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FUSSBALL: Die Männer-Freundschaft hält

Für Markus Babbel und Sami Hyypiä kommt es am Sonntag (16.00, SRF 2, Swissporarena) zum Wiedersehen – als Trainer beim Spiel zwischen dem FCL und dem FC Zürich. Die Ex-Liverpool-Profis waren einst in eine Schiesserei involviert.
4. November 2000: Liverpools Sami Hyypiä (Mitte) und Markus Babbel (rechts) verlieren auswärts gegen Leeds United (Mark Viduka, links) mit 3:4. (Bild: Getty / Mark Thompson)

4. November 2000: Liverpools Sami Hyypiä (Mitte) und Markus Babbel (rechts) verlieren auswärts gegen Leeds United (Mark Viduka, links) mit 3:4. (Bild: Getty / Mark Thompson)

Daniel Wyrsch

Luzern-Trainer Markus Babbel (43) und der neue Trainer des FC Zürich, Sami Hyypiä (41), spielten in der Saison 2000/01 zusammen in der Abwehr des FC Liverpool. Das war ein sehr erfolgreiches Jahr für den europäischen Topklub: Mit dem Uefa-Cup, dem FA-Cup und dem Liga-Cup gewannen die Engländer drei Pokale. Der Finne Hyypiä und der Bayer Babbel trafen sich oft auch ausserhalb des Vereins. Zusammen mit den zwei weiteren deutschen Liverpool-Profis Christian Ziege und Dietmar Hamann, den Holländern Erik Meijer und Sander Westerveld sowie ihren Spielerfrauen trafen sie sich am Sonntagabend des 15. Oktober 2000 zum Essen. In der «Jalons Wine Bar» in Liverpool feierten sie den 4:0-Auswärtssieg über Derby County. «Gegen 22.30 Uhr stürmten plötzlich drei maskierte Männer mit Pistolen in das Restaurant und feuerten mehrere Schüsse ab», wie der «Berliner Kurier» das Szenario damals beschrieb.

Hyypiä erinnerte sich gestern in Zürich nach dem FCZ-Morgentraining an «einen Mann, der in das Lokal gekommen ist und sechsmal geschossen hat». Dabei sei der Türsteher verletzt worden, gemäss der Zeitung wurden zwei andere Gäste verletzt und mussten in die Klinik gebracht werden. Babbel bestätigt in Luzern Hyypiäs Erinnerung: «Dem Türsteher wurde ins Bein geschossen.»

Von den Schüssen überrumpelt

Für die involvierten Personen aus dem Umfeld der «Reds» war das Wichtigste, dass für sie keine unmittelbare Lebensgefahr bestand. Babbel sieht noch vor seinem inneren Auge, «wie plötzlich zahlreiche Gäste unter den Tischen Schutz suchten». Ihm selber war es gleich wie Hyypiä ergangen: «Wir waren so in unsere Gespräche vertieft, dass wir gar nicht realisiert hatten, was da abging. Für uns wäre es zu spät gewesen, wir hätten nicht mehr reagieren können.»

Zum Glück ist diese Revolvergeschichte in der Beatles-Stadt insgesamt glimpflich ausgegangen. Nach Vernehmungen durch die Polizei wurden die Liverpool-Spieler und ihre Partnerinnen in einem Minibus vom Tatort weggefahren. «Auch wenn sich die Geschichte nun etwas amüsant anhört, waren wir damals doch ziemlich geschockt», fasst Babbel die Geschehnisse im Rückblick zusammen.

Letztes Treffen bei «Toten Hosen»

Fast genau 15 Jahre später kommt es am Sonntag zum Wiedersehen an der Seitenlinie zwischen Babbel und Hyypiä. Sie bezeichnen sich gegenseitig als Freunde. Freundschaften sind im professionellen Fussball eher selten, doch die beiden Männer konnten diese über die Jahre konservieren, obwohl sie sich nur noch selten gesehen haben. Hyypiä: «Wir hatten zuletzt länger keinen Kontakt mehr, wir beide sind sehr beschäftigt. Aber wenn Markus und ich nach dem Spiel in Luzern ein langes Gespräch haben, wird es bestimmt sofort sehr vertraut sein.» Zuletzt hatten sie sich vor zwei Jahren beim Tour-Finale der deutschen Kultband die Toten Hosen in Düsseldorf getroffen, wie Babbel erzählt. Sänger Campino ist ein begeisterter Fussballfan und kennt die beiden persönlich.

Babbel freut sich, Hyypiä morgen zu treffen. «Wir werden uns vor und nach der Partie schön unterhalten, aber ein spezielles Spiel ist es für mich nicht. Wir wollen die drei Punkte in Luzern behalten.» Hyypiä hat mit den kriselnden Zürchern das gleiche Ziel. Aus seinen ersten zwei Ligaspielen als Coach des FCZ resultierten zwei Punkte (3:3 gegen Thun, 0:0 in Lugano). «Die bisherige Ausbeute ist nicht gut genug für uns», meint der Nachfolger des Anfang August freigestellten Urs Meier.

Einstellungsmässig sind sie wahrscheinlich genau gleich geblieben wie als Spieler. Hyypiä über Babbel: «Markus war ein sehr seriöser Typ, ein grosser Profi. Aber abseits des Fussballplatzes konnte man mit ihm auch Spass haben.»

Babbel schätzte an Hyypiä, «dass er die Mitspieler immer unterstützt hat. Weil er schon länger in England spielte und die Sprache beherrschte, hat mir Sami in Liverpool sehr geholfen. Es war eine tolle Zeit.» Sie teilten sich bei den Auswärtsspielen das Hotelzimmer, wie der FCL-Trainer erzählt. Darauf angesprochen, dass Hyypiä sich nicht mehr daran erinnern kann, kontert Babbel augenzwinkernd: «Sami verdrängt es wahrscheinlich!» Die grosse gegenseitige Achtung ist im Gespräch mit den beiden Trainern spürbar.

Für Babbel ist Hyypiä ein Phänomen in der Klubgeschichte des FC Liverpool, mit dem der 1,95 Meter grosse Finne 2005 als Karrierehöhepunkt die Champions League gewann. «Sami hat es sogar geschafft, Captain von Liverpool zu werden. Dieses Amt bekommst du als Nicht-Engländer nur, wenn du lange Zeit herausragend spielst. Auch bei den Fans genoss er ein hohes Ansehen. Sein Standing hat er sich durch Leistung auf dem Platz verdient.»

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