FUSSBALL: Der FCL bangt um fünf Leistungsträger

Folgt auf den Rauswurf von FCL-Sportchef Rolf Fringer ein Exodus der Spieler? Eigengewächs Kryeziu könnte zu St. Gallen, Puljic in Nordamerikas MLS wechseln.

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Die berufliche Zukunft von Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu beim FC Luzern scheint nach der Entlassung von Sportchef Rolf Fringer in der Schwebe zu sein. (Bild: Keystone / Nick Soland)

Die berufliche Zukunft von Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu beim FC Luzern scheint nach der Entlassung von Sportchef Rolf Fringer in der Schwebe zu sein. (Bild: Keystone / Nick Soland)

daniel wyrsch

Die sofortige Freistellung von Sportchef Rolf Fringer kann für den FC Luzern in der bald beginnenden Transferperiode (ab dem 15. Januar) gravierende Folgen haben. Luzern fehlt nun eine mit dem Fussball und den Zahlen vertraute Ansprechperson. Ein Vakuum ist entstanden. Andere Klubs, die derzeit besser aufgestellt sind, könnten dies ausnützen. Zum Beispiel Liga-Konkurrent St. Gallen. Die Ostschweizer haben Hekuran Kryeziu (22) eine attraktive Offerte gemacht, bereits während der Winterpause in die AFG-Arena zu wechseln. Der Mittelfeldspieler aus dem eigenen Nachwuchs ist noch bis Ende Saison beim FCL unter Vertrag. Kryeziu will sich derzeit zu einem möglichen Transfer nicht äussern. Der gebürtige Küssnachter mit einem Schweizer und einem kosovarischen Pass kann jetzt pokern. Falls St.-Gallen-Trainer Joe Zinnbauer ihn von einem Transfer überzeugen sollte, wäre das eine weitere Schlappe für die teure FCL-Nachwuchsstrategie.

Die besondere Rolle von Puljic

Seit Alain Wiss (25), der seit dieser Saison in St. Gallen unter Vertrag ist, hat sich kein klubeigener Spieler mehr zur Stammkraft in Luzern entwickelt. Mit Ausnahme von Kryeziu, der nach seiner Rückkehr aus dem Leihjahr bei Vaduz, in der Vorrunde 15 Mal in der Startelf stand und auf bestem Weg ist, zu einem Leistungsträger zu reifen.

Bei einem Weggang in der Winterpause könnte der FCL etwa die Hälfte von Kryezius Marktwert, geschätzte 750 000 Franken, als Ablöse kassieren. Geht der Profi im Sommer, ist er gratis und streicht ein sattes Handgeld ein. Es wäre nicht das erste Mal, dass dem FCL dieses Schicksal widerfährt.

Angebote aus der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS) liegen FCL-Captain Tomislav Puljic (32) vor. Der harte Innenverteidiger will sich dazu nicht näher äussern. Er betont aber, dass Luzern für ihn klar erste Priorität hat. «Ich werde nächstens mit Präsident Stäger und Trainer Babbel reden.» Puljics Vertrag in der Swissporarena läuft Ende Saison automatisch ein Jahr weiter. Der Kroate könnte erneut eine besondere Rolle spielen. Kann er die Form konservieren, ist er für den FCL extrem wichtig. Verliert er das Vertrauen wie im Frühjahr 2014, als der damalige Sportchef Alex Frei seine Qualität unterschätzte und nicht mit ihm verlängerte, hat die Abwehr ein Sicherheitsrisiko.

Atalantas doppeltes Interesse

Auch in Italien gibt es einen Klub, dessen Interesse FCL-Spieler geweckt haben. Vertreter von Serie-A-Verein Atalanta Bergamo haben den Weg nach Luzern nicht gescheut, um Remo Freuler (23) zu beobachten. Der Mittelfeldspieler behauptet zwar steif und fest, dass er sich voll und ganz auf seine Aufgabe bei Luzern konzentriert. Doch auch an ihm dürften die heftigen Unruhen der letzten Tage nicht spurlos vorbeigegangen sein. Selbst ein sofortiger Wechsel ist nicht auszuschliessen. Weil Freuler einen Kontrakt bis 2017 besitzt, könnte er für den ersten Millionentransfer seit acht Jahren beim FCL sorgen. Damals hatte Fabian Lustenberger zu Hertha Berlin gewechselt. Freulers Marktwert liegt bei geschätzten 1,8 Millionen Franken.

Doch der italienische Mittelfeldklub Atalanta ist nicht nur an Freuler interessiert, auch Dario Lezcano (25) steht auf den Notizblöcken der Bergamasken. Offenbar haben die Norditaliener einiges finanzielles Potenzial und könnten sich vorstellen, die geforderten 3 Millionen Franken für den Stürmer auszugeben. Lezcano sprach zuletzt immer davon, nach Deutschland oder Spanien wechseln zu wollen. Aber der Paraguayer ist mit der italienischen Sprache bestens vertraut und hatte bei früheren Gelegenheiten erklärt, dass die Serie A und das Land für ihn reizvoll sein würden.

Jantscher zu Landsmann Hütter?

Letzten Sommer hatte Jakob Jantscher (27) den Young Boys eine Absage erteilt. Trotz einem finanziell besseren Angebot wollte er nicht nach Bern wechseln. Inzwischen hat YB mit Adi Hütter einen Trainer aus Österreich. Spekuliert wird, dass YB Jantscher erneut ins Stade de Suisse locken möchte. Die Ablösesumme ist auf 1,7 Millionen Franken fixiert. Da der österreichische Nationalspieler von FCL-Trainer Babbel nicht das volle Vertrauen spürt und fünf Vorrundenspiele zu Beginn auf der Ersatzbank sass, ist ein Wechsel realistisch. Umsomehr Jantscher in der Rückrunde um das EM-Ticket in Marcel Kollers Austria-Team spielt.