FUSSBALL: «Die Genügsamkeit muss aufhören»

Während die Spieler des FC Luzern zwei Wochen Ferien geniessen, wartet auf Sportdirektor Alex Frei (33) viel Arbeit. Drei bis vier Transfers wolle er tätigen – und die Einstellung der Spieler ändern.

Interview Jonas von Flüe und Daniel Wyrsch
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Sportdirektor Alex Frei will mit jungen Spielern in Zukunft Kapital generieren. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Sportdirektor Alex Frei will mit jungen Spielern in Zukunft Kapital generieren. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Alex Frei, die Spieler des FC Luzern haben Ferien bis am 17. Juni. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Alex Frei: Auf mich wartet in dieser Zeit sehr viel Arbeit. Es stehen Vertragsverhandlungen und -unterzeichnungen an. Ferien werde ich mir erst im Herbst gönnen, wenn die Transferperiode zu Ende ist. Dann werde ich während zweier Wochen mit meiner Familie die Batterien wieder aufladen. Das ist wichtig.

Haben Sie den zeitlichen Aufwand eines Sportdirektors unterschätzt?

Frei: Nein, denn ich wusste, dass es ein zeitintensiver Job ist. Ich fahre meistens mit dem Zug nach Luzern. So habe ich morgens schon eine Stunde Zeit, um mit der Arbeit zu beginnen. Am Abend kann ich dann bereits den nächsten Tag vorbereiten. Falsch eingeschätzt habe ich aber die Spieler. Ich dachte, es ticken alle ähnlich wie ich. Das ist aber nicht der Fall.

Können Sie das erläutern?

Frei: Ich wusste immer, zu welchem Verein ich wollte. Also waren die finanziellen Modalitäten schnell erledigt, ein Vertrag innerhalb von 15 bis 20 Minuten unterzeichnet. Doch ich beobachte, dass den Spielern die Eigenständigkeit fehlt. Sie wollen sich auch noch andere Angebote anhören und entscheiden nicht sofort.

Wer steht auf Ihrer Einkaufsliste?

Frei: Namen nenne ich keine. Wir suchen aber Spieler mit Potenzial, die nicht nur ein Jahr bei uns bleiben, sondern mit denen wir längerfristig planen können. Die Investoren sind bereit zu zahlen, und ich habe eine klare Vorstellung, wie die Mannschaft aussehen soll. Wir sind auf einem guten Weg.

Momentan ist es aber noch sehr ruhig rund um den FC Luzern ...

Frei: Ob viel läuft, ist halt immer vom Markt abhängig. Transfers müssen wohl geplant sein. Man muss zuschlagen, wenn der Markt etwas hergibt, doch das ist momentan leider nicht der Fall. Es gibt drei bis vier Spieler, die ich will – und das wissen diese auch. Bis zum Trainingsstart sollten diese Spieler da sein. Verlässt uns einer, habe ich aber für jede Position sieben adäquate Lösungen.

Haben Sie schon konkrete Anfragen erhalten?

Frei: Nein, bis jetzt haben wir kein einziges Angebot für einen Spieler erhalten. Mein Ziel beim FCL ist es aber, dass wir auf jeder Position einen Spieler haben, der so gut ist, dass wir am Ende jeder Saison Angst haben müssen, dass er uns verlässt. Wir wollen mit jungen Spielern in Zukunft Kapital generieren.

Hekuran Kryeziu ist solch ein junger Spieler, der oft gelobt wurde, aber unter Carlos Bernegger nur wenig Einsatzzeit bekam. Was halten Sie von ihm?

Frei: Heki ist ein sehr guter Spieler, aber jugendliches Alter und das Wissen, dass man gut ist, reichen halt einfach nicht. Er muss alles für seine Karriere tun. Ich erwarte, dass er mit dem Messer zwischen den Zähnen aus den Ferien zurückkommt. Er hat grosses Potenzial, muss aber mehr daraus machen.

Haben Sie Defizite in der Einstellung einzelner Spieler festgestellt?

Frei: Ich bin überzeugt, dass jeder Fussballer immer hundert Prozent Einsatz gibt, doch das kommt im Spiel unterschiedlich zum Tragen. Es hat mir sicher nicht gefallen, wie wir uns nach dem Sichern des Ligaerhalts hängen gelassen haben. Doch diese Mentalität werden wir austreiben. Die Genügsamkeit muss aufhören.

In dieser Phase ist Daniel Gygax richtig aufgeblüht. Hat Sie das überrascht?

Frei: Ganz und gar nicht. Ich habe nie an seinen Qualitäten gezweifelt. Wenn er in der nächsten Saison mehr als zehn Tore schiesst, muss er seine Ferien im Sommer verschieben. Denn auf seiner Position strotzt auch in der Nationalmannschaft keiner vor Selbstvertrauen. Er kann in der Offensive jede Position besetzen. Solche Spieler sind rar.

Sie sind also nicht auf der Suche nach einem sogenannten Knipser?

Frei: Knipser sind teuer – auch im Unterhalt – und sehr begehrt. Mit Dani, Dimitar Rangelov und Dario Lezcano sind wir gut besetzt, jedoch muss sich jeder steigern. Kommt jetzt ein guter Stürmer zu einem vernünftigen Preis auf den Markt, müssten wir uns ein Engagement überlegen. Doch das geniesst keine Priorität.

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Frei: Zuerst hatte ich mich im Hotel mit Agenten getroffen, dann habe ich mit Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke (Sportdirektor und Geschäftsführer von Borussia Dortmund; Anm. d. Red.) darüber gesprochen, wer bei Dortmund nicht erste Wahl ist – und dann habe ich den Final genossen. Das ist die grosse weite Fussballwelt.

Ist Dortmund gewillt, Spieler an den FC Luzern auszuleihen?

Frei: Mir wurde signalisiert, dass eine Zusammenarbeit denkbar ist. Aber ich muss aufpassen. Spieler, die beim BVB nur sechste Wahl sind, reichen auch für den FCL nicht. Wir dürfen uns nicht schlechter machen, als wir sind. Ein Spieler aus der 3. deutschen Liga muss schon eine Bombe sein, damit er unseren Ansprüchen genügt. Ich muss hundertprozentig überzeugt sein, bevor ich jemanden verpflichte. Dies schulde ich auch unseren Investoren, deren Vertrauen ich spüre.

Neuer Goalie ergänzt Team

Der FC Luzern will einen dritten Goalie verpflichten, um sich gegen Verletzungen abzusichern. «Er wird zudem im Nachwuchsbereich mitarbeiten», sagt Alex Frei. Kein Thema ist Mladen Petric, der im Ausland bleiben will. Auf einem guten Weg seien die Verhandlungen mit Captain Michel Renggli. «Ihm liegt ein Angebot für einen neuen Vertrag vor», sagte Frei. Bei Pajtim Kasami liege der Ball weiter bei Fulham. Keine Zukunft beim FCL hat Nico Siegrist. «Er braucht einen Neuanfang – aber nicht bei uns.»

jvf