FUSSBALL: David Zibung zu den Unruhen beim FCL

David Zibung, Goalie des FC Luzern, spricht im Interview über die aktuelle Situation beim FCL - und über die Zusammenarbeit mit Trainer Markus Babbel.

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David Zibung zur Krise beim FC Luzern. (Bild: Archiv Neue LZ)

David Zibung zur Krise beim FC Luzern. (Bild: Archiv Neue LZ)

FCL-Goalie David Zibung (32) hat nach der 2:5-Niederlage am Sonntag bei YB dem SRF ein Interview gegeben. Wütend über die Fehler in der Hintermannschaft stellte Zibung fest: "Was hat irgendein ein Sportchef und ein Assistenztrainer damit zu tun, dass wir die Zweikämpfe im Strafraum verlieren? Für mich nichts. Dieses Denken ist mir zu einfach." Wir haben beim konstant spielenden Luzern-Torhüter nachgefragt, wie er das gemeint hat und wie er die Zusammenarbeit mit Markus Babbel empfindet. Bekanntlich steht der FCL-Trainer nach sechs Niederlagen in Folge zur Diskussion.

David Zibung, wie haben Sie das gemeint mit Ihrer wütenden Aussage, dass die freigestellten Rolf Fringer und Roland Vrabec nichts mit den verlorenen Zweikämpfen im Sechzehner zu tun hätten?

David Zibung: Die ganze Unruhe, die bei uns herrscht, hat nichts mit dem zuletzt ungenügenden Zweikampfverhalten zu tun. Ich zielte aber überhaupt nicht auf die erwähnten Personen. Für mich steht die Botschaft im Zentrum, dass wir den Kampf Mann gegen Mann annehmen müssen.

Wie sehr beschäftigt sich die Mannschaft mit den Unruhen um den Klub?

Zibung:Wir können nicht abstreiten, dass die öffentliche Kritik in der Mannschaft ein Thema ist. Ich finde aber, das Team hält zusammen. Nach dem 0:2-Rückstand in Bern zeigten wir eine hervorragende Reaktion und schafften den 2:2-Ausgleich. Schliesslich war der 2:5-Endstand für uns enttäuschend. Wir haben YB die 3:2-Führung geschenkt, weil wir nach einem Einwurf der Berner nicht bereit waren.

Drei Gegentore musste Luzern auf Corner und einen Treffer nach einem Einwurf hinnehmen. Ist das Team nicht richtig vorbereitet gewesen?

Zibung:Nein, die Zuordnung war bei diesen vier Standardszenen klar. Wir waren zu wenig giftig mit den Gegenspielern, und müssen künftig eine grössere Aggressivität an den Tag legen.

Wenn nicht diese verlorenen Duelle Mann gegen Mann gewesen wären, hätte der FCL in Bern punkten können?

Zibung: Wir hätten mindestens einen Punkt gewinnen können. Das Problem waren einzig und allein die stehenden Bälle. Spielerisch und taktisch haben wir unseren Job gut gemacht.

In anderen Rückrundenspielen wie bei den Heimniederlagen gegen Zürich und St. Gallen fehlte es an der Effizienz und Durchschlagskraft im Angriff, während die Gegner aus wenigen Möglichkeiten zum Sieg trafen. In Sion und im Cup gegen Lugano fehlte die Kreativität und ein Konzept in der Offensive. Gegen YB war der Angriff endlich gefährlich, aber bei gegnerischen Standards sündigte der FCL. Es hat bislang immer irgendwo gefehlt.

Zibung: In den Spielen zuvor haben die Details nicht gestimmt. Es liegt an uns, die Fehler abzustellen. Nun haben wir Lugano in der Meisterschaft vor der Brust, am Samstag im Heimspiel müssen die Details passen. Uns ist klar, das wird wieder ein schwieriger Match!

Sechs Niederlagen hintereinander zum Auftakt der Rückrunde, diese Bilanz muss bei den Spielern am Selbstvertrauen nagen.

Zibung: Die Situation ist äusserst unbefriedigend. Doch das gehört leider zum Fussball, dass es einer Mannschaft mal schlecht läuft. Privat und in der Wirtschaft können ebenso Probleme auftreten. Dann hat man sich diesen zu stellen. Wir als Mannschaft haben die Möglichkeit, den Verein und das Umfeld wieder aus dieser Negativspirale herauszuführen.

Wie kann Markus Babbel dem Team helfen?

Zibung: Der Trainer gehört zur Mannschaft wie jeder Spieler. Er arbeitet mit uns. Spielerisch und taktisch haben wir Fortschritte gemacht. Die Anweisungen, die er uns auf den Weg gibt, funktionieren.

Man spürt, Sie setzen sich für den Trainer ein.

Zibung: Ein Coach kann nichts dafür, wenn die Spieler im Sechzehner die Duelle verlieren. Auch der Präsident kann nicht auf den Platz gehen und eingreifen. Kein Fan und niemand anders ist schuld für unsere Ergebnisse. Nur wir als Mannschaft.

Trotzdem: Gibt es Spieler, die Mühe haben, die Freistellungen von Rolf Fringer und Roland Vrabec zu akzeptieren?

Zibung: Ich weiss es nicht. Im Fussball gibt es jeden Tag solche Personalentscheide. Doch am Ende ist jeder Spieler für seine eigenen Leistungen verantwortlich. Ich muss meine Energie aufbringen, um im Training und im Spiel meine Leistungen erbringen zu können. Ich bin froh, muss ich nicht solche Entscheide fällen, sondern kann mich auf den Sport konzentrieren.

Sie tönen sehr willig, wollen möglichst bald wieder erfolgreich sein mit dem FCL.

Zibung: Ich bin überzeugt, dass wir als Mannschaft zurück zum Siegen finden. Dazu muss jeder Spieler den Fokus zuerst auf seine Aufgabe legen, damit wir als Kollektiv wieder erfolgreich sein können.

Interview Daniel Wyrsch