FUSSBALL: Der «Aufgepumpte» kehrt zurück

Der FC Luzern bestreitet morgen (20.45 Uhr) das Zweitrunden-Rückspiel der Europa-League-Qualifikation. In Perth wartet St. Johnstone, bei dem Goalgetter Stevie May (21) sein Comeback gibt.

Daniel Wyrsch
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Stevie May wird den Johnstone FC am Donnerstag verstärken können. Bild des schottischen Trefferjubels in der Swissporarena. (Bild: Keystone)

Stevie May wird den Johnstone FC am Donnerstag verstärken können. Bild des schottischen Trefferjubels in der Swissporarena. (Bild: Keystone)

St. Johnstones nordirischer Trainer Tommy Wright (50) ist immer noch beeindruckt von der Leistung des FC Luzern im Hinspiel am letzten Donnerstag (1:1). «Jeder, der am Match war letzte Woche, weiss, die Luzerner sind eine echte Bedrohung vor dem Tor.» Der 50-jährige einstige Goalie von Manchester City und Newcastle United lobt den Widersacher vor dem Rückspiel morgen in Perth in den höchsten Tönen: «Sie sind die beste Mannschaft, gegen die wir in Europa angetreten sind. Ihre Leistung war die beste, die ein Team in den letzten zwei Jahren gegen uns gezeigt hat.» In der Europa League spielte der schottische Cupsieger immerhin gegen Rosenborg Trondheim (No), FC Minsk (WRuss) und Eskisehirspor (Tür).

Wright unterschätzte Luzern

Dass Wright dem FCL nicht aus taktischen Überlegungen den Honig um den Mund schmiert, zeigte seine Reaktion nach dem 1:1 in der Swissporarena. «Wir sind überrascht von den Luzernern, das Spiel war schwieriger, als wir es erwartet hatten.» Der Manager, wie die Cheftrainer auf der britischen Insel bezeichnet werden, hat in diesen Tagen gleich selber die Begründung für die Unterschätzung des Gegners aus der Schweiz nachgeliefert: «Wir haben Luzerns Testspiele gegen Spartak Moskau und den FC Biel vor Ort beobachtet. Aber diese Mannschaft hat sich gegen uns enorm gesteigert, sie agierte deutlich besser, als wir gedacht hatten.»

Jetzt dürfte es vorbei sein damit, dass St. Johnstone glaubt, gegen den FCL würde es ein leichtes Spiel geben. Wright nennt den Namen eines Rückkehrers, der den Luzernern bekannt ist, und es tönt beinahe wie eine Drohung: «Stevie May ist zurück.» Im Hinspiel musste er das Geschehen auf dem Rasen wegen muskulärer Probleme von der Ersatzbank aus beobachten. Morgen wird er im zumindest fast ausverkauften McDiarmid-Park vor über 10 000 Zuschauern für die Schotten auflaufen. Es sei ein Vorteil, das Rückspiel zu Hause bestreiten zu können, meint Wright und bringt erneut seinen besten Torschützen der Vorsaison (27 Tore) in Stellung. «Stevie wird uns stärker machen, da bin ich sicher. Und mit ihm auf dem Platz werden unsere Rivalen viel mehr zu denken haben und Arbeit bekommen.»

Über den schottischen U-21-Nationalspieler sagt Robert Thomson, Reporter bei «The Scottish Sun» in Perth: «Er ist ein kleiner, kräftiger Bursche. Stevie ist sehr stark und mit einem schnellen Antritt ausgestattet, um sich selbst Raum zu verschaffen für den Abschluss.»

Zum Start der letzten Liga-Saison, die in Schottland jeweils im August beginnt, beschrieb der BBC-Kommentator Rob MacLean den torgefährlichen Stürmer nach dessen Sommertraining im Kraftkeller mit den Worten: «Die haben May mit einer Velopumpe aufgepumpt.»

Wyss: «Er ist der Schlüsselspieler»

Wie sehr hat sich der FCL mit dem «Aufgepumpten» auseinandergesetzt? Assistenztrainer Thomas Wyss (47): «Wir haben uns Stevie May auf einigen Videos angeschaut. Er ist der Kopf der Mannschaft vorne im Angriff. Zwar ist er nicht der Grösste, aber er ist überall, nicht nur in der Spitze. Er lässt sich auch zurückfallen.» Für Wyss ist May, der in der letzten Saison 20 Tore in der schottischen Premier League, 4 im Cup, 2 im Liga-Cup und 1 in der Europa League (gegen Rosenborg) schoss, «der Schlüsselspieler von St. Johnstone».

FCL-Cheftrainer Carlos Bernegger (45) stellt fest: «Mit dem 27-fachen Saisontorschützen May und vor eigenem Publikum werden die Schotten eine grosse Herausforderung für uns darstellen. Aber ich freue mich ungemein auf dieses Rückspiel, das wird ein sehr interessanter Vergleich.»

Sein Amtskollege von St. Johnstone, Tommy Wright, erwartet «eine ausgeglichene, enge Ausmarchung».

St. Johnstone ohne Heimsieg

Eine Statistik dürfte dem FC Luzern Mut machen. In keinem der drei Heimspiele der Europa-League-Qualifikation, welche die Schotten bestritten, feierten sie einen Heimsieg. Gegen Eskisehirspor und Rosenborg spielten sie jeweils 1:1, und dem FC Minsk unterlagen sie am 8. August 2013 gar mit 0:1 (zuvor ein 1:0-Sieg auswärts) – und schieden anschliessend im Penaltyschiessen aus.