FUSSBALL: Der Lohn für Luzerns lange Laufwege

Wenn sie selbst in der Fussball-Hauptstadt Basel vom Auftritt des FCL schwärmen, ist das aussergewöhnlich. Doch Trainer und Team bleiben auf dem Boden.

Daniel Wyrsch
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FCL-Mittelfeldspieler Remo Freuler machte in Basel einen hervorragenden Job, er sagt: «Ich bin körperlich noch nie so in Form gewesen.» (Bild Martin Meienberger)

FCL-Mittelfeldspieler Remo Freuler machte in Basel einen hervorragenden Job, er sagt: «Ich bin körperlich noch nie so in Form gewesen.» (Bild Martin Meienberger)

Daniel Wyrsch

Gestern Vormittag kurz vor 11 Uhr: Die Profis des FC Luzern verlassen in Dreiergruppen die Sporthalle, gehen die wenigen Schritte hinüber zur Swissporarena in die Kabine. Remo Freuler (23) erzählt, dass sie gerade in der Kältekammer gewesen sind. Drei Minuten lang bei minus 110 Grad. Freuler: «Unseren grossen läuferischen Aufwand, den wir in Basel betrieben, spüre ich schon etwas. Die Kältekammer hilft, dass wir uns schneller regenerieren.» Schliesslich steht bereits vier Tage nach dem 2:1-Triumph von Basel das nächste Spiel auf dem Programm, am Donnerstag (19.45) zu Hause gegen St. Gallen.

Es ist kein Zufall, dass beim FCL so viel Wert auf die körperliche Verfassung gelegt wird. Seit Markus Babbel vor einem halben Jahr die Mannschaft übernommen hat, hat er auf eine klare Verbesserung der Physis gesetzt. Statt nur 60 Minuten, wie bei seinem Amtsantritt, haben alle Profis ihr läuferisches und kämpferisches Leistungsvermögen über die vollen 90 Minuten aufbauen müssen.

Das athletische Defizit konnte erst im Trainingslager in Marbella im Januar ganz behoben werden. Die Konditionstrainer Christian Schmidt und Norbert Fischer leisteten ganze Arbeit. Freuler ist überzeugt, dass sich die Plackerei während der Vorbereitung gelohnt hat: «Ich bin körperlich noch nie so in Form gewesen», sagt der technisch versierte Mittelfeldspieler.

Beeindruckter Paulo Sousa

Das physische Plus gegenüber den Gegnern hat sich in den letzten beiden Spielen gegen GC (2:0-Heimsieg) und dem erwähnten Coup beim Serienmeister Basel in aller Deutlichkeit gezeigt. Nicht selten attackierten drei FCL-Spieler den ballführenden Gegner. FCB-Trainer Paulo Sousa war sichtlich beeindruckt: «Sie betrieben einen immensen Aufwand, der mit dem verdienten Sieg belohnt wurde.» Die «Basler Zeitung» lobte in den höchsten Tönen: «Markus Babbel schaffte es, mit seiner Mannschaft den FCB von Beginn an in Bedrängnis zu bringen. Auch ohne die Stamm-Innenverteidigung klappte das Luzerner System tadellos. Das lag einerseits am effektiven Pressing und den weiten Laufwegen, die die Gäste in Kauf nahmen, andererseits am Mut, spielerisch und in den Zweikämpfen dagegenzuhalten.» BaZ-Sportchef Marcel Rohr schwärmte: «Vor allem im Zentrum des Mittelfelds hielten Remo Freuler, Oliver Bozanic und Nicolas Haas den Gegner erstaunlich gut und phasenweise gar brillant in Schach.» So viel Lob hat es für Luzerner in der Fussball-Hauptstadt Basel selten gegeben.

Diese defensive Kompaktheit schlägt sich auch in der Tabelle nieder: Der FCL ist nach 11 Runden der Rückrunde die Mannschaft mit den wenigsten Gegentreffern (10). Und mit 18 Punkten ist der FC Luzern derzeit hinter Basel und YB das drittbeste Team des Jahres 2015 (siehe Rückrunden-Tabelle).

Thiesson mit viel Selbstvertrauen

Gegen den in der ersten halben Stunde überrumpelten FC Basel legte der FCL eine offensive Frechheit an den Tag, wie es niemand erwartet hatte: Da rannte Verteidiger Jérôme Thiesson nach dem Anspiel an der Aussenlinie nach vorne, schnappte FCB-Verteidiger Behrang Safari den Ball weg, um mit einer Flanke Dario Lezcanos 1:0 vorzubereiten. Babbel erklärt, er habe Thiesson gesagt, 70 Meter vor dem eigenen Tor dürfe er ruhig etwas riskieren. Dort sei es weniger gravierend, einen Zweikampf zu verlieren, als im eigenen Strafraum. Für Markus Babbel ist klar: «Diese mutige Einstellung musste zuerst in die Köpfe der Spieler rein, mit den Erfolgserlebnissen wächst nun das Selbstvertrauen.»

Trotz aller Freude hält Babbel seine Schützlinge am Boden, er stellt fest: «Diese Woche haben wir gegen St. Gallen und in Aarau die Chance, alles klarzumachen, um die Klasse zu halten.»