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FUSSBALL: Der lächelnde Jong und seine Geheimnisse

Il-Gwan Jong (24) aus Nordkorea ist seit einem Monat beim FC Luzern. Ein Muskelfaserriss macht dem Stürmer zu schaffen. Aber auch die Integration braucht Zeit, vor allem weil Jong kein Deutsch und nur ein paar Brocken Englisch spricht.
Daniel Wyrsch
Hatte noch kaum Einsatzminuten: Il-Gwan Jong (rechts) zusammen mit Teamkollege Ruben Vargas. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 20. Juli 2017))

Hatte noch kaum Einsatzminuten: Il-Gwan Jong (rechts) zusammen mit Teamkollege Ruben Vargas. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 20. Juli 2017))

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Il-Gwan Jong ist seit dem 2. Juli beim FC Luzern. Nach der Ankunft zeigte er sich irritiert, weil für ihn keine Fussballschuhe in der Kabine am Platz waren. Denn in der nordkoreanischen Nationalmannschaft hat er sich nicht um sein Schuhwerk zu kümmern.

Das muss der 24-Jährige auch hier nicht. Doch anders als in der Auswahl seines Heimatlandes nehmen die Profis in Europa ihre eigenen Treter nach einem Klubwechsel zur nächsten Karrierestation mit. So bekam Jong in Luzern neue Fussballschuhe vom FCL-Ausrüster Adidas. Doch er spielt zu Hause in der Hauptstadt Pjongjang mit Puma. Da der Asiate schüchtern ist und im diktatorisch geführten Staat sich wohl kaum einer aus dem Volk zu reklamieren getraut, wurde dessen Markenvorliebe erst später bekannt. Wie es dazu gekommen ist an späterer Stelle.

Jong hat in den bisherigen drei Pflichtspielen wenig gespielt. Nur 13 Minuten stand er im Einsatz – im Rückspiel der Europa-League-Qualifikation gegen Osijek (2:1-Sieg) wurde er eingewechselt. Beim Ligastart gegen Lugano (1:0-Sieg) sass er auf der Tribüne. Auch morgen Sonntag (16.00, SRF zwei) in Basel wird er kaum zu Spielzeit kommen.

Jong macht ein Muskelfaserriss zu schaffen, den er im Nationalteam erlitt. Zehn Wochen hatte er pausieren müssen, bevor er in die Schweiz wechselte. FCL-Trainer Markus Babbel glaubt, dass der Neuling weitere 14 Tage Vorbereitung braucht, bis er fit ist. «Wir forcieren ihn nicht allzu sehr, sondern sind eher vorsichtig wegen der Verletzung.»

Stephan Glaser, der Ex-Präsident von Concordia Basel, sowie Karl Messerli machten den Transfer von Jong mit ihrer Firma F.O.K. AG (Friends of Korea) möglich. Doch zwei frühere Teamkollegen des Hamburger SV initiierten den Wechsel. Nämlich der frühere FCL-Coach und heutige nordkoreanische Nationaltrainer Jörn Andersen sowie Markus Babbel. «Jörn Andersen hat mir Il-Gwan Jong für den FC Luzern empfohlen», erzählt Babbel.

14 Tage stand der Nordkoreaner im Frühling im Testtraining in Luzern. «Er war topfit, hinterliess einen guten Eindruck. Die Muskelverletzung erlitt er danach in Nordkorea», erklärt Babbel.

Unterstützung von einem Botschaftsmitarbeiter

Andersen erfüllt im abgeriegelten Land «eine heikle Mission», wie die NZZ in der Ausgabe vom 14. Juni schreibt. Denn er arbeitet für einen Staat, in dem Willkür statt Menschenrechte gelten. Diktator Kim Jong Un hält mit seinen Atomwaffen- und Raketenprogrammen die Welt permanent in Atem. Andersen wischt moralische Bedenken beiseite: «Ich fühle mich hier gut und mache nicht viel mehr, als an Fussball zu denken.» Ähnlich antwortet Babbel, wenn er darauf angesprochen wird, einen Spieler aus einem politisch höchst umstrittenen System verpflichtet zu haben. «Mir geht es um den Sportler, egal, welcher Herkunft, Nationalität oder Hautfarbe er ist. Entscheidend ist die Leistung und ob er zu uns passt.» Babbel verneint, dass man ein Regime mit Devisen unterstützt habe. «Davon kann keine Rede sein, Jong kam ablösefrei zu uns.»

Spielten einst dank der Beziehungen von Glaser und Messerli mehr als ein halbes Dutzend Nordkoreaner in der Schweiz (bei Concordia, Wil, Brühl und Zürich), sind heute nur noch Jong und der Ex-Basler Kwan Ryong Pak (24, Lausanne) im Land. Jong ruft aus seiner Hochhauswohnung auf der Allmend oft Pak an.

Dem FCL hilft ein Mitarbeiter der nordkoreanischen Botschaft beim Übersetzen, da Jong nicht Deutsch und nur sehr wenig Englisch versteht. «Ob es einen staatlichen Aufpasser gibt, der Jong beschattet, wissen wir nicht», sagt CEO Marcel Kälin.

Jong pflegt Kontakt mit drei Südkoreanern, die in der Innerschweiz leben und ihre Hilfe anboten. Ihnen gibt er hin und wieder eines seiner Geheimnisse preis. Zum Beispiel, dass er lieber mit Puma gekickt hätte – und nun die Schuhe doch nicht wechselt.

Babbel lobt Jong als offenen und lernwilligen Spieler. «Ich sehe ihn immer lächeln, weiss aber trotzdem nicht wirklich, wie es ihm geht.» FCL-Profi Cedric Itten (20) findet Jong einen «etwas schüchternen, aber umgänglichen Mitspieler». Er wünscht, «dass er den Unterricht nutzt, bald Englisch spricht, weil Zeichensprache umständlich ist».

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