FUSSBALL: Die Suche nach neuen Geldgebern

In der aktuellen Krise des FC Luzern werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Entscheidend für die sportliche Führung ist, ob sich Marco Sieber als Präsident in der Holding durchsetzt.

Daniel Wyrsch
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Marco Sieber (links), Präsident der FCL Holding AG, zusammen mit Walter Stierli, der 25 Prozent des FCL-Aktienpaketes hält. (Bild: Maria Schmid)

Marco Sieber (links), Präsident der FCL Holding AG, zusammen mit Walter Stierli, der 25 Prozent des FCL-Aktienpaketes hält. (Bild: Maria Schmid)

Der FCL erlebt wieder einmal stürmische Tage. In der fussballverrückten Stadt und ihrer Umgebung herrscht nach 10 sieglosen Spielen in der Meisterschaft und in der Qualifikation zur Europa League Trübsal: letzter Tabellenplatz und zum dritten Mal in Serie sofortiges Aus im internationalen Geschäft.

Bild: Grafik Loris Succo

Bild: Grafik Loris Succo

Dabei hätte man die 2 Millionen Franken aus dem europäischen Wettbewerb sehr gut gebrauchen können. Denn es bahnt sich nach dem hohen Defizit von 2,1 Millionen im Geschäftsjahr 2013 bereits das nächste grosse Loch in der FCL-Kasse an. Schon wieder stehen rote Zahlen zwischen 2 und 3 Millionen Franken im Raum. Holding-Präsident Marco Sieber entwarnt allerdings: «So viel sind es garantiert nicht.» Ob sie das vorgegebene Ziel, die Halbierung des Vorjahresminus auf 1 Million, schaffen, «kann ich im Moment nicht sagen. Es ist viel zu früh, wir wissen es erst im Januar», sagt Sieber. Immerhin: Für den hauptamtlichen FCL-Präsidenten Ruedi Stäger und dessen Geschäftsleitung seien die ersten sechs Monate erfreulich verlaufen. «Im ersten Halbjahr haben wir gut abgeschnitten», sagt Sieber.

Weiter sinkende Zuschauerzahlen

Dass sich die Stimmung in und um die Swissporarena seit dem umjubelten 3:0-Heimsieg über Thun am letzten Spieltag der Vorsaison und dem gleichzeitigen Erlangen des Europacup-Platzes massiv verschlechtert hat, sieht Positivdenker Sieber nicht so dramatisch. Dabei sind die Zuschauerzahlen nach den ersten vier Heimspielen gegen GC, Zürich, Aarau und Sion im Vergleich zur vorherigen Saison erneut um 1171 Besucher auf 10'120 Fans pro Match gesunken (siehe Grafik). Sieber beruhigt: «Wir hatten erst wenige Heimspiele, erst nach der Vorrunde sehen wir, wo wir stehen.» Sportchef Alex Frei hat auf diese Saison hin neun Zuzüge getätigt, so viele wie in der gesamten Vorsaison. Dabei musste er die Lohnkosten um 700'000 Franken reduzieren. Ist es Frei gelungen, das Budget einzuhalten? «Die Vorgaben sind eingehalten worden», versichert Sieber und erklärt, dass ihn und die anderen Verwaltungsräte der FCL Holding AG vor allem das Gesamtbudget interessiere. Dazu gehört neben der FC Luzern-Innerschweiz AG, wo der professionelle Fussball hingehört, auch die Swissporarena Events AG. Gesamt geht es da um ein Budget von 22 bis 24 Millionen. Sieber: «Für uns spielt es auch eine grosse Rolle, wie es in der Sache mit dem Hooliganismus weitergeht.» Da könnten dem FCL in Zukunft sehr hohe Sicherheitskosten blühen.

Bild: Grafik: Janina Noser

Bild: Grafik: Janina Noser

Sieber hat im Sommer mit dem Finanzfachmann Josef Bieri (57) einen neuen Investor gewinnen können. Geschätzte 3 Millionen Franken hat der Surseer für sein 10-Prozent-Aktienpaket bezahlt. Bieri ist das erste Holding-Mitglied, das nicht durch Walter Stierli (66) in die Holding kam. Ein Erfolg für Sieber.

Stierli-Aktien für neue Investoren?

Das erklärte Ziel Siebers ist, weitere Aktionäre zu finden. Zur Diskussion steht nun, dass FCL-Ehrenpräsident Stierli von seinem 25-Prozent-Aktienpaket einen Teil diesen neuen Investoren zur Verfügung stellt. Stierli verneint diese Pläne nicht, will sich dazu aber auch nicht konkret äussern. Auch nicht über einen möglichen Verkauf seiner Aktien für kolportierte 2 Millionen Franken. Also ist es noch offen, ob ungefähr 20 Prozent der Stierli-Aktien frei werden. Hintergrund: Zusammen mit Alpstaeg gehören dem früheren FCL-Präsidenten 51 Prozent der Holding. Faktisch sind Stierli und Alpstaeg die Klubbesitzer. Für Stierli ist klar, dass er nicht mehr Führungsverantwortung tragen will, dafür fehle ihm die Energie. Es heisst, Stierlis Sohn Mirco könnte später beim FCL in der Führung einsteigen. Und was sagt Alpstaeg zur Situation mit Stierli? Der Hauptinvestor bezieht derzeit keine Stellung.

Während Stierli/Alpstaeg bekannt sind für ihren Aktionismus, wenn es schlecht steht um den FCL, ist Sieber der Mann, der den sportlichen Umbruch mit Alex Frei eingeleitet hat und für Kontinuität steht. Sieber ist als Nachfolger von Stierli als Holding-Chef der Hauptverantwortliche hinter dem neuen, langfristigen Holding-Konzept. «Meine Aufgabe ist es, hinter diesem zu stehen, insbesondere zusammen mit FCL-Präsident Ruedi Stäger und den Aktionären. Langfristiges Denken ist nun gefordert», sagt Sieber.