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FUSSBALL: Ehemaliger FCL-Präsident Simioni: «Friedel Rausch war einer von uns»

Vor einer Woche starb Friedel Rausch, der einzige Meistertrainer des FC Luzern, im Alter von 77 Jahren. Der ehemalige FCL-Präsident Romano Simioni (82), der Rausch nach Luzern holte, erinnert sich.
Turi Bucher
Zwei, die sich gut verstanden und viel gemeinsam lachten: Friedel Rausch (links) und Romano Simioni. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 18. Mai 2014))

Zwei, die sich gut verstanden und viel gemeinsam lachten: Friedel Rausch (links) und Romano Simioni. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 18. Mai 2014))

Interview: Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Romano Simioni, 1985 engagierten Sie als FCL-Präsident den deutschen Friedel Rausch als neuen Trainer. Wie kam die Verpflichtung zu Stande?

Wir hatten, wie öfters beim FCL, ein Trainerproblem. Ignaz Good, unser damaliger NLC-Trainer, empfahl mir Friedel Rausch. Der hatte gerade seine Arbeit in Griechenland bei Iraklis Saloniki beendet. Ich telefonierte Rausch morgens nach Deutschland, am Nachmittag war er schon da. Wir trafen uns im Hotel Flora und waren uns sofort einig.

Und schon war Friedel Rausch FCL-Trainer?

Ja, wir setzten keinen Vertrag auf. Wir vereinbarten das per Handschlag. So war Friedel halt. Er war an diesem Tag mit einem amerikanischen Schlitten nach Luzern gefahren. Er sagte mir: «Dieses Auto ist nichts für Luzern. Ich werde ein kleineres Auto brauchen.» Er fuhr zurück nach Deutschland, um seine Sachen zu packen, am nächsten Tag stand er schon als FCL-Trainer auf dem Rasen.

Aber dann wurde schon noch ein Vertrag aufgesetzt?

Ja, aber ohne Agent oder Berater. Heute musst du, wenn du einen Trainer verpflichtest, noch mit sieben anderen Leuten diskutieren.

Was war Rausch für ein Mensch?

Er war ein typischer Familienmensch. Die Familie stand bei ihm über allem. Und genau das hat er meiner Meinung nach der damaligen Meistermannschaft übertragen: den Zusammenhalt. Dass die Einzelnen zueinander schauen. Dass nichts überspannt wird. Friedel war einer, der ruhig und anständig blieb, auch wenn es mal hektisch wurde.

Rausch wurde in Luzern sesshaft. Wieso blieb er hier, auch als sich die Wege zwischen ihm und dem FCL trennten?

Friedel war einer von uns! Die Leute haben ihn ins Herz geschlossen. Und er ist auf jeden zugegangen, ob es ein kleiner Bub oder ein 90-Jähriger war.

Erinnern Sie sich noch an die Nacht des Meistertitels?

Klar. Zuerst haben Friedel und ich eine Zigarre geraucht. Mir war noch nie so schlecht. Ich rauche doch sonst keine Zigarren. Um 2 Uhr spät waren noch 10 000 Menschen auf der Allmend, obwohl es die ganze Nacht regnete. Ich bin morgens um 5 Uhr heimgekommen.

Wieso ist es gerade Friedel Rausch gelungen, für den FCL den einzigen Meistertitel zu holen?

Ach, wissen Sie, im Fussball kann man nicht alles restlos erklären. Ich kann nur sagen: Es hat einfach gestimmt mit ­Friedel. Er hatte eine gute Mannschaft, auch einen guten Staff um sich. Ich habe Friedel Rausch damals fast täglich getroffen. Aber wir mussten gar nicht viel reden, derart ähnlich war unsere Denkweise.

Ein Beispiel ...

Es gab im Winter 1988 an einem Samstag ein Heimspiel gegen Servette, bei dem damals Karl-Heinz Rummenigge spielte. Der Rasen auf der Allmend war gefroren. Am Freitag bin ich um Mitternacht noch ins Stadion gegangen, um den Zustand des Spielfeldes zu kontrollieren. Wer stand da? Der Friedel, der dieselbe Idee hatte wie ich.

Erzählen Sie uns noch eine Episode mit Friedel.

Gut. Es war nach einer hohen Niederlage gegen Xamax. Ich bin daheim herumgetigert, war unruhig. Da sagte meine Frau Ursula: «Jetzt nimmst du eine Flasche Wein und fährst zum Trainer.» Spätabends habe ich in Adligenswil geklingelt. Rauschs Frau Marlies öffnete die Tür und sagte erschrocken: «Sie wollen doch nicht etwa meinen Mann entlassen?!» «Nein, nein, ich kann wegen der Niederlage nicht schlafen und will mit Friedel ein Glas Wein trinken», habe ich geantwortet.

Wie behalten Sie Friedel Rausch in Erinnerung?

Sein Tod ist ein Verlust für unsere Region. Ich bin am letzten Sonntag einem langjährigen FCL-Fan begegnet. Er hatte einen FCL-Schal auf den Schultern und weinte. «Was ist denn los», fragte ich. «Der Friedel ist gestorben», antwortete er und weinte weiter. Das zeigt: Rausch stand den Fans nahe, und die Fans standen ihm nahe. Ich behalte Friedel Rausch als einen Mann mit Charakter und Charisma in Erinnerung. Für ihn galten das Wort und der Handschlag. So wie ich ihn am allerersten Tag in Luzern erlebte, so blieb er auch: freundlich, zuvorkommend, korrekt.

Hinweis

Der Trauergottesdienst findet am kommenden Montag um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Katharina in Horw statt.

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