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FUSSBALL: Der Schleifer und die späten Tore

Der FC Luzern hat in den letzten drei Spielen gegen Lugano, YB und Lausanne mit Last-Minute-Toren zwei Siege und ein Remis errungen. Dazu braucht es nicht nur Glück: Siegeshunger und Ausdauer haben viel mehr Einfluss.
Daniel Wyrsch
Wird teamintern «der Schleifer» genannt: Konditionstrainer Christian Schmidt (Mitte). Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Bern, 10. September 2016)

Wird teamintern «der Schleifer» genannt: Konditionstrainer Christian Schmidt (Mitte). Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Bern, 10. September 2016)

Markus Babbel war am Sonntagabend nach dem 2:1-Heimsieg gegen Lugano ein sehr zufriedener Trainer. Er lobte das phänomenale Publikum sowie die Mannschaft – und hob seine eingewechselten Spieler Tomislav Puljic, Filip Ugrinic und Francisco Rodriguez speziell hervor. «In einer derart umkämpften Partie braucht man nicht 11, sondern 14 Spieler», erklärte er. «Ob Tomi, ob Filip oder auch der spät eingewechselte Francisco: Alle waren mitbeteiligt, als wir den Siegtreffer erzielten.»

Babbel freute sich, dass alle an den Sieg geglaubt hatten. Das ist für den FC Luzern alles andere als selbstverständlich. Die Mannschaft hat in puncto Mentalität in den letzten Monaten grosse Fortschritte erzielt. Dass der FCL wie vor drei Wochen in Lausanne aus einem 0:2-Rückstand in der Schussviertelstunde einen 3:2-Sieg macht, ist seit mehreren Jahren nicht mehr vorgekommen.

Im nachfolgenden Heimspiel gegen die Young Boys gelang Goalgetter Marco Schneuwly in der Nachspielzeit (92.) der spektakuläre Kopfballtreffer zum 2:2-Endstand. Dieses Last-­Minute-Tor wiederholte sich vorgestern in noch extremerer Form gegen Lugano: Der eingewechselte Verteidiger Puljic drückte den Ball in der 95. Minute mit der letzten Aktion zum 2:1-Sieg über die Torlinie.

Erfolgserlebnisse, die den Glauben an Siege stärken

Babbel weiss natürlich, dass solche Angriffsfeuerwerke zum Schluss der Spiele nicht immer den erhofften Erfolg bringen. Am Sonntag fand er: «Selbst wenn es glücklich zu Stande kam, war dieses Erfolgserlebnis doch sehr emotional für uns.» Damit will der Bayer sagen, dass dahinter längst nicht nur glückliche Fügung, sondern ein immer mehr zur Geltung kommender unbedingter Siegeswille steckt.

Damit diese Mentalität in einem Team vorherrscht, müssen alle am gleichen Strang ziehen. Babbels interne Spielsperren gegen Puljic, Rodriguez, Hekuran Kryeziu und Jahmir Hyka haben gewirkt. Alle vier überzeugen derzeit und agieren entschlossen.

Schmidt ist nicht der Liebling der Spieler

Doch um enge Partien am Ende zu entscheiden, braucht es nicht nur einen enormen Willen und das berühmte Quäntchen Glück. Beides nützt herzlich wenig, wenn die Spieler ausser Atem und übersäuert sind. Nur topfitte Mannschaften schiessen auf diesem Niveau wertvolle späte Tore wie Luzern gegen Lausanne, YB und Lugano. Dafür hat ein Mann seinen Beitrag geleistet, der in der Beliebtheitswertung der Profis nicht unbedingt einen Spitzenplatz einnimmt, nämlich der in Korsika aufgewachsene Franzose Christian Schmidt (45). Er wird auch «der Schleifer» genannt.

Babbel, der wie Schmidt von Ex-Sportchef Alex Frei zum FCL geholt worden war, vertraut seit seiner Ankunft in der Swissporarena voll und ganz dem Konditionstrainer. Der Chefcoach hält viel von Schmidt – und die körperliche Verfassung der Profis hat für Babbel stets einen hohen Stellenwert. Bei den Spielern hat die positive Einstellung zu der professionell umgesetzten Verbesserung der Kraft- und Ausdauerwerte weiterhin Wachstumspotenzial. Den Eindruck bestätigt Babbel: «Ich hoffe, die Jungs verstehen jetzt, warum wir der physischen Arbeit im Training so viel Gewicht geben.»

Babbel wird nicht «lockerlassen»

Zufrieden macht den Teamverantwortlichen, dass er nach den letzten Erfolgen feststellen kann: «Das ist kein Zufall mehr, unsere Leute marschieren bis zum Schluss. Den inneren Schweinehund können wir jetzt wesentlich leichter überwinden als früher.»

Doch Babbel will sich mit der Mannschaft nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Ganz im Gegenteil. Einer Drohung gleich verspricht er: «Wir werden da nicht lockerlassen, darauf müssen sich die Jungs einstellen!»

Daniel Wyrsch

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