerhalb dieser Vorgaben bewege ich mich frei und setze mit meinem Führungsteam gemeinsame Leitplanken. Ich fördere Eigenverantwortung und eine Leistungskultur. Jeder von uns muss wie ein Unternehmer handeln und «Siegeswillen» auf jeder Ebene zeigen. Der FCL muss schlicht wirtschaftlicher werden. Einerseits müssen wir den Umsatz steigern und demgegenüber auf der Kostenseite effizienter werden.

Sie sagen, der FCL habe beim Budget noch Reserven, obwohl Sie diese Woche mit Reto Ziegler den elften Neuzugang verpflichteten?

Ja, unser Spielraum ist im Gegensatz zu den Vorjahren nicht mit dem Saisonstart aufgebraucht. Dies zeigt, dass wir hier einen Schritt weiter sind. Allerdings müssen wir mit dem Geld teilweise die verlorenen Zuschauereinnahmen decken.

Der Schnitt pro Heimspiel könnte in dieser Saison unter 10 000 Fans fallen. Was läuft da schief?

Das Problem des Zuschauerschwunds spüren alle Super-League-Klubs. Viele Leute bleiben zu Hause und schauen das Spiel auf Teleclub. Dabei können wir von den TV-Geldern her nicht einmal mit der 2. Bundesliga mithalten. Bekommen wir jährlich weniger als 2 Millionen, erhalten die zweitklassigen Vereine in Deutschland den Betrag mit Faktor 6. Klar ist: Die Business- und VIP-Kunden können bei uns gut netzwerken, und mit einer Auslastung von über 90 Prozent sind wir in diesem Bereich top. Konkret schief lief beim FCL aber, dass mit dem Stadionneubau der «normale» FCL-Anhänger vergessen ging. Wir haben hier keinen Treffpunkt vor und nach dem Spiel. Das Feeling der alten Allmend fehlt völlig.

Wie wollen Sie das ändern?

Basis ist, dass die Stadt die Nutzungsvorgaben lockert. Hier sind wir in guten Gesprächen und politisch aktiv. Seitens der Stadt Luzern darf unsere wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bedeutung nicht weiter verkannt werden. Allein mit der Billettsteuer bezahlen wir der Stadt jährlich rund 600 000 Franken, notabene sind wir der einzige SFL-Club, der von einer solchen Abgabe betroffen ist. Der FCL und Besucher bezahlen die Zeche.

Trotz eindrücklicher Nachteile hinsichtlich der TV-Gelder und beim Stadion haben Sie auch positive Veränderungen festgestellt?

Scheint es von aussen nicht, dass es insgesamt ruhiger und weniger hektisch um den FCL geworden ist? Das war eines meiner Ziele, und ich finde, wir haben die Hausaufgaben in diesem Punkt gemacht. Ruhig heisst aber nicht, dass wir nicht intensiv an Verbesserungen arbeiten. Wir wollen die Basis legen, damit wir mit dem FCL auch wieder einmal Pokale gewinnen – und vor allem mit den Innerschweizer Sportfans Fussballfeste feiern können. Positive Dinge erlebe ich täglich. So haben wir mit unseren Mitarbeitern am Donnerstag kurz vor Mitternacht von der Uefa und vom FC Lugano ein dickes Lob für die Organisation mit der Umsetzung des ersten Europa-League-Gruppenspiels in Luzern bekommen, was uns alle stolz macht. Stolz bin ich auch auf unsere Fans. So bleiben mir meine zwei Bahnfahrten mit den Fans aus der Kurve an Auswärtsspiele in toller Erinnerung. Ich spürte ungefiltert, welchen hohen Stellenwert der FCL im Leben einzelner hat.

Wie fällt Ihr sportliches Fazit für die letzten zwölf Monate aus?

