FUSSBALL: «Diese Einstellung nervt mich»

Markus Babbel ist genervt vom Auftritt der Luzerner beim 0:1 gegen GC. Er moniert die fehlende Siegermentalität und erklärt Jakob Jantschers Reservistenrolle.

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FCL-Trainer Markus Babbel (hier am Samstag gegen GC) hat in seinem Team Fortschritte, aber auch Defizite erkannt. (Bild: EQ/Maria Schmid)

FCL-Trainer Markus Babbel (hier am Samstag gegen GC) hat in seinem Team Fortschritte, aber auch Defizite erkannt. (Bild: EQ/Maria Schmid)

Markus Babbel, der Ärger über die völlig verpasste Startviertelstunde Ihrer Mannschaft bei den Grasshoppers dürfte auch noch nicht verflogen sein, nachdem Sie eine Nacht darüber geschlafen haben.

Markus Babbel: Ich habe es am Sonntagmorgen vor dem Training zur Mannschaft gesagt: Es nervt mich einfach, so zu verlieren. Wenn der Gegner besser gewesen wäre oder wir einen rabenschwarzen Tag erwischt hätten, dann würde ich sagen, das passiert mal. Aber so ist es ärgerlich. Dabei hatten wir im Vorfeld des Spiels darauf aufmerksam gemacht, dass die Grasshoppers zu Hause ein anderer Gegner als in unserem Stadion sind. Es war uns allen bekannt, dass die in den ersten 20 Minuten versuchen, Vollgas zu geben. Doch dann starteten wir so. Dabei hatten wir die Riesenchance, punktgleich zu den Young Boys auf Platz 2 vorzurücken – und wir griffen nicht zu, weil wir die erste Viertelstunde verschliefen.

Luzern ist bereits unter Ihrem Vorgänger Carlos Bernegger dafür bekannt gewesen, öfter nicht gut ins Spiel zu kommen. In den letzten beiden Partien gegen GC und Lugano wie auch in weiteren Spielen dieser Saison scheint diese Startschwierigkeit wieder aufzukommen. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Babbel: Nein, wir haben es ja schon anders bewiesen. Wenn ich an das Heimspiel gegen GC denke, wie wir da losgingen, aber auch zu Hause gegen den FC Zürich und gegen St. Gallen kamen wir besser ins Spiel als der Gegner. Aber natürlich ist es auch für mich auffallend, dass wir speziell in den letzen zwei Partien nicht so ins Spiel gekommen sind, wie wir uns das vorstellten. Selbstverständlich hinterfragen wir uns, was wir unternehmen können, um wieder von Anfang an präsent zu sein.

Jakob Jantscher gehörte in der Rückrunde der letzten Saison zusammen mit Dario Lezcano und Marco Schneuwly zum «magischen FCL-Dreieck». Nun ist er dreimal hintereinander Einwechselspieler gewesen. Hat Jantscher seinen Sonderstatus bei Ihnen verloren?

Babbel: Nein, Jakob ist ein extrem wichtiger Spieler für uns. Gegen die Grasshoppers hat er dies schliesslich gezeigt, als er reinkam. Das war der Plan gewesen, weil er nicht 90 Minuten bei vollem Tempo hätte mitspielen können. Mir war klar, dass wir gerade im Mittelfeld äusserst laufstark sein mussten gegen ein GC mit spielstarken Offensivleuten, die den Ball sehr gut laufen lassen können. Im Mittelfeld hatten wir diese Aufgabe relativ gut erfüllt, darum war der Entscheid mit Jantscher richtig gewesen.

Hat es also keinen Vorfall gegeben zwischen Ihnen und dem österreichischen Nationalspieler?

Babbel: Nein, Jantscher hat in den letzten Spielen in der Anfangsformation nicht gefehlt, weil ich etwas gegen ihn habe, sondern weil es gerade eine Verkettung von Umständen gibt. Wegen der EM-Qualifikation ist er im Sommer etwas später aus den Ferien zurückgekehrt,
und durch die weiteren Länderspiele im Herbst fehlt ihm eine gewisse Trainingsbelastung. Man merkt, dass er sich schwertut, über 90 Minuten höchstes Tempo zu gehen. Wir werden ihn Schritt um Schritt wieder dorthin bringen.

