FUSSBALL: Er will den FC Luzern rauswerfen

Die Entwicklung des FC Aarau hat viel mit Trainer Sven Christ (40) zu tun. Morgen (19.30) steht Christ mit dem FCA im Cup-Achtelfinal in Luzern dem FCL gegenüber.

Daniel Wyrsch, Aarau
Drucken
Teilen
Aarau-Trainer Sven Christ kontrolliert seine Spieler bei einer Dehnungsübung. (Bild: Keystone)

Aarau-Trainer Sven Christ kontrolliert seine Spieler bei einer Dehnungsübung. (Bild: Keystone)

Der FC Aarau steht mit 15 Punkten aus 13 Spielen auf Tabellenplatz 6 der Super League. Dort, wo man den FC Luzern gemäss seinem Budget und der hervorragenden Infrastruktur mindestens hätte erwarten dürfen. Die Realität sieht anders aus: Der FCL belegt den letzten Platz, der Rückstand auf den mit deutlich weniger finanziellen Mitteln auskommenden FCA aus dem Nachbarkanton beträgt derzeit neun Punkte.

Das ist enorm, auch wenn die Innerschweizer wegen des Luzern-Marathons am vergangenen Sonntag das fehlende Heimspiel gegen YB erst am 3. Dezember austragen können.

Sven Christ (40) sitzt in seinem Lieblingsrestaurant in der Aarauer Altstadt, im «Giusi Bar Caffé», einem trendigen «Italiener». Vor ihm eine Tasse Kaffee. Dass seine Mannschaft morgen im Cup-Achtelfinal sogar ein wenig Favorit sei, will der FCA-Trainer «so nicht stehen- lassen. Weil es nicht ein Meisterschafts-, sondern ein Cupmatch ist. Der Druck lastet klar mehr auf den Luzernern.» Christ ist selbstverständlich nicht entgangen, wie sich die Situation beim morgigen Widersacher in den letzten Monaten und Wochen entwickelt hat. Es schwingt Mitleid mit, wenn er über die Anfang Oktober vollzogene Freistellung von Carlos Bernegger sagt: «Es kann in diesem Geschäft jeden treffen, es braucht manchmal wenig. Für mich ist Carlos ein sehr guter Trainer.»

Das neue Selbstverständnis

Zu den faszinierenden Seiten des Fussballs gehört, dass er unberechenbar ist. Zu Beginn der Saison schienen Christs Job und jener von Thuns Urs Fischer die meist gefährdeten der Super League zu sein. Beide Lowbudget-Klubs überraschen bislang aber sowohl die Gegner wie die Experten und die Fans.

Christ, der seine Trainerkarriere in der Zentralschweiz via FC Sursee, FC Schötz und SC Cham lancierte, hat dem FCA ein neues Selbstverständnis eingeimpft. «Wir wollen uns permanent weiterentwickeln.» Es ist einer jener Leitsätze, die der aufstrebende Trainer aus seiner zweijährigen Spielerzeit bei Mainz in der 2. Bundesliga mitgenommen hat. Sein Lehrmeister dort war der heutige Dortmund-Coach Jürgen Klopp (47). «Klopp hat mich geprägt. Er zeigte mir, wie man als Trainer mit der Mannschaft umgeht.»

Zentral ist dabei, dass er einem Ersatzspieler die gleiche Wertschätzung entgegenbringt wie einem arrivierten Profi. Über allem steht stets das Leistungsprinzip. Und vor der Streichung aus dem Kader sind auch mal bekannte Spieler wie der Ex-Internationale und frühere FCL-Profi Daniel Gygax oder Sven Lüscher (bester Vorlagengeber der letzten Saison) nicht gefeit. «Das hat es in Aarau seit Jahren nicht mehr gegeben, dass der Coach jeden Match vier Profis auf die Tribüne schicken muss», sagt Christ. Er, der ehemalige Aarau-Captain, kennt den Klub in- und auswendig. Anders als der Ende der letzten Saison freiwillig zurückgetretene Vorgänger René Weiler (41) jammert er nicht über die Bedingungen im Verein. «Ich investiere meine Energie lieber in Lösungen.»

Bescheidenheit ist Voraussetzung

Trainer und Spieler müssen zur Philosophie des bescheidenen Klubs passen. Christ erzählt, wie er im Sommer gerne Gilles Yapi zum FCA geholt hätte. Zwischen zwei Trainingseinheiten stellte er dem mit der Familie in Basel lebenden Profi im Aufenthaltsraum des Brügglifelds einen Liegestuhl zum Erholen zur Verfügung. «Für Gilles war das kein Problem. Er hätte zu uns gepasst.» Am Ende sicherte sich aber der FC Zürich die Dienste des Mittelfeldspielers.

Systemumstellungen während Spiel

Innovativ ist Christ auch während den Spielen. Beim 1:1 in der Meisterschaft auswärts gegen Luzern bewies er, dass er mit einem Systemwechsel viel bewirken kann. Zur Pause mit 0:1 im Rückstand und deutlich unterlegen, stellte er ab der 46. Minute um, liess seine Angreifer weiter vorne spielen, eine Pressing aufziehen. Die Luzerner kamen aus dem Tritt. Aaraus eingewechselter Stürmer Dusan Djuric markierte mit einem Traumschuss aus rund 30 Metern den Ausgleich.

Für den gebürtigen Bieler Christ gehört es dazu, spätestens in der Pause über die Bücher zu gehen. Sich zu überlegen, was der gegnerische Trainer nun ändern könnte und dann zu entscheiden, welche taktischen und strategischen Massnahmen verfolgt werden sollen. Bis jetzt hat Christ mit seiner Crew praktisch immer richtig entschieden. «Hervorragