FUSSBALL: Der Meister hat grossen Respekt

Der FC Basel hat unter Urs Fischer einen blendenden Saisonstart hingelegt. Fischer erwartet heute in Luzern (20.00) aber einen «schwierigen Gegner mit viel Selbstvertrauen».

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Ohne abzuheben in Basel «angekommen»: FCB-Trainer Urs Fischer. (Bild: Dominic Steinmann)

Ohne abzuheben in Basel «angekommen»: FCB-Trainer Urs Fischer. (Bild: Dominic Steinmann)

Claudio Zanini, Basel

Urs Fischer erscheint in kurzen Hosen und Traineroberteil, begrüsst sämtliche anwesenden Journalisten mit festem Händedruck und nimmt Platz im Mediencenter des FC Basel. Und während er die Lesebrille beiseite legt und vom Podium hinabschaut, erweckt Fischer den Eindruck, längstens auf der grössten Bühne des Schweizer Fussballs angekommen zu sein.

Eingelebt habe er sich in Basel bestens, die Koordinaten seines neuen Wohnorts will er aber nicht gleich verraten. «Ich wohne ein wenig ausserhalb der Stadt. Aber nicht in Richtung Zürich, falls das ihre nächste Frage gewesen wäre», sagt der Zürcher trocken. Die Gelassenheit nach einem nahezu perfekten Saisonstart steht dem 49-Jährigen ins Gesicht geschrieben. Fünf Pflichtspiele, fünf Siege. Und für die Qualifikation zur Champions League steht mit Maccabi Tel Aviv eine machbare Hürde bevor (siehe Auslosung Seite 30). «Von den Resultaten her bin ich ein wenig überrascht, wie rund es bisher lief. Aber wir sind selbstkritisch genug. Ich habe nach dem Spiel gegen Posen in der Kabine gleich gemerkt, dass die Mannschaft mit dem Auftritt nicht zufrieden war.» Es klingt wie eine Drohung an die nationale Konkurrenz. Der FC Basel hat unter seinem neuen Trainer Fahrt aufgenommen, verfällt deswegen aber nicht in Jubel-Arien.

«Wie heisst das Boot ohne Motor?»

Noch bei Fischers Präsentation Mitte Juni war nicht absehbar, dass er die Sympathien im Umfeld des erfolgsverwöhnten Klubs derart rasant gewinnt. Eine unzimperliche Gruppe von Fans machte dem Zürcher gleich am ersten Tag per Banner verständlich, dass er nie einer von ihnen sein werde. Fischer ist und bleibt halt das «FCZ-Urgestein» auch wenn diese Wendung zusehends aus den Artikeln verschwindet.

Die Skepsis in der Anhängerschaft des FCB scheint sich gelegt zu haben, die bodenständige Art des neuen Trainers kommt nach dem Kurzauftritt des unnahbaren Portugiesen Paulo Sousa gut an. «Als wir am Donnerstag mit dem Staff einen Ausflug durch die Stadt gemacht haben und auf der Kleinbasler Seite des Rheins etwas tranken, erlebte ich die Reaktionen der Menschen als sehr positiv. Nur positiv.» Halb im Ernst fügt er hinzu: «Wir sind mit dem Boot..., mit dem Boot ohne Motor über den Rhein. Wie heisst das bei euch schon wieder?» «Mit der Fähri», hilft ihm FCB-Medienchefin Andrea Roth sogleich auf die Sprünge. Die Lacher hat Fischer auf seiner Seite.

Champions League muss warten

Trotz aufgeräumter Stimmung: Fischer nimmt die anstehende Aufgabe in der Swissporarena nicht auf die leichte Schulter. Das zeigt sich daran, dass er sich noch nicht zu stark mit Maccabi Tel Aviv auseinandersetzen will Champions League hin oder her. «Zuerst gilt die Konzentration Luzern, dann Thun und dann dem Cup-Spiel gegen Meyrin.» Vor den Luzernern hat Fischer grossen Respekt. Nicht zuletzt deshalb, weil der FCL beim letzten Aufeinandertreffen mit den Baslern Ende April einen 2:1-Sieg mit nach Hause nahm. «Die Luzerner starteten wesentlich besser in die Saison als im letzten Jahr. Ihr Selbstvertrauen ist dementsprechend gross, vor allem in der Offensive. Daher wird es ein schwieriges Spiel für uns.»

Was die FCB-Aufstellung angeht, lässt sich Fischer nicht in die Karten blicken. Gibt es Änderungen im Vergleich zum Posen-Spiel? Fischer blockt mit einem Schmunzeln ab: «Es kann sein. Muss aber nicht.» Ausser den Verletzten Kakitani, Simic, Ivanov und dem holländischen Neuzugang Jean-Paul Boëtius stehen ihm sämtliche Spieler zur Verfügung. Klar ist: Fischer hat Alternativen zuhauf. Auch daran wird er sich wohl rasch gewöhnt haben.