FUSSBALL: Der umstrittenste FCL-Spieler

Dario Lezcano (24) ist bei einem Teil des Luzerner Publikums trotz dem 2:0 über Vaduz der Buhmann. Im Sommer will er den FCL verlassen. Doch Luzern will viel Geld.

Daniel Wyrsch
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FCL-Stürmer Dario Lezcano (links) am 7. März im Kopfballduell mit dem Grasshopper Caio. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

FCL-Stürmer Dario Lezcano (links) am 7. März im Kopfballduell mit dem Grasshopper Caio. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Daniel Wyrsch

Dario Lezcano müht sich gestern im Training des FC Luzern ab. Bei einer schnellen Torabschlussübung verzweifelt der Stürmer fast. Immer wieder zischen seine Schüsse knapp an Pfosten und Latte vorbei. Der Stürmer ist unzufrieden mit sich. Mehrmals flucht er über die vergebenen Chancen, zum Beispiel mit einem derben, nicht druckreifen italienischen Schimpfwort.

Dem 24-jährigen Lezcano klebt das Pech an den Sohlen. Doch anders als am letzten Samstag, als er zuerst mittels Elfmeter an Vaduz-Goalie Peter Jehle scheiterte und anschliessend den Kopf hängen liess, gibt er im Training nicht auf. Für das Luzerner Publikum gäbe es keinen Grund mehr, den Profi auszupfeifen, FCL-Trainer Markus Babbel hatte sich nach dem 2:0 gewonnenen Match gegen die Liechtensteiner über einen Teil der Fans geärgert: «Im Abstiegskampf müssen wir geeint sein, dazu gehören auch unsere Zuschauer.»

Das Lob von Fringer

Der gleichen Meinung ist Sportchef Rolf Fringer, der Lezcano vehement verteidigt. «Er hat fünf Mal sehr gut gespielt, war einer unserer wichtigsten Spieler. Nur in einem Match war er nicht gut, hat einen Penalty nicht verwertet, das hat etwas zu seinem Spiel gepasst. Allerdings haben auch schon andere Elfmeter vergeben.» Und: «Auch dank Dario haben wir ein positives Torverhältnis – nicht wie in der Vorrunde. Er monopolisiert den Ball, bindet zwei bis drei Gegenspieler an sich und setzt den Körper gut ein. Die Gegner haben spürbar grossen Respekt vor ihm. Ausserdem hat er gegen Aarau und Sion ein wichtiges Tor erzielt.»

Von einer Sonderbehandlung des Paraguayers, der mit 1,2 Millionen Franken der teuerste Zuzug des FCL überhaupt ist, will Fringer nichts wissen. Erhält Lezcano im Sturm viel mehr Einsatzzeit als seine Konkurrenten Cristian Ianu und Ridge Mobulu, weil man ihn im Sommer ein Jahr vor Vertragsende teuer verkaufen will? Fringer geht darauf nicht ein, sagt nur: «Wenn er sich verbessern kann, dann legen wir ihm keine Steine in den Weg. Aber es muss für beide Seiten stimmen. Lezcano ist ein wichtiger Mann für uns, den wir nicht einfach so weggeben.» Mit anderen Worten: Der Preis muss stimmen.

Schliesslich konnte der Transfer Lezcanos aus Thun Anfang Februar 2012, unter dem damaligen Trainer Murat Yakin und dem damaligen Präsidenten Walter Stierli, nur dank den Investoren finanziert werden. Die wollen mindestens ihre 1,2 Millionen Franken zurück. Dabei hätte der FCL schon ein halbes Jahr nach der Verpflichtung Lezcanos viel Geld machen können. Der russische Verein FK Krasnodar bot im August 2012 sage und schreibe «fünf Millionen Schweizer Franken», wie Lezcanos Berater Giacomo Petralito (66) unserer Zeitung erklärt.

Noch immer ist Petralito über die FCL-Verantwortlichen dieser Zeit sauer. «Dass dieser Wechsel nicht zu Stande kam, hat Luzerns Ex-Führung verschuldet.» In der Verantwortung standen damals Präsident Mike Hauser und Sportchef Heinz Hermann. Rekordnationalspieler Hermann begründete damals im «Tages-Anzeiger»: «Wir wollten Lezcano aus sportlichen wie auch aus menschlichen Gründen nicht abgeben. Auch finanziell hatten wir andere Vorstellungen.» Aus heutiger Sicht und mit dem Wissen, dass der FCL seit dem Verkauf von Fabian Lustenberger im Jahr 2007 nie mehr eine siebenstellige Ablöse eingenommen hat, eine völlig unverständliche Geschäftstaktik.

Berater gegen Rückkehr in Heimat

In der letzten Winterpause wurde bekannt, dass Olimpia Asuncion Interesse an Lezcano hat. Doch der paraguayische Hauptstadtverein brachte die geforderte Ablösesumme nicht auf. Lezcano sagt, seine Frau würde gerne nach Hause zurückkehren. Doch Berater Petralito winkt zu einer allfälligen Heimkehr ab: «Ein Nigerianer kehrt sicher auch nicht nach Nigeria zurück. Vielleicht später mal.»

Auf die Frage, ob er denn Angebote für Lezcano habe, antwortet Petralito: «Dario hat noch einen Vertrag bis 2016, unter Fringers Führung ist es ihm wohl, weil sich dieser um ihn bemüht.» Ein konkretes Angebot gebe es nicht, «aber Interesse von verschiedenen Vereinen besteht». Es sollen europäische Klubs aus Spanien, Italien, Deutschland sein.

Fringer ist in der Gegenwart: «Wichtig ist, dass Dario die Lehren aus dem Vaduz-Match zieht. Ich bin überzeugt, dass er sich im nächsten Spiel gegen Basel für den FCL wieder zerreisst.»

Wiss-Entwarnung, Zibung-Rätsel

dw. Alain Wiss war gestern Vormittag der Abwesende im FCL-Training. Ist der 24-jährige Ur-Luzerner nach nur zwei Spielen zurück in der Startelf bereits wieder verletzt? Luzerns Medienchef Max Fischer konnte am Nachmittag Entwarnung geben: «Alain Wiss hat mir erklärt, dass er sich am Dienstag die Bänder eines Fusses überdehnt hat. Doch nach einem Tag Pause sollte er am Donnerstag wieder mit der Mannschaft trainieren können.» Wiss gehörte auf der Sechserposition vor der Abwehr am letzten Samstag beim 2:0-Heimsieg über Vaduz zu den besten Luzernern.

Gegen Basel ohne Zibung?

Weniger klar ist die Genesungssituation bei Torhüter David Zibung (31), der gegen die Liechtensteiner ein echter Rückhalt war. Ob der Stammgoalie, der in seiner zehnten Saison beim FCL steht, am Samstag (17.45) im Heimspiel gegen Basel antreten kann, ist nicht sicher. Denn Zibung kann zwar normal laufen und spielen, aber bei weiten Auskicks schmerzt ihn der Oberschenkel. Die rätselhaften Schmerzen werden untersucht, heute erwartet man eine medizinische Diagnose.