Gibt es Kritik an seiner spielerischen Leistung?

Babbel: Er muss sich in den Spielen wieder mehr zeigen, es waren Partien dabei, in denen er uns nicht besonders gut gefallen hat. Ich habe das mit Jakob besprochen und ihn aufgefordert, dass er wieder Gas geben muss. Darüber mache ich mir wenig Sorgen, er dürfte das wieder hinbekommen.
Wie nehmen Sie Jantschers Aussage auf, dass er seine Reservistenrolle als unbefriedigend empfindet?
Babbel: Dass er sich so äussert, ist logisch, alles andere wäre schlimm. Er ist Nationalspieler und will mit dabeibleiben.

Das beste Argument ist, in den Spielen Gas zu geben, damit die Mannschaft profitiert.
Ein Drittel der Saison ist gespielt, der FC Luzern steht auf Platz 4, hat 19 Punkte aus 12 Partien geholt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Babbel: Ich habe es bereits der Mannschaft gesagt: Mich ärgert es, weil mehr möglich wäre. Wir scheitern gerade im Moment des Öfteren an unserer Mentalität. Diese unbedingte Gier, was erreichen zu wollen, die fehlt mir. Das müssen wir verbessern. Wir sind läuferisch mittlerweile in einem sehr guten Zustand, und wir haben von der Spielanlage her grosse Fortschritte gemacht. Ich lasse es nicht gelten, wenn hinsichtlich Einstellung darauf hingewiesen wird, es seien halt Schweizer, die hätten das nicht so in sich. Für mich ist das Blödsinn, wenn ich Fussball spiele, will ich das Maximum erreichen. Im Moment lautet hier die Devise: Spielen und schauen wir mal, was dabei herauskommt. Wenn wir gewinnen, ist es gut, wenn wir verlieren, ist es auch nicht so schlecht, denn so schlimm wie letztes Jahr ist es ja nicht. Diese Einstellung nervt mich. Natürlich hatten wir schon in dem einen oder anderen Spiel das Quäntchen Glück auf unserer Seite, aber wir haben auch schon einiges hergeschenkt.

Was erwarten Sie für das Heimspiel vom nächsten Samstag gegen Vaduz?

Babbel: Dass wir hingehen und sagen: Jetzt kommen die Vaduzer, die putzen wir weg! Dementsprechend bereiten sich alle während der Woche vor – alle ziehen an einem Strang.

Topskorer Lezcano trainiert allein

FC LUZERN dw. Dario Lezcano (25) bleibt, obwohl er die letzten vier Ligaspiele gesperrt war, Torschützenleader der Super League. Allerdings hat Österreichs Nationalstürmer Marc Janko dank seines Doppelpacks zum Basler 2:0-Sieg in Sion mit dem FCL-Paraguayer gleichgezogen; beide haben neun Tore erzielt. Der FC Luzern profitiert zudem vom Ergebnis im Wallis: Er behält als Tabellenvierter trotz der 0:1-Niederlage bei GC den 4-Punkte-Vorsprung auf Sion (5.).

Lezcano hatte für Paraguay beim 0:0 gegen Argentinien in Südamerikas WM-Qualifikation das Länderspiel-Debüt gegeben. Am Samstag ist er aus Asuncion nach Zürich zurückgereist. 15 Stunden dauerte der Flug. Gestern trainierte Lezcano in der Swissporarena im regenerativen Bereich.

Trainer Markus Babbel wollte nicht riskieren, dass sich der als Nationalspieler noch wertvoller gewordene Stürmer im Teamtraining hätte verletzen können. Heute trainiert Lezcano individuell mit Konditionstrainer Christian Schmidt, während die anderen Profis frei haben.

Noch drei Spiele gesperrt

Von Lezcanos total acht Spielsperren verbleiben drei. Luzerns 0:1 gegen GC ist die erste Niederlage seit Lezcanos Sperre in Meisterschaft und Cup.

Interview Daniel Wyrsch