FUSSBALL: Der FCL im Umbruch «light»

Der FC Luzern hat die Vorbereitung für die Rückrunde aufgenommen. Wie immer im Januar stehen personelle Veränderungen an. So ist der FCL mit Innenverteidiger Lucas Alves von Le Mont einig.

Daniel Wyrsch und Raphael Gutzwiller
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Die FCL-Spieler beim Trainingsstart am Montag. (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Die FCL-Spieler beim Trainingsstart am Montag. (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Daniel Wyrsch und Raphael Gutzwiller

sport@luzernerzeitung.ch

Der FC Luzern hat gestern nach dreiwöchigem Unterbruch erstmals trainiert. Ein Morgen- und ein Nachmittagstraining standen auf dem Programm. Cheftrainer Markus Babbel leitete mit seinen Assistenten Patrick Rahmen und Michael Silberbauer sowie Konditionstrainer Christian Schmidt die Einheiten. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt waren mit einer Ausnahme nur bekannte Spielergesichter zu erkennen. Lucas Scholl zog sich erstmals den FCL-Trainingsanzug über. Er ist ein deutscher Testspieler aus der U 23 des FC Bayern München (siehe Box).

Nach einer Innenbandverletzung am rechten Knie erstmals wieder im Mannschaftstraining ist der australische Nationalstürmer Tomi Juric (25). Luzern-Sportkoordinator Remo Gaugler (47) sagt zu ihm: «Er braucht jetzt zwei Wochen Zeit, um wieder voll mittrainieren zu können.»

Dafür befindet sich Mittelfeldspieler Nicolas Haas (20) weiter im Reha-Training. Er hatte sich Mitte November in einem Länderspiel mit der U-21-Nationalmannschaft am rechten Sprunggelenk verletzt. Der ­Mauenseer wird auch im Wintercamp von Estepona/Marbella (13. bis 21. Januar) nur individuelle Einheiten machen können.

Ein neuer Mann für die Innenverteidigung

Gemäss Gaugler soll Lucas Alves (24) vom Challenge-League-Klub Le Mont im Verlauf dieses ­Monats zum FCL wechseln. Der brasilianische Innenverteidiger spielte in der Vorsaison unter dem jetzigen Luzern-Co-Trainer Rahmen beim FC Biel. Lucas ­Alves kommt auf total 37 Partien in der zweithöchsten Schweizer Spielklasse (ein Tor). Für Sally Sarr (30) und François Affolter (25) ist der Alves-Neuzugang ein deutliches Zeichen: Die beiden werden es in der Rückrunde noch schwerer als bisher haben, zu Einsätzen zu kommen. Für Gaugler ist allerdings auch klar, dass sich Lucas Alves zuerst an das höhere Niveau der Super League gewöhnen muss. Vor seinem Wechsel in die Schweiz hat er in Brasilien drei Einsätze in der Serie B absolviert. Danach spielte er ein Spiel in der deutschen Oberliga von Baden-Württemberg für Aalen II. «Im Moment sind in der Innenverteidigung für die Rückrunde Ricardo Costa und Tomislav Puljic gesetzt», erklärt FCL-Sportkoordinator Gaugler. Ihm ist aber nicht entgangen, dass der 35-jährige Costa und der 33-jährige Puljic in der zentralen Abwehr nicht zur Verjüngung der Mannschaft beitragen. Vor allem wenn man den Fakt hinzunimmt, dass Christian Schwegler (im Sommer wird er 33) nächste Saison als Rechtsverteidiger von Red Bull Salzburg zurück in die Innerschweiz wechseln könnte. Und auf der linken Abwehrseite feiert Claudio Lustenberger am Freitag seinen 30. Geburtstag.

Bei dieser personellen Situation in der Abwehr kann Gaugler nur feststellen: «Die Verjüngung der Mannschaft ist unser Ziel, aber wir benötigen dazu auch Routiniers und Zeit.» Der Umbruch brauche Geduld, er ist höchstens ein Umbruch «light».

Ob Puljic nächste Saison weiterhin für den FCL spielt, steht in den Sternen. Immer wieder ­machen Gerüchte die Runde, wonach sich der Verein vom vier­fachen Saisontorschützen trennen möchte. Der Kroate hat jedoch eine Option, bei dem sich sein Vertrag nach 20 Ligaspielen automatisch um ein Jahr verlängert. Zwölf Partien hat er bisher bestritten. Im Trainingslager werden weitere Gespräche geführt mit den Spielern.

Abstimmung zwischen Costa/Puljic ausbaufähig

Doch war Puljic in der Vorrunde nicht der stärkere der beiden Innenverteidiger? Costa, der noch einen Vertrag bis Sommer 2018 plus eine Option besitzt, war der weniger präsente Mann der zentralen Abwehr. Gaugler ist nicht dieser Meinung: «Ricardo Costa ist ein spielstarker Innenverteidiger, aber auch mit grossen defensiven Qualitäten. Bei seiner Ankunft in Luzern hat man zu wenig darüber informiert, dass er in seinen vorherigen Mannschaften stets eine wichtige Rolle im ­Kollektiv gespielt hat.»

Probleme erkennt Gaugler bei der Abstimmung zwischen den beiden erfahrenen Defensivspezialisten: «Costa steht gerne höher, Puljic lässt sich gerne ­zurückfallen.» Doch insgesamt ist der FCL-Sportkoordinator überzeugt: «Wir haben das beste ­Innenverteidiger-Duo der Schweiz.» Marek Suchy (28) vom FC Basel sei wohl der kompletteste Individualist.

Die grosse Frage in der Rückrunde wird sein, ob Puljic mit Costa den Draht findet, damit die beiden Routiniers noch besser harmonieren. Die Meinung von Gaugler und von Cheftrainer Babbel ist: «Tomislav Puljic hätte die physischen Voraussetzungen mitgebracht, um eine grosse Karriere zu machen auf seiner Position.» In dieser Äusserung schwingt die Kritik mit, dass der Kroate in ­seiner Karriere zu wenig zielstrebig gewesen sei. «Wir möchten Spieler, die sich immer verbessern wollen», erklärt Gaugler.

Der Abschied von Hyka im Sommer steht wohl fest

Während der zweite Abschied von Puljic (er musste nach der Saison 2013/14 unter Sportchef Alex Frei schon einmal gehen) im Raum steht, so ist die Trennung von Linksaussen Jahmir Hyka (28) nach dieser Spielzeit und nach total sechs Jahren in Luzern wohl bereits beschlossene Sache. Ein Wechsel in der Winterpause zu Antalyaspor in die Türkei ist ebenfalls möglich. João Oliveira (20) dürfte bald an Stelle von Hyka zu mehr Einsatzzeit kommen. Oliveiras Vertrag wurde wie jener von Spielmacher Markus Neumayr (30) kurz vor Weihnachten vorzeitig um zwei Jahre bis Mitte 2019 verlängert.

Gauglers Zielsetzung für die Rückrunde ist die Verteidigung von Platz 4 (Europa-League-Qualifikation) und «schön wäre der Cupsieg. Vor allem unseren tollen Fans würde ich einen Titel sehr gönnen.» Der FCL steht am 1. März im Viertelfinal in Aarau. ­