FUSSBALL: Der FCL-Youngster, der Kommandos gibt

Fidan Aliti (21) ist seit zwei Spielen zurück in Luzerns Super-League-Team. Trainer Markus Babbel schätzt am Innenverteidiger speziell, wie er den Mitspielern hilft.

Daniel Wyrsch
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Der Luzerner Fidan Aliti (links( diskutiert nach einem Elfmeterpfiff gegen den FC Luzern mit Schiedsrichter Adrien Jaccotet, im Fussballspiel zwischen dem FC Zürich und dem FC Luzern am 1. November. (Bild: Keystone)

Der Luzerner Fidan Aliti (links( diskutiert nach einem Elfmeterpfiff gegen den FC Luzern mit Schiedsrichter Adrien Jaccotet, im Fussballspiel zwischen dem FC Zürich und dem FC Luzern am 1. November. (Bild: Keystone)

Der neue Trainer Markus Babbel (42) hat nach einem Monat Arbeit für den FC Luzern zwei Hauptmankos erkannt: zum einen der ungenügende Fitnesszustand vieler Spieler (siehe Box rechts), zum anderen die zu wenig praktizierte Kommunikation innerhalb der Mannschaft auf dem Platz. «Die Spieler müssen einander verbal mehr helfen. Die Zuordnung gegen Thun stimmte deshalb nicht mehr so wie eine Woche zuvor beim Sieg in Zürich», weiss Babbel am Tag nach dem 0:0 zu Hause gegen die Berner Oberländer.

Für den Cheftrainer ist mit Fidan Aliti (21) ausgerechnet einer der jüngsten FCL-Profis ein gutes Bespiel, was lautstarke Unterstützung der Mitspieler bedeutet. «Mir gefällt besonders, wie Fidan trotz seinen jungen Jahren Kommandos gibt.» Es sei schliesslich egal, wie alt einer sei, am Ende gehe es um die Sache. «Es soll auch keiner beleidigt sein, wenn er mal zusammengestaucht wird. Denn gerade die Spieler hinten in der Abwehr sind schnell die Idioten, wenn ihnen ein Fehler unterläuft und es Gegentore gibt.» Darum müssten sie dirigieren und dafür sorgen, dass die Defensive möglichst kompakt agiert.

Ein geborener Leitwolf?

Aliti muss sich nicht wie eher ruhige Luzern-Profis dazu zwingen, Anweisungen zu geben. «Das mache ich von Natur aus. Ich weiss, dass der Job des Innenverteidigers extrem wichtig ist. Auf dieser Position braucht es laute Leute.» Der in Basel aufgewachsene und beim FCB und bei Old Boys ausgebildete Albaner begründet: «Goalie David Zibung sowie François Affolter und ich in der zentralen Abwehr haben von hinten den besten Überblick auf unser Spiel. Wenn nicht wir, wer denn sonst soll die Teamkollegen dirigieren?»

Aliti war in der letzten Rückrunde, noch unter Carlos Bernegger, zu vier Einsätzen über 90 Minuten gekommen. Damals als rechter und linker Aussenverteidiger. Jetzt hat Babbel den Linksfuss in den letzten zwei Ligaspielen je über die volle Spielzeit als Innenverteidiger eingesetzt. Aliti hat seine Chance sowohl im Letzigrund gegen Zürich (3:2) wie vorgestern gegen Thun genutzt, er gehörte in beiden Spielen zu den Besten des FCL. «Ich spüre extrem viel Vertrauen vom Trainer sowie vom gesamten Staff, das macht es aus. Für einen Fussballer ist es enorm wichtig zu spüren, dass die anderen etwas von einem halten», erklärt der seit einem Monat in Luzern lebende Bewohner der neu eröffneten Pilatus-Akademie direkt beim Stadion und der Trainingsanlage. Jetzt, wo er nicht mehr täglich nach Basel pendeln muss, «fühle ich mich wohl, bin fitter, die gewonnene Zeit kann ich zur Regeneration nützen».

Letzter Tabellenplatz stachelt an

Obwohl sich seine Situation in den letzten zehn Tagen mit der Rückkehr von der U 21 in die erste Mannschaft rapid verbessert hat, gibt ihm der letzte Tabellenplatz zu denken. Alitis Ehrgeiz ist angestachelt. «Wir hätten gegen Thun über 90 Minuten wie gegen den FCZ auftreten müssen. Statt zu agieren, haben wir zwischendurch reagiert.» Selbstkritisch sagt er: «Auf diese Weise haben wir es gegen alle Teams in der Super League schwer. Künftig müssen wir das Glück erzwingen. Das war ein typisches 0:0-Spiel, hätten wir mehr für den Sieg getan, wäre Dario Lezcanos Freistoss statt an den Pfosten ins Tor gegangen.»