Im Herbst 2016 begeisterten wir mit Offensivfussball und waren erfolgreich. Dann folgte im Frühjahr die obligate Baisse, die wir diese Saison vermeiden wollen. Mich ärgert noch immer, dass wir die Chance auf Platz 3 und damit die direkte Europa-League-Qualifikation vertan haben. Lugano hat sich qualifiziert und spielt nun in unserem Stadion auf europäischem Parkett. Ein Ziel, das wir auch erreichen wollen. Letzte Saison haben wir es alle verbockt – das Team, die Trainer, das Umfeld und auch ich.

Warum?

Wir haben den Fokus verloren. Wir zeigten für eine kurze Zeit keine Einigkeit und wurden gegeneinander ausgespielt. Plötzlich waren wir «mental tot» (Aussage Markus Babbel; Anm. der Red.), ein siebter Platz wurde wirtschaftlich besser gesehen als der sportliche Erfolg (Aussage Bernhard Alpstaeg; Anm. der Red.). Einzelne Personen hielten sich nicht an die Spielregeln, haben öffentlich Personalentscheide kommentiert. Ich unterschätzte die Boulevardmedien. Mich nervte gewaltig, als auch noch die regionalen Medien auf uns einprügelten. Meine Erkenntnis daraus ist: Wir haben in der Kommunikation den Lead nicht übernommen. Diese Fehler haben wir intern analysiert und klar angesprochen. Das darf uns nicht mehr passieren. Wir können nur Erfolg haben, wenn wir alle zusammen als Einheit auftreten.

Ihr Vorbild sind derzeit die Young Boys, der Leader der Super League.

Ja, ich schaue neidisch auf YB. Wir haben nicht nur die 1. Mannschaft, sondern wir müssen auch für unsere 700 Junioren und 60 Trainer Strukturen schaffen, damit wir nachhaltig Schweizer Talente positionieren können. Das Team ist klar verjüngt worden – und dennoch stimmt die Mischung dank der erfahrenen Profis Christian Schwegler und Reto Ziegler.

Wie macht der neue Sportkoordinator Remo Meyer seinen Job?

Er will diesen Weg mit uns gehen und versteht sein Handwerk, weil er Erfahrung aus dem Fussballgeschäft mitbringt und unternehmerisch denkt. Wir harmonieren sehr gut, sind beides Innerschweizer, die sich mit Herzblut für den FCL einsetzen. Sieben Tage pro Woche sind Remo und ich im Einsatz für den Klub.

Sie haben für den Verein eine eigene Vision ins Leben gerufen, aber in der Klubführung fehlt ein bekannter Kopf. In der Aussenwahrnehmung ist einzig Markus Babbel prominent.

Da kann ich Ihnen nicht widersprechen. Markus Babbel ist ja auch länger da als der Präsident und ich. Spass beiseite. Wie bereits gesagt, wollten wir zuerst Ruhe in den Verein bringen. Als nächsten Schritt müssen Präsident Philipp Studhalter, Remo Meyer und ich vermehrt hinaus zu den Leuten, unseren Fans und Sponsoren. Kurzfristig als Selbstdarsteller aufzutreten, bringt nichts. Köpfe für den FCL werden wir nur mit Konstanz und erfolgreicher Arbeit.

Dem FCL fehlt ein grosser Erfolg.

Das ist so, den letzten Schritt haben wir nicht gemacht. Das war so im Cup-Halbfinal in Sion, da verloren wir als die im Spiel bessere Mannschaft das Penaltyschiessen. Und in der Europa-League-Qualifikation kam im lange begeisternden Rückspiel gegen Osjek nach einem Kontertor zum 2:1 unser plötzliches Aus.

Wird der FCL den auslaufenden Vertrag mit Babbel verlängern?

Remo Meyer ist in Gesprächen mit dem Trainer. Markus Babbel trägt unsere Philosophie voll mit. Er ist der dienstälteste Coach der Liga, seit drei Jahren beim FCL. Auch das ist ein Ziel: Wir wollen konstanter sein als früher. Er führt das Team nach dem englischen Vorbild des Managertrainers. Im Übrigen bekommen wir für Babbel überwiegend positive Rückmeldungen für dessen Auftritte und Verhalten.

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