FUSSBALL: Die FCL-Problematik mit Fandrich

Der FC Luzern kommt derzeit nur mühsam vom Fleck. Aus den letzten drei Spielen resultierten bloss zwei Punkte. Die Baisse ist auch hausgemacht.

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Aufbauer Clemens Fandrich (hier muss er im Zweikampf mit St. Gallens Everton Luiz unten durch) ist bis heute keine Verstärkung für den FCL. (Bild: Philipp Schmidli)

Aufbauer Clemens Fandrich (hier muss er im Zweikampf mit St. Gallens Everton Luiz unten durch) ist bis heute keine Verstärkung für den FCL. (Bild: Philipp Schmidli)

Daniel Wyrsch

Luzerns Fans sangen am Samstag während des enttäuschenden Heimmatchs gegen Vaduz (1:1) vom «Sommer 89». Die Älteren erinnern sich: Was waren das für Zeiten, als die Innerschweizer im Mittelfeld vom deutschen Ballvirtuosen Jürgen Mohr zum einzigen Meistertitel geführt wurden. 26 Jahre später spielt mit Clemens Fandrich (24) wieder ein Deutscher im Mittelfeld. Doch dessen Karriere lässt sich mit jener von Mohr nicht vergleichen. Während der blonde Meister-Spielmacher vor seinem Luzern-Engagement Hertha Berlin in die Bundesliga führte und mit den Hauptstädtern sowie Eintracht Frankfurt und Saarbrücken in der höchsten Klasse spielte, ist Fandrichs Vorgeschichte weit weniger erfolgreich. Bei Energie Cottbus, RB Leipzig und Erzgebirge Aue spielte er in der 2. Bundesliga. Mit Aue stieg er letzte Saison ab.

Haas beweist bessere Qualitäten

In Luzern ist Fandrich auch im 13. Ligaspiel noch nicht angekommen. Das ist gegen Vaduz offensichtlich gewesen. Der Deutsche ist zwar leichtfüssig, aber gleichzeitig ein spielerisches Leichtgewicht und ein Mitläufer. Den visuellen Eindruck bestätigte die Statistik in den knapp 69 Minuten bis zu seiner Auswechslung: Von 41 Pässen des Mittelfeldspielers sind nur 29 angekommen, 12 Zuspiele landeten beim Gegner. Eklatant ist die Fehlpassquote des Aufbauers bei Pässen über mehr als 20 Meter: Von 7 langen Bällen ist einer zum Mitspieler gelangt. Damit hat Fandrich mehr die Vaduzer als das eigene Team aufgebaut.

FCL-Coach Markus Babbel versuchte, Fandrich zu verteidigen: «Er hatte zwei, drei Bälle gespielt, die nicht ankamen. Clemens versuchte es, das erwarte ich von meinen Spielern. Sie müssen etwas riskieren, nicht nur Querpässe spielen.»

Allerdings zeigte der für Fandrich eingewechselte Nicolas Haas (19) während seines 24-Minuten-Einsatzes, dass man im Spielaufbau Sorge zum Ball tragen und trotzdem gefährlich sein kann. Das Eigengewächs kam wegen der Vaduzer Schlussoffensive zwar nur zu fünf Pässen, doch alle kamen an. Der einzige lange Ball, eine Flanke von der Seitenlinie, hätte Marco Schneuwly in der 89. Minute beinahe zum 2:1 verwertet. Vaduz-Goalie Peter Jehle rettete seinem Team den Punktgewinn.

Haas hatte in der Rückrunde der letzten Saison mit seinen ersten acht Spielen in der Super League auf sich aufmerksam gemacht. In der laufenden Vorrunde ist er bis dato nur zu sieben Teileinsätzen von total 209 Minuten gekommen. Eine ernüchternde Bilanz für den fleissigen Mittelfeldmann, wenn man die Statistik von Fandrich dagegenstellt: In allen 13 Ligapartien ist der Landsmann der Trainer eingesetzt worden – insgesamt während 716 Minuten.

Leistungskultur in Frage gestellt

Dieser Unterschied ist sehr gross – und deutet nicht gerade auf eine echte Leistungskultur hin. Eher auf eine Bevorzugung des Wunschspielers von Babbel und Assistenztrainer Roland Vrabec.

Übrigens haben sich mit Sebastian Schachten (30) und Nico Brandenburger (20) zwei weitere Deutsche ebenfalls nicht durchgesetzt. Verteidiger Schachten ist zuletzt Ersatz gewesen, Aufbauer Brandenburger gilt als körperlich zu wenig robust und ist derzeit verletzt.

Hekuran Kryeziu (22) wusste am Samstag nicht, warum er 90 Minuten auf der Bank sass. Babbel erklärte den Medien, dass er den Mittelfeldspieler für den Cup-Achtelfinal am Mittwoch (20.00) in St. Gallen geschont hat. Dann muss der FCL zum Siegen zurückkehren.

Machen solche Transfers Sinn?

