FUSSBALL: Ein Mann, der viel erlebt hat

Wenn Luzern heute (17.45) beim Aufsteiger Lugano antritt, könnte Migjen Basha (28) erstmals in der Startelf spielen. Der Schweiz-Kosovare soll der neue Chef im Aufbau werden.

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Vor einer Woche gab Migjen Basha beim 5:2-Sieg über den FC Zürich seine Premiere im FCL-Dress – vielleicht klappt es heute in Lugano mit einem Platz in der Startformation. (Bild: Martin Meienberger)

Vor einer Woche gab Migjen Basha beim 5:2-Sieg über den FC Zürich seine Premiere im FCL-Dress – vielleicht klappt es heute in Lugano mit einem Platz in der Startformation. (Bild: Martin Meienberger)

Daniel Wyrsch

Migjen Basha (28) fühlt sich beim FCL fast schon wie zu Hause. Kein Wunder, denn aus früheren Schweizer U-Auswahlen kennt er Claudio Lustenberger und Jérôme Thiesson, aus Albaniens Nationalteam Jahmir Hyka und Fidan Aliti. Zudem kann der in Lausanne aufgewachsene schweizerisch-kosovarische Doppelbürger dank den Sprachen Französisch, Italienisch und Albanisch mit den meisten reden. Deutsch versteht er recht gut, damit er es bald besser spricht, besucht er einen vom Klub organisierten Sprachkurs und redet zu Hause mit seiner in Thun aufgewachsenen Frau Hochdeutsch. Schliesslich muss er sich mit Trainer Markus Babbel austauschen können. Der attestiert ihm schon ein «ganz gutes physisches Niveau, nur das Mannschaftstraining hatte ihm gefehlt».

Die Integration bei den Innerschweizern ist Basha leichtgefallen. «Ich bin vom Charakter her einer, der sich schnell anpasst. An neue Mannschaften bin ich gewöhnt, die letzten vier Jahre hatten wir beim FC Torino fast jedes Jahr ein neues Team.» Basha macht einen umgänglichen Eindruck. Sein Erfahrungsschatz ist reich gefüllt, zehn Jahre war er Profi in Italien. Sein Weg führte von der Serie C bis zur Serie A.

Mit 18 ohne Lohn und Strom

Begonnen hat er das Abenteuer Italien als 18-Jähriger beim drittklassigen Lucchese. Früh gab es einen Rückschlag im Leben des Jungprofis: «Nach wenigen Monaten bezahlte der marode Klub während mehr als sechs Monaten keinen Lohn mehr, und in der Unterkunft für uns Nachwuchsspieler fiel der Strom lange aus.» Trotz diesen widrigen Umständen gab der Youngster nicht auf. Wenn er heute an diese turbulente Anfangszeit in Italien zurückdenkt, dann kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. «Schön, dass ich es als Teenager durchhielt.» Übrigens hat Basha seinen Eltern erst kürzlich von den Startschwierigkeiten im Ausland erzählt, damals wollte er ihnen die Sorgen ersparen.

Der im Krieg getötete Onkel

Basha scheint aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein als die meist wohlbehütet aufgewachsenen Schweizer Profis. Prägend für Bashas Leben ist ein schreckliches Ereignis in der Familiengeschichte. Im Kosovo-Krieg wurde sein Onkel, ein Schuldirektor, getötet, mit anderen Männern vom Dorf erschossen. «Die schlimme Kriegszeit ist Vergangenheit», sagt Basha. «Der schmerzhafte Verlust dieses mir nahestehenden Menschen hat mir gezeigt, wie wertvoll das Leben ist. Man soll jeden Tag geniessen.» Das sind keine leeren Worte, Basha lebt, wie er spricht. Er lacht viel, ist aber auch nachdenklich – und nichtsdestotrotz humorvoll und optimistisch.

Zuversichtlich ist auch seine Einschätzung zum FCL. Bevor er den Zweijahresvertrag unterschrieb, hat er die Mannschaft in den Heimspielen gegen Basel (1:3) und St. Gallen (0:1) gesehen. «Obwohl wir beide Partien verloren haben, ist mir sofort bewusst gewesen: Diese Mannschaft hat genug Potenzial für einen Rang in der oberen Tabellenhälfte.» Dorthin – am liebsten auf einen für die Europa League berechtigenden Platz – möchte Basha mit den Zentralschweizern kommen. Neben der Familie – die Eltern leben seit 40 Jahren in Lausanne – war die sportliche Herausforderung mit vier bis fünf Europacup-Plätzen in der Schweiz der Grund für die Rückkehr.

Launiger FCL statt ernster FC Torino

Für den begeisterten Vater einer neunmonatigen Tochter, die ihn auf Trab hält, ist der Hauptunterschied zwischen dem FC Torino und dem FCL die Matchvorbereitung. «Bei Torino herrscht eine sehr ruhige, ernste Atmosphäre vor dem Spiel. Hier ist man viel offener und lockerer, was überhaupt nicht schlecht sein muss, es ist eine andere Philosophie.» Musik hören würde bei Torino nicht gehen. «Bei Luzern haben wir es vor dem letzten Match getan – und es hatte eine positive Wirkung.» Beim 5:2-Sieg über den FC Zürich gab er in den letzten fünf Minuten sein Liga-Debüt.

Basha hofft, heute in Lugano erstmals ein Musikstück vor der Partie auswählen zu dürfen, um danach zu spielen. Babbel lässt sich nicht in die Karten blicken, ob er dem designierten Chef im Mittelfeld einen Platz in der Startelf gibt. Babbel: «Entscheidend ist, dass wir den schlechten Rasen annehmen und unser Spiel durchbringen.» Passt doch: Basha ist es gewohnt, Widrigkeiten zu trotzen.