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FUSSBALL: Egli ist zurück und strotzt vor Energie

Der krebskranke Andy Egli (57) kehrt als sportlicher Leiter der Frauen zum FC Luzern zurück. Nach dem dritten Zyklus seiner Chemotherapie ist er bereit für eine neue Aufgabe.
Der krebskranke Andy Egli. (Bild Jonas von Flüe)

Der krebskranke Andy Egli. (Bild Jonas von Flüe)

Jonas von Flüe

Andy Egli sitzt im Mediencenter der Swissporarena und spricht über seine grosse Leidenschaft: den Fussball. Wild gestikulierend, ausschweifend, energisch, mal ernst, mal lachend erzählt er, was ihn dazu bewogen hat, zum FC Luzern zurückzukehren, als sportlicher Leiter der Frauenabteilung. «Ich verbinde extrem viele positive Emotionen mit dem FCL – mit dem Fussball und vor allem mit den Menschen», sagt er. Tief im Innern sei er zwar wegen seiner vielen Jahre als GC-Spieler den Grasshoppers nach wie vor verbunden, doch in den viereinhalb Jahren in Luzern habe er viele tolle Menschen kennen gelernt.

Gekennzeichnet von der Krankheit

Eglis Gesicht ist gezeichnet durch die schwere Krankheit, die bei ihm im Sommer diagnostiziert wurde: Hodenkrebs. Die letzte Chemotherapie ist erst vor zwei Wochen zu Ende gegangen. Ansonsten deutet nichts auf seine Krankheit hin. Egli strotzt vor Energie und freut sich auf seine neue Aufgabe in Luzern. Der 57-Jährige ist neuer sportlicher Leiter der FCL-Frauenabteilung. In einem Arbeitspensum von 30 Prozent wird er den vier Leistungsmannschaften, den rund zwölf Trainern und Trainerinnen und den beinahe hundert Spielerinnen vorstehen. Er wird Talente sichten, Transfers tätigen und sich um alle sportlichen Belange kümmern. Finanziert wird sein Pensum von der Frauenabteilung, die unabhängig von den Profis wirtschaftet (siehe Box rechts). Egli sagt: «Die finanziellen Mittel sind begrenzt, weswegen ich effizient arbeiten muss. Dennoch möchte ich präsent sein und mich den Mannschaften zeigen.» Seine Arbeit wird er am Sonntag aufnehmen, wenn auf der Allmend ein U-15-Sichtungsturnier stattfindet.

Seit Roger Kutter Ende August zurückgetreten ist, leitete Finanzchef Daniel Remund zusätzlich die sportlichen Belange. «Der Vorstand der FCL-Frauen wollte ihn nicht länger doppelt belasten. Dies ist sicher ein Grund, weshalb der Vorstand an mich herangetreten ist», sagt Egli.

Müdigkeit während Chemotherapie

Damals, vor einem Monat, war Andy Egli noch mitten in seiner Chemotherapie, die er nun hoffentlich erfolgreich hinter sich gebracht hat. Drei Zyklen a je fünf Tage musste er in den letzten Monaten über sich ergehen lassen. «Während des letzten Zyklus ging es mir nicht gut. Ich hatte ein seltsames Müdigkeitsgefühl. Seit einer Woche fühle ich mich aber wieder besser», erzählt er, ohne sein Gesicht zu verziehen. Es bereite ihm keine Mühe, über die Krankheit zu sprechen. Am 17. September hat er seine Krankheit im TV öffentlich gemacht. «Von da an war der Krebs natürlich im Fokus.»

Eglis Heilungschancen liegen bei über 95 Prozent. Trotzdem weiss er noch nicht, ob die Chemotherapie erfolgreich war. Eine Computertomografie soll nun Aufschluss darüber geben, ob der Tumor verschwunden ist. Egli sagt: «Es gibt drei Szenarien. Erstens: die totale Heilung. Zweitens: Der Tumor ist noch nicht ganz weg, was weitere Massnahmen nach sich zieht. Und drittens: Ein negativer Bescheid. Was dann folgt, weiss ich selbst noch nicht.»

Tod war Thema

Egli hatte sein Umfeld gut auf die Krankheit vorbereitet, vor allem seine vier erwachsenen Kinder. Als er den Befund erhalten hat, hat er sie alle zum Nachtessen eingeladen und mit ihnen alle Szenarien durchgesprochen. Auch den Tod. «Ich habe gelernt, dass wir nicht alles beeinflussen können. Da spürt man viel Demut dem Leben gegenüber.» Dass er stets positiv eingestellt war, habe auch den Kindern geholfen, ist er überzeugt.

Erst im letzten Sommer war Andy Egli als FCL-Nachwuchschef zurückgetreten. Im Zuge des Sparkurses wurden weniger Ressourcen in den Nachwuchsbereich investiert, was für den 77-fachen Schweizer Internationalen ein No-Go war. «Ich konnte mich nicht mit der strategischen Ausrichtung identifizieren, also habe ich die Konsequenzen gezogen und meine Stelle gekündigt», erzählt er unverblümt. Die damaligen Meinungsverschiedenheiten mit Präsident Ruedi Stäger und Sportchef Rolf Fringer hinderten ihn aber nicht daran, das neue Angebot anzunehmen. «Das hier ist ein neues Kapitel. Die beiden haben nur umgesetzt, was der Verwaltungsrat an strategischen Zielen eingefordert hat. Ich habe überhaupt keine schlechten Gefühle», sagt er.

Mit dem Frauenfussball ist Andy Egli seit über 30 Jahren verbunden, als er beim FC Seebach, später beim FC Bern Mädchen trainiert hat. Die Emotionen, die Leidenschaft für den Fussball seien bei den Frauen genau so gross wie bei den Männern. «Aber bei den Männern wird mittlerweile die Kommerzialisierung mehr und mehr ausgereizt, was ich gar nicht gut finde.»

Mit dem Velo an den Bahnhof

Andy Egli hat auch in den letzten Monaten viel Sport gemacht. Und weil es ihm zwei Wochen nach der letzten Chemotherapie derart gut geht, ist er bereits wieder mit dem Velo unterwegs. Mit seinem roten Treter geht es an den Bahnhof, von wo er nach Bern pendelt, wo er mit seiner Frau Silvana wohnt. «Ich spüre jeden Tag, wie die Energie zurückkommt.»

Das Feuer für den Fussball lodert in Andy Egli nach wie vor. Vielleicht mehr denn je.

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