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FUSSBALL: Die Versetzung von Neumayr

Markus Neumayr kam als Spielmacher zum FCL. Nun agiert er weiter hinten, leitet von dort die Angriffe ein. Luzern braucht heute (13.45) gegen Thuns Beton Spielwitz.
Archivbild: Markus Neumayr (links), hier im Duell mit Burim Kukeli vom FC Zürich, scheint den Durchbruch beim FCL geschafft zu haben. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus)

Archivbild: Markus Neumayr (links), hier im Duell mit Burim Kukeli vom FC Zürich, scheint den Durchbruch beim FCL geschafft zu haben. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus)

Daniel Wyrsch

Der Mann ist drauf und dran, sich einen anderen Ruf zu schaffen. Wer Markus Neumayr (30) in den letzten Spielen beim FC Luzern laufen, kämpfen und grätschen gesehen hat, reibt verwundert die Augen. In der Winterpause vom FC Vaduz gekommen, war der Deutsche als Spielmacher vorgesehen. Nach Anfangsschwierigkeiten musste er weiter hinten agieren. Im defensiven Mittelfeld macht er nun eine überraschend gute Figur. Für ihn selbst kam diese Versetzung nicht unerwartet. «Diese neue Rolle zu besetzen, ist für mich nicht überraschend gekommen.» Bereits in Belgien bei Zulte Waregem habe er auf dieser Position gespielt und noch früher als Junior in Deutschland.

Neumayr weiss längst, wie es im Fussball läuft. Er stecke für viele Beobachter weiterhin in der Schublade aus der Zeit in Vaduz, wo er bei den Liechtensteinern, unterstützt von einem starken Defensivverbund, «zusammen mit zwei Stürmern für die Musik zu sorgen hatte».

Den Schönspieler-Ruf loswerden

Der eloquente Fussballer erklärt seine Reputation: «Jeder denkt, der Neumayr kann nur als ‹Zehner› oder ‹falsche Neun› spielen.» Diese Spezialisierung habe er in seiner Karriere gar nicht gewollt. «Man sagt ja, die rennen und kämpfen nicht, machen nichts nach hinten, die sind Schönspieler.» Neumayr nennt sich selber einen Teamplayer, das Ergebnis ist für ihn entscheidend. Dabei besitzt er zweifellos fussballerische Klasse, mit seinem rechten Fuss hat er bislang zwei Elfmeter und einen Freistoss aus 25 Metern für den FCL verwertet.

Als eine seiner Stärken bezeichnet Neumayr, «das Spiel zu lesen». Aber ebenso: «Den Jungen zu helfen.» Wie in den letzten Partien Nicolas Haas (20), der neben ihm auf der Doppelsechs spielte. Seine Aufgabe sei es, Haas und den anderen die nötige Stabilität zu geben. «Nicht nur in Form von schönen Pässen, sondern auch mit der Körpersprache, der Mentalität oder vielleicht auch mal mit tadelnden Worten, die beim Fussball dazugehören.»

Für Trainer Markus Babbel ist Neumayr der Denker und Lenker. «Er hat diese neue Aufgabe angenommen und arbeitet auch nach hinten.» Auf die Idee, ihn defensiver einzusetzen, seien sie im Trainerstaff gekommen. Neumayr sei einer, der viel unterwegs sein kann, aber kein Sprintertyp ist, sagt der Cheftrainer. «Die Sechs und die Acht kann er mit seiner Spielintelligenz, der Technik und dem Auge für die Mitspieler ausfüllen.» Babbel weiter: «Ich glaube, es ist auch zukünftig jene Position, mit der er am meisten Einfluss aufs Spiel hat.»

Fast zwölf Kilometer gelaufen

Bei der unglücklichen 2:3-Heimniederlage am Mittwoch gegen die Young Boys lief Neumayr fast zwölf Kilometer. Ein beeindruckender Wert, den der Mann mit der Rückennummer 77 erneut Bezug nehmend auf seinen Ruf wie folgt kommentiert: «Dabei heisst es, ich sei lauffaul. Schon in Vaduz bin ich 11,5 Kilometer unterwegs gewesen.» Neumayr relativiert und stellt klar: «Meine Werte sind gut, aber wichtig ist, richtig zu laufen! Man muss beides, die Daten und das Spiel, anschauen.» Da hat der erfahrene Profi, der seine Karriere als 16-Jähriger beim Weltklub Manchester United begann, bestimmt Recht.

Spielerisch kann Neumayr auf seiner neuen Position ebenfalls überzeugen. Er leitete gegen YB aus dem Mittelkreis eine Traumkombination ein, die man beim FCL kaum schon einmal gesehen hat: Christian Schneuwly und Michael Frey zauberten, unterstützt von Marco Schneuwly, bis Frey nur noch ins leere Tor zum 1:1 einzuschieben brauchte. Neumayr schwärmt: «Das ist mit das schönste Tor, das ich je mit meiner Mannschaft erzielt habe.» Besonders findet er daran, dass sie mit dem FCL ein gestandenes Team wie YB ausspielten. Vor allem die zweite Halbzeit gegen die Berner gibt den Luzernern Zuversicht, spielerisch zugelegt zu haben. «Wir dominierten einen Gegner wie YB, kommen in unserer Entwicklung immer mehr dorthin, wo wir hinwollen.»

Mit Sieg weiter Platz 4 anvisieren

Neumayr ärgert sich noch immer über die Abwehrfehler, die seiner Meinung nach den FCL den Sieg kosteten. «Gegen die Thuner dürfen wir uns keine Ballverluste mehr leisten, denn die lauern auf Konterchancen.» Doch das Hauptziel ist, «dass wir unsere Qualitäten auf den Platz bringen». Mit einem Sieg gegen die Berner Oberländer könnte Luzern weiterhin in Richtung Platz 4 schielen. Dieser berechtigt zum Start in der Europa-League-Qualifikation.

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