Aliti ist darauf eingestellt, was in der zweiwöchigen Länderspielpause auf ihn und die Mitspieler zukommt: «Wir müssen uns läuferisch wie konditionell verbessern, damit wir beim nächsten Match in Zürich gegen GC parat sind.»

Babbel freut sich zu sehen, «wie der Junge unbedingt will. Fidan hat sich festgebissen.» Trotzdem rät er Aliti, «hartnäckig dranzubleiben. Er darf nicht meinen, dass er es geschafft hat.» Mit dem derzeit verletzten Kaja Rogulj (28) und Andrès Lamas (30) hat der Nachwuchsmann erfahrene Konkurrenten.

Babbel sorgt für «intensive Tage»

Markus Babbel will es nicht als Kritik an seinem Vorgänger Carlos Bernegger verstanden wissen. «Für das Spiel zuvor mag die Kondition der Profis ausreichend gewesen sein. Ich bevorzuge ein anderes, laufintensiveres Spiel.» Babbel stellt fest, dass sein Team bereits Fortschritte erzielt hat: «Gegen Vaduz waren wir nach 60 Minuten platt, gegen Aarau nach 70 Minuten, gegen Thun sind wir schon mal bei 80 Minuten angekommen.»

Einfache Formel des Erfolgs

Die Länderspielpause bis zum nächsten Match am Samstag, 22. November, bei GC wolle er mit «sehr intensiven Trainingstagen nützen. Es wird wehtun, aber danach können die Spieler vermehrt dorthin gehen, wo es im Spiel wehtut, wo man Tore erzielt und Resultate holt.» Babbel sagt, er sei guten Mutes, dass sie relativ bald über die vollen 90 Minuten den Rhythmus hochhalten können. «Weil es eben wichtig ist. Heutzutage können alle Mannschaften zumindest laufen.» Ein Testspiel ist nicht geplant. «Auch ohne Test kommen alle auf ihre Kosten», meint der erkältete Babbel.

Marco Schneuwly steht gegen Thun nicht in der Startformation. (Bild: Philipp Schmidli)
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Luzerns Dario Lezcano im Zweikampf gegen Thuns Torwart Guillaume Faivre. (Bild: Philipp Schmidli)
Jahmir Hyka kämpft gegen Ex-FCL Spieler Nelson Ferreira (links) und Thomas Reinmann um den Ball. (Bild: Philipp Schmidli)
Remo Freuler wird von Thun-Verteidiger Thomas Reinmann gefoult. (Bild: Philipp Schmidli)
Thun-Captain Dennis Hediger wirft sich in den Schuss von Thierry Doubai. (Bild: Philipp Schmidli)
Dario Lezcano trauert einer vergebenen Torchance nach. (Bild: Philipp Schmidli)
Sally Sarr schraubt sich hoch zum Kopfball. (Bild: Philipp Schmidli)
Marco Schneuwly bereitet sich auf seinen Einsatz vor. (Bild: Philipp Schmidli)
Bryan Rabello im Zweikampf mit Enrico Schirinzi. (Bild: Philipp Schmidli)
Jahmir Hyka und Stefan Glarner kämpfen um den Ball. (Bild: Philipp Schmidli)
Thun-Captain Dennis Hediger versucht Bryan Rabello vom Ball zu trennen. (Bild: Philipp Schmidli)
Das Tor von Marco Schneuwly wird wegen einer Abseitsposition aberkannt. (Bild: Philipp Schmidli)
Schiedsrichter Sascha Amhof gibt das Tor von Marco Schneuwly nicht. (Bild: Philipp Schmidli)
Dario Lezcano im harten Zweikampf mit Fulvio Sulmoni. (Bild: URS FLUEELER)
Oliver Bozanic wird von Christian Schneuwly bedrängt. (Bild: URS FLUEELER)
Enrico Schirinzi deckt den Ballgegen Oliver Bozanic ab. (Bild: URS FLUEELER)
Für Dario Lezcano gibt es kein Vorbeikommen an Nelson Ferreira. (Bild: URS FLUEELER)

Marco Schneuwly steht gegen Thun nicht in der Startformation. (Bild: Philipp Schmidli)