FUSSBALL: Der FCL feuert seinen Präsidenten

Trotz Platz 3: Die FCL-Investoren beenden die Zusammenarbeit mit dem geschäftsführenden Präsidenten Ruedi Stäger per sofort. Die Trennung soll finanzielle Gründe haben.

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Ruedi Stäger wurde im Dezember 2013 zum  Nachfolger von Mike Hauser gewählt. (Bild: Philipp Schmidli  / Neue LZ)

Ruedi Stäger wurde im Dezember 2013 zum Nachfolger von Mike Hauser gewählt. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Andreas Ineichen und Daniel Wyrsch

Ein halbes Jahr nachdem er Sportchef Rolf Fringer wegen eines Machtkampfes mit Cheftrainer Markus Babbel aus dem Klub geworfen hat, ist nun auch für den 58-jährigen Ruedi Stäger Schluss beim FC Luzern. Der Präsident muss sein Büro in der Swissporarena räumen.

Diesen Entscheid haben die FCL-Investoren um Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg gefällt. Die Angestellten des Vereins sind seit Donnerstag in Kenntnis gesetzt worden – selbstverständlich unter Einhaltung der Schweigepflicht. Gestern Abend reagierte der Klub auf eine Meldung unseres Online-Portals «luzernerzeitung.ch» und verschickte eine Medienmitteilung: FCL-Verwaltungsratspräsident Philipp Studhalter (40) ist neu Präsident sowohl des Klubs wie auch der FCL Holding AG. Die beiden Ämter werden zusammengelegt. Zudem übernehme ein zu 100 Prozent angestellter CEO die Geschäftsleitung des Vereins. Diese neu geschaffene Stelle werde ausgeschrieben.

Millionen-Löcher gestopft

Doch was ist Ruedi Stäger, der im Dezember 2013 zum Nachfolger von Mike Hauser gewählt wurde, zum Verhängnis geworden? Dem Vernehmen nach ist der frühere Bankangestellte aus dem Berner Seeland über den zusehends in Schieflage geratenen FCL-Haushalt gestolpert. Oder anders ausgedrückt: Die Investoren sind es überdrüssig geworden, jedes Jahr tief in die Tasche greifen zu müssen, um die Verluste kompensieren zu können.

Seit Einzug in die Swissporarena im Sommer 2011 weist der FCL stets einen offiziellen Verlust von knapp 2 Millionen Franken aus. Dabei ist Stäger seinerzeit vor allem deshalb in Amt und Würden gesetzt worden, damit er mit seinen Beziehungen neue Sponsoren und Gönner für den FCL gewinnt. Gekommen ist es offenbar anders. «Finanziell ist alles völlig aus dem Ruder gelaufen», sagt ein seit Jahren dem FCL treu verbundener Insider und ergänzt: «Die Investoren mussten einige namhafte Beiträge sprechen, um das Defizit auf jeweils rund 2 Millionen Franken zu senken.» Der jährliche Verlust soll rund doppelt so hoch gewesen sein.

Image-Problem der Investoren

Das legt den Schluss nahe, dass Stäger seinem Auftrag, dem FCL in finanzieller Hinsicht Gutes zu tun, nicht nachgekommen ist. Sonst hätten die Investoren wohl kaum Grund dazu gehabt, die Reissleine zu ziehen.

Ihre Motivation für die Trennung scheint folgende gewesen zu sein: Sie sind allesamt erfolgreiche, angesehene und über die Region hinaus gut vernetzte Unternehmer, die es sich nicht leisten können, sich mit einem FCL-Ausstieg das eigene Image zu ramponieren. Aber sie wollen sich nicht mehr länger ein so teures Hobby gönnen. Der FCL leistet sich ein ziemlich aufwendiges, weil überdimensioniertes Kader – auf der Lohnliste stehen einige ausgeliehene Spieler –, einen grossen und kostspieligen Trainerstab sowie eine personell ansehnliche «Verwaltung». Die Einnahmen stehen aber tief im Schatten der Aufwände. Das Verpassen des Cupfinals und damit möglicherweise der Gruppenphase der Europa League kostete den FCL mindestens 2,5 Millionen Franken. «Den Cupsieg haben wir verschenkt», klagt der Insider.

Stäger war nicht erreichbar

Ruedi Stäger war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Mann, der eine grosse Nähe zu FCL-Cheftrainer Markus Babbel pflegte, soll sich dieser Tage wegen des Geburtstages eines guten Bekannten in den Bergen aufhalten, sagten verschiedene Quellen übereinstimmend.