FUSSBALL: Doubai imponiert dem Chef

Luzern-Trainer Markus Babbel baut gegen GC (heute, 20.00) im Zentrum auf Thierry Doubai. Der Ivorer (26) ist die Antwort auf Vero Salatic von GC.

Daniel Wyrsch
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Hat sich im Training aufgedrängt: FCL-Mittelfeldspieler Thierry Doubai. (Bild: Philipp Schmidli)

Hat sich im Training aufgedrängt: FCL-Mittelfeldspieler Thierry Doubai. (Bild: Philipp Schmidli)

Vero Salatic (28) ist wieder die grosse Figur bei den Grasshoppers. Monatelang intern suspendiert, kehrte er vor zwei Wochen wie aus dem Nichts zurück – schoss gegen St. Gallen das 1:0 und siegte 3:0 mit GC. FCL-Trainer Markus Babbel ist klar: «Das ist ein anderes GC als vor drei Wochen. Salatic ist ein toller Spieler.» Einen seiner Profis auf den Regisseur der Zürcher anzusetzen, kommt für Babbel jedoch nicht in Frage. «Wir müssen seinen Radius einschränken, denn wenn er Zeit und Raum hat, kann er seine Mitspieler einsetzen, und dann wirds für uns gefährlich.»

Doubai auf dem Weg zur Bestform

Luzerns Antwort auf Salatic ist Thierry Doubai. Nicht, dass sich die beiden auf dem Platz oft in die Quere kommen, aber der Ivorer spielt wie Salatic vor der Abwehr. Babbel ist begeistert von seinem zentralen Aufbauer. «Thierry hatte es bei mir am Anfang schwer. Im Training drängte er sich auf. Sein gutes Auge, das Stellungsspiel und die Technik – er bringt unglaublich viel mit für diese Position.» Trotzdem findet Babbel, dass Doubai «noch Luft nach oben hat». Er könne mehr, wahrscheinlich mehr als dieser selber glaube. Beim FCL wollen sie mit dem Ex-Profi von YB, Udinese und Sochaux, wo er nach Kreuzbandrissen selten im Einsatz stand, Fortschritte erzielen. «Damit er sein Potenzial zu 100 Prozent ausschöpfen kann.» Babbel imponiert an Doubai die enorme Bereitschaft und «wie er alles aufsaugt. Es macht Spass, mit einem solchen Spieler zusammenzuarbeiten.»

Obwohl Doubai seine physischen Defizite und die mangelnde Spielpraxis möglichst schnell vergessen machen möchte, hat der Afrikaner ein sprachliches Handicap. Babbel verlangt von seinen Spielern, laut zu kommunizieren. Ist es da für Doubai auf der Schaltstation zwischen Defensive und Offensive überhaupt möglich, sich auf Französisch Gehör zu verschaffen? Für den FCL-Trainer ist der Sprachnachteil nicht entscheidend. «Thierry besucht den Deutschunterricht, die Namen der Spieler klingen immer gleich, und ausserdem kann er einfache Kommandos geben.»

«Menschen aus Fleisch und Blut»

Nach dem letzten Match, dem 0:0 zu Hause gegen Thun war Babbel zum einen mit dem Laufvermögen nicht zufrieden, zum anderen fehlte ihm eben diese ständige Kommunikation unter den Spielern. «Das Spiel gegen Thun war das einzige, in dem wir uns 90 Minuten lang unglaublich schwer taten.» Er wisse, dass seine Schützlinge «Menschen aus Fleisch und Blut sind und keine Roboter. Es war wichtig, dass wir wenigstens einen Punkt holten, aber solche Auftritte müssen Ausnahmen sein.» Gegen GC fordert er heute «eine griffige und aggressive Leistung». Das erwähnte Zurufen untereinander ist auf dem Platz ein Muss. Trotz des taktischen Verständnisses und den Automatismen gebe es Phasen im Match, in denen dirigieren und reden zur Korrektur unverzichtbar seien.

Aufruf zur «verbalen Attacke»

«Hier ist es etwas einfacher als in Deutschland, weil es nicht ganz so laut ist im Stadion», sagt Babbel. Verbale Kommunikation fordere er, seit er da ist. «Ich weiss auch, dass es eine Frage des Typs ist. Der eine machts, dem fällts leichter als dem anderen, der introvertierter ist.» Aber es müsse sein. «Kommandieren ist anstrengend, manchmal ist man mehr fertig vom Labern als vom Spiel selber», stellt er mit der Erfahrung eines langjährigen Ex-Profis fest. Sein Aufruf ist klar: «Es geht um die Sache, um erfolgreich zu sein, da sollen die Spieler auch mal aneinandergeraten.»

Babbel kennt die Bedeutung der letzten vier Partien innert der nächsten zwei Wochen vor der Winterpause. Ein Punktebudget aus den Spielen gegen GC und Aarau (beide auswärts) sowie YB und Basel (beide zu Hause) hat er nicht gemacht. «Das bringt nichts, so abgedroschen es tönt, müssen wir Spiel um Spiel nehmen.» Das Ziel des Tabellenletzten ist es, «möglichst bald einen Gegner hinter uns zu lassen».

Stäger kann nicht auf Stierli folgen

FCL-Präsident Ruedi Stäger (57) hat die Wahl ins Komitee der Swiss Football League (SFL) verpasst. Er kann nicht auf den turnusgemäss austretenden Walter Stierli (66) folgen. Der Ex-FCL-Chef hatte dem für die beiden Schweizer Profi-Ligen zuständigen Komitee wie Ilja Kaenzig (41) seit 2011 angehört. Mit den beiden befreundeten Luzernern trat auch der Tessiner Giancarlo Dazio aus.

Wie erwartet wurden gestern in Bern an der GV der SFL von den 20 Klubvertretern aus der Super League und Challenge League als Nachfolger Dölf Früh (FC St. Gallen), Ex-Nationalspieler und Fifa-Rechtsanwalt Claudio Sulser (FC Lugano), sowie Alain Kappeler (BSC Young Boys) gewählt. Gegen diese Konkurrenten waren sowohl Stäger wie auch Aaraus Sportchef Urs Bachmann chancenlos. Bestätigt fürs Komitee wurden Bernhard Heusler (Basel), Ancillo Canepa (FC Zürich), Roger Bigger (Wil), Jean-Claude Donzé (Sion) und Peter Stadelmann (Delegierter der Nationalteams).

Schifferle bleibt Liga-Präsident

Wichtigstes Traktandum an der GV war allerdings die Wahl des Präsidenten. Die SFL-Klubs bestätigten Heinrich Schifferle (61) in seinem Amt. Der Winterthurer, der seit 2011 Liga-Boss ist, wurde einstimmig für ein weiteres Jahr gewählt. Dazu musste vorgängig eine Statutenänderung beschlossen werden, denn bislang dauerte die Amtsdauer des Präsidenten drei Jahre.

Brisant im Fall von Schifferle ist, dass dessen ehemaliger Arbeitgeber Siska Strafanzeige gegen ihn einreichte. Der schwere Vorwurf: Schifferle soll sich bei der Firma in Chef-Funktion unrechtmässig bereichert haben. (dw)