Rolf Fringer, Sie machten während des Spiels gegen Vaduz einen doch ziemlich nachdenklichen Eindruck.
Rolf Fringer:Wir müssen uns alles hart erarbeiten, jedes Spiel ist eng. Gegen Vaduz hatten wir Glück, dass wir in der ersten Halbzeit nicht in Rückstand gerieten. Nach der Pause machten wir mehr und verdienten uns die Führung. Ärgerlich war, dass wir wie schon gegen Lugano den späten Ausgleich kassierten. Aber Vaduz verdiente sich das Unentschieden mit einer guten Leistung.

Clemens Fandrich ist erneut keine wirkliche Hilfe für die Mannschaft gewesen. Von sieben langen Bällen ist nur einer angekommen. Ist der neue deutsche Mittelfeldspieler auch für Sie eine Enttäuschung?
Fringer: Ich will im Moment nicht auf einzelne Spieler eingehen. Mit Haas, Arnold und Yesil sind gegen Vaduz wieder drei Junge für uns zum Einsatz gekommen. Dies ist doch positiv, und dass dann nicht alles aufgeht, ist auch verständlich. Man darf nicht vergessen, dass wir nun bereits sechs Partien ohne Dario Lezcano bestritten haben. Dabei haben wir nur einmal verloren. Die Situation ist weiter ordentlich: Wir sind Vierter mit 20 Punkten aus 13 Spielen.

Die Zeit ist offenbar vorbei, in der sich der FCL einen Topspieler wie Jürgen Mohr leisten kann. Trotzdem: Macht es Sinn, aus der 2. Bundesliga Durchschnittskicker wie Fandrich und Sebastian Schachten zu holen oder Nico Brandenburger aus Gladbachs U 23 auszuleihen?
Fringer: Man muss unser Kader als Ganzes sehen, und ich will zum aktuellen Zeitpunkt nicht auf Einzelspieler eingehen. In der Winterpause werden wir eine erste Bilanz ziehen. Wegen des ärgerlichen späten Ausgleichs gegen Vaduz wäre es falsch, alles in Frage zu stellen. Meiner Meinung nach haben wir bis jetzt vieles richtig gemacht.

Doch könnte Trainer Markus Babbel das eigene Talent Nicolas Haas verärgern, wenn er ihm dauernd Fandrich vorzieht. Sind Sie als Sportchef dafür besorgt, dass Haas und Remo Arnold nicht abgeworben werden?
Fringer: Nicolas Haas hat einen Vertrag bis 2017, mit Remo Arnold sind wir auf gutem Weg zu verlängern. Im Übrigen wird mit unseren Jungen gut gearbeitet, sie benötigen noch Zeit und Geduld.

Nachgefragt bei Rolf Fringer, Sportchef des FC Luzern

Embolo lässt die Meisterträume der Young Boys platzen

Super League Si. Basel besiegt im Topspiel die Young Boys 1:0 und distanziert einen der wichtigsten Rivalen deutlich. Für die minimale Differenz sorgte Breel Embolo (31.).

Derweil Adi Hütters positive Serie mit fünf Siegen und einem Remis seit seinem Trainereinstand in der Schweiz riss, entrückt der Branchenprimus der nationalen Konkurrenz abermals. YB liegt nach knapp einem Drittel des Super-League-Pensums zwölf Punkte zurück. Mit seinem Vorhaben, den Titelhalter wie vor fünf Jahren in einen ernsthaften Zweikampf zu verwickeln, ist der ambitionierte und wirtschaftlich an sich potente Verein aus der Hauptstadt mutmasslich abermals frühzeitig gescheitert.

Embolo ist nicht aufzuhalten

Einmal mehr betrieb YB zwar einen erheblichen Aufwand, der Ertrag hielt sich indes in engen Grenzen. Die Bilanz im St.-Jakob-Park ist zu schlecht, um vom ersten Titelgewinn seit 1986 träumen zu dürfen. Von den letzten zwölf Auswärtsduellen verlor YB über 80 Prozent.

Ausgerechnet jener Spieler, der am Donnerstag beim missratenen europäischen Intermezzo vom Feld getragen worden war und wegen seiner Schmerzen im Knie länger auszufallen drohte, erzwang den Unterschied im Alleingang: Breel Embolo, der 18-jährige Hoffnungsträger, der offenbar nicht aufzuhalten ist – selbst von physischen Beeinträchtigungen nicht.

Eine wunderbare Co-Produktion

Sein rechtes Bein war zwar einbandagiert, ausser den sichtbaren Spuren der Physioabteilung deutete indes nichts auf ein Handicap hin. Und auch die teilweise rustikalen Berner Stilmittel schreckten den europaweit umworbenen Teenager nicht einmal ansatzweise ab. Ein hartes Foul Zakarias beantwortete er Sekunden später mit dem Angriffszug des Tages. Am Ende einer wunderbaren Co-Produktion mit Luca Zuffi düpierte Embolo den machtlosen YB-Keeper Ivon Mvogo mit einem tückischen und präzisen Aufsetzer.

Nach dem tristen Europa-League-Abend gegen Belenenses (1:2) hatte Urs Fischer moniert, sie hätten nach der Führung den «Betrieb eingestellt». Den gleichen Fehler beging der FCB kein zweites Mal mehr, obschon er derzeit im Zweifelsfall eher auf die pragmatische Methode setzt und auf das vom anspruchsvollen Publikum erhoffte Spektakel verzichtet. Mit seiner Strategie fährt Fischer überaus gut: An elf von 13 Spieltagen siegte der FCB.

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Basel - Young Boys 1:0 (1:0)

33 360 Zuschauer. – SR Bieri.
Tor: 31. Embolo (Zuffi) 1:0.
Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Samuel (50. Akanji), Safari; Elneny, Xhaka; Embolo, Zuffi, Bjarnason (85. Callà); Janko.
Young Boys: Mvogo; Hadergjonaj, Wüthrich, Vilotic, Benito; Zakaria, Bertone; Steffen, Sulejmani (77. Nuzzolo), Lecjaks (82. Afum); Kubo (82. Tabakovic).
Bemerkungen: FCB ohne Traoré, Degen, Hoegh, Boëtius (alle verletzt), Gashi, Kakitani (beide nicht im Aufgebot), Ivanov (U 21), YB ohne Von Bergen, Gerndt, Seferi, Hoarau (alle verletzt). 60. Vaclik lenkt Kopfball von Kubo an den Pfosten. 67. Gelb-Rot gegen Wüthrich (Foul). Verwarnungen: 17. Embolo, 26. Wüthrich, 30. Zakaria, 53. Vilotic, 59. Safari, 75. Bertone, 85. Janko (alle Foul).

Sion - Grasshoppers 3:2 (1:2)

7400 Zuschauer. – SR San.
Tore: 23. Caio (Dabbur) 0:1. 25. Dabbur 0:2. 39. Assifuah (Carlitos) 1:2. 64. Ziegler (Handspenalty/Handspiel Lüthi) 2:2. 89. Grégory Karlen (Pa Modou) 3:2.
Sion: Vanins; Zverotic (59. Rüfli), Lacroix, Ziegler, Pa Modou; Ndoye, Salatic; Assifuah (75. Follonier), Fernandes, Carlitos; Konaté (82. Grégory Karlen).
Grasshoppers: Vasic; Bauer, Barth, Pnishi, Lüthi; Basic, Källström; Ravet (77. Ibrahimi), Tarashaj (55. Gülen), Caio (68. Antonov); Dabbur.
Bemerkungen: Sion ohne Kouassi, Mboyo, Zeman, Bia, Akolo, Ramirez und Cicero (alle verletzt), Grasshoppers ohne Mall (verletzt). 51. gelb-rote Karte gegen Basic wegen taktischen Fouls. 63. rote Karte gegen Lüthi wegen absichtlichen Handspiels auf der Torlinie. Verwarnungen: 12. Basic (Foul). 27. Lacroix (Foul). 45. Ndoye (Foul). 85. Barth (Foul). 87. Salatic (Foul).


Thun - Lugano 2:1 (1:1)

5477 Zuschauer. – SR Schärer.
Tore: 8. Culina (Bottani) 0:1. 20. Wieser (Zarate) 1:1. 71. Munsy (Wittwer) 2:1.
Thun: Faivre; Joss, Reinmann, Sulmoni, Wittwer; Zarate, Wieser, Hediger, Schirinzi (88. Peyretti); Buess (68. Munsy), Rapp (78. Frontino).
Lugano: Russo; Markaj (78. Jozinovic), Datkovic (46. Djuric), Urbano, Veseli; Crnigoj, Piccinocchi; Bottani, Sabbatini, Culina; Rossini (85. Josipovic).
Bemerkungen: Thun ohne Siegfried, Rojas, Ferreira und Bigler (alle verletzt) sowie Schindelholz und Glarner (rekonvaleszent), Lugano ohne Padalino (gesperrt). Verwarnungen: 70. Hediger (Foul). 85. Bottani (Foul). 92. Frontino (Foul).

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Challenge League

Chiasso - Wohlen 1:1 (1:0)

660 Zuschauer. – SR Jancevski. – Tore: 25. Regazzoni 1:0. 55. Minkwitz 1:1. – Bemerkungen: 88. gelb-rote Karte gegen Grether (Wohlen). 91. rote Karte gegen Mihajlovic (Chiasso) wegen Reklamierens.

Le Mont - Winterthur 1:0 (0:0)

350 Zuschauer. – SR Musa. – Tor: 55. Fejzulahi (Foulpenalty) 1:0.
Rangliste: 1. Lausanne-Sport 12/23. 2. Wil 13/20. 3. Chiasso 13/18. 4. Le Mont 13/18. 5. Biel 13/17. 6. Neuchâtel Xamax 13/17. 7. Winterthur 13/16. 8. Schaffhausen 13/15. 9. Wohlen 13/14. 10. Aarau 12/13.