FUSSBALL: «Die Erwartungshaltung ist übertrieben»

Nach fünf Niederlagen in Serie will der FC Luzern heute ausgerechnet in Sion (13.45 Uhr) wieder zum Siegen zurückfinden. Dort konnte der FCL seit fünf Jahren nicht mehr gewinnen – genau darum wittert Trainer Markus Babbel die Chance.

Raphael Gutzwiller
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Plädiert für mehr Realismus: Markus Babbel. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 17. Mai 2017))

Plädiert für mehr Realismus: Markus Babbel. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 17. Mai 2017))

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

Wenn man so tief in der Krise steckt wie der FC Luzern im Moment, dann muss man sich an die kleinen Dinge klammern. Das weiss auch Markus Babbel, der sich vor der heutigen Partie gegen Sion optimistisch äussert: «Es war in den letzten Trainings wieder eine bessere Stimmung im Team.» Er habe eine Reaktion auf die harte Niederlage gegen Lausanne (0:3) gespürt. «Unsere jungen Spieler stellen sich der schwierigen Situation.»

So leblos wie der FCL am Mittwoch gegen Lausanne auftrat, so fängt man gegen Cupfinalist Sion eine Klatsche ein. Davor hat Babbel aber keine Angst. Er sagt: «Wir müssen einfach wieder die kleinen Details besser machen und wieder geschlossen als Einheit auftreten.»

Hat Babbel sein Pulver verschossen?

Markus Babbel höchstpersönlich war es, der nach dem Spiel gegen den FC Thun (1:3), der dritten Niederlage in Folge, mit harten Aussagen in der Öffentlichkeit die Krise zugespitzt hatte. So sagte Babbel gegenüber unserer Zeitung unter anderem: «Schon seit dem ersten Tag der Vorbereitung für die Rückrunde präsentiert sich die Mannschaft mental tot.»

Später erklärte er, er habe die Mannschaft mit diesen harten Aussagen aufrütteln wollen. Doch damit hatte er keinen Erfolg: Sowohl in Bern bei den Young Boys (1:4) als auch gegen Lausanne (0:3) verlor der FCL deutlich. Unweigerlich musste sich Babbel die Frage gefallen lassen, ob er nun sein Pulver verschossen habe. Er sagt: «Ich hatte damals das Gefühl, etwas Aussergewöhnliches machen zu müssen. Lange genug habe ich es davor anders probiert. Und ich war mir bewusst, dass das auch schiefgehen kann. Nach der Niederlage in Bern und gegen Lausanne heisst es für mich: zurück zu den Basics.» Die Ansprachen seien nun wieder in einem ähnlichen Stil wie zuvor. Wichtig sei es, dank kleinen Details wieder Erfolgserlebnisse zu feiern.

Noch vor wenigen Wochen hatte der FCL davon gesprochen, dass man die Saison als Tabellendritter abschliessen möchte. Dieser Rang berechtigt zur direkten Qualifikation für die Europa League. Nun droht sogar der Fall aus den Top fünf und damit das Verpassen der Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League. Kein Problem für Markus Babbel: «Hören Sie mir auf mit Europa!» Um gleich nachzudoppeln: «Es tun alle hier so, als wäre Luzern dreifacher Europapokalsieger. Die Erwartungshaltung ist einfach übertrieben.» Es sei normal, dass der FCL irgendwo zwischen den Rängen 4 und 7 platziert sei – mehr sei nur dann möglich, wenn die Topteams Basel, Young Boys und Sion schwächelten und gleichzeitig beim FCL alles rund laufe. Babbel hebt auch einen Aspekt hervor: «Wir waren ausser den drei Topteams die einzige Mannschaft, die nie im Abstiegskampf war.» Dass es in einer Saison auch eine schwächere Phase geben könne, sei nicht ungewöhnlich. Gut sei, dass man sie erst so spät habe und so nie in den Abstiegskampf geraten sei. «Aber natürlich ist es schade, dass uns der Strom auszugehen scheint.»

Sions Fokus gilt dem Schweizer Cupfinal

Für den FC Sion ist das Spiel gegen den FC Luzern ein wichtiges Spiel im Kampf um den dritten Rang. Der Fokus gilt bei den Wallisern aber dem Cupfinal. Am Donnerstag steigt das Spiel in Genf gegen Basel. Im 14. Cupfinal will der FC Sion den 14. Sieg. Wer Präsident Christian Constantin kennt, weiss, dass sein Team aber auch gegen den FCL drei Punkte holen möchte. Es wäre die ideale Hauptprobe für Sion. Zusätzliche Motivation für die Walliser soll von der Tribüne kommen: Mit der Aktion «Plein Stade» können Besitzer einer Saisonkarte eine zusätzliche Person gratis ins Stadion mitnehmen.

Auch die Statistik spricht gegen den FCL: Seit fast genau fünf Jahren, dem 23. Mai 2012, hat der FCL in Sion nicht mehr gewinnen können. Für Babbel soll gerade dies die grosse Chance sein: «In Sion rechnet gar niemand mit einem Sieg für uns – darum wäre er umso schöner.»