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FUSSBALL: Eine Karriere in vier Akten

Simon Grether bestreitet heute (18.00, Alt­büron) gegen Winterthur sein erstes Spiel für den FC Luzern. Mit 24 Jahren ist er in der Super League angekommen.
Jonas von Flüe
Erstes Training am Montag mit dem FC Luzern: Simon Grether. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Erstes Training am Montag mit dem FC Luzern: Simon Grether. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Jonas von Flüe

Er ist eines von zwei neuen Gesichtern im FC Luzern: Simon Grether. Gemeinsam mit Cedric Itten (ausgeliehen vom FC Basel) hat der 24-Jährige am Montag zum ersten Mal auf der Allmend trainiert. «Die Trainings waren streng», sagt er, doch das sei man sich als Fussballer in der Vorbereitung gewohnt.

Wir haben uns mit ihm über seine bisherige Karriere unterhalten, die sich in vier Akte einteilen lässt.

1. Akt: Der Aufstieg

Simon Grether wächst in der Region Basel auf. Der Fussball ist seine grosse Leidenschaft. Und als 14-Jähriger geht ein grosser Traum in Erfüllung: Er wechselt zu den Junioren des FC Basel, spielt fortan für die U 15. Bis zur U 21 durchläuft er alle Juniorenstufen, spielt in den gleichen Mannschaften wie Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. «Man konnte im Juniorenalter schon erahnen, dass die beiden durchstarten werden», sagt Grether, «sie waren nicht nur fussballerisch einen Schritt voraus, sondern auch mental.»

Grether spielt auch in diversen Junioren-Nationalmannschaften, zusammen mit Haris Seferovic und Ricardo Rodriguez. Kommt da Wehmut auf, wenn er heute nach Saint-Etienne blickt und seine ehemaligen Teamkollegen an der EM spielen sieht? «Natürlich ist man als Spieler bei solchen Turnieren gerne dabei», sagt Grether, «aber ich freue mich extrem für meine Kollegen und bin ganz zufrieden, wo ich heute stehe.»

2012 ist es so weit: Grether kommt unter Trainer Heiko Vogel zu seinem Super-League-Debüt. Zweimal wird er in der Schlussphase eingewechselt, einmal darf er in der Champions-League-Qualifikation gegen Flora Tallinn aufs Feld. Damals, im Herbst 2012, ist Gre­thers Karriere auf dem Höhepunkt, die Türe zur 1. Mannschaft des Schweizer Meisters weit offen.

2. Akt: Der Rückschlag

Doch die Tür schliesst sich schneller als erwartet. Vogel wird in Basel freigestellt und durch Murat Yakin ersetzt. Dieser setzte nicht auf Grether. Der damals 20-Jährige wird in der Winterpause nach Bellinzona in die Challenge League ausgeliehen, wo er den Tiefpunkt seiner Karriere erlebt. In einem Testspiel gegen den FC Zürich foult er Burim Kukeli grob und wird von Schiedsrichter Fedayi San mit der roten Karte bestraft. Kukeli bricht sich bei der Aktion das Schien- und Wadenbein, das Spiel wird abgebrochen. Grether erhält den Übernamen «Treter» und wird in den sozialen Medien zum Teil übel beschimpft. «Ich habe das nicht an mich rangelassen», sagt er, «aber es war natürlich eine schwierige Zeit.» Grether wird für vier Spiele gesperrt, verpasst aber deren sieben, weil der AC Bellinzona ein administrativer Fehler unterläuft. «Diese lange Sperre hat mich aus dem Konzept gebracht.»

Im Sommer 2013 wird er weiterausgeliehen, nach Winterthur. Ein Jahr später läuft sein Vertrag in Basel aus. Grether ist plötzlich vereinslos, überlegt, wie es ohne Fussball weitergehen soll. «Ich hätte mir eine Stelle im kaufmännischen Bereich gesucht», erzählt der Absolvent der Wirtschaftsmittelschule. In Braunschweig absolviert er ein Probetraining. Als er dort keinen Vertrag erhält, meldet er sich telefonisch beim FC Wohlen.

3. Akt: Der Neuanfang

In Wohlen erhält Grether vorerst einen Vertrag bis Ende Jahr. Er fügt sich gut ins Team ein und ist bald Stammspieler. Der Vertrag wird bis im Sommer 2016 verlängert. Grether kommt auf seiner angestammten Position im zentralen Mittelfeld zum Einsatz. «Er ist einer der konstantesten Challenge-League-Spieler der letzten zwei Jahre», sagt Remo Gaugler, Sportkoordinator beim FC Luzern.

Gerne hätte der FC Wohlen Grethers Vertrag verlängert. Doch rund eine Woche vor dem letzten Meisterschaftsspiel meldete sich Gaugler bei Simon Grether. Die beiden kennen sich aus gemeinsamer Zeit beim FC Basel. Gaugler war Grethers Trainer und sagt: «Charakterlich passt er perfekt in unsere Mannschaft.»

4. Akt: Die Zukunft

Statt Challenge-League-Fussball in Wohlen heisst es für Simon Grether nun Super-League-Fussball in Luzern. Er hat einen Zweijahresvertrag unterschrieben. «Ich wollte den nächsten Schritt machen. Luzern ist dafür ideal», meint er. Momentan hat er vor allem viele administrative Termine: Er ist auf der Suche nach einer Wohnung, vorerst für sich allein. «Meine Frau arbeitet in Basel, sie wird später nachziehen», verrät er. Zudem muss die neue Nummer 17 auch noch richtig eingekleidet werden. In Luzern ist er als Aussenverteidiger vorgesehen, als Ersatz für Jérôme Thiesson auf der rechten Seite. «Es ist sicher kein Nachteil, wenn man flexibel einsetzbar ist», sagt Grether.

Dass er nicht nur als Ersatzspieler nach Luzern gekommen ist, kann er ab heute auch auf dem Spielfeld beweisen. Der FCL trifft um 18 Uhr in Altbüron auf Winterthur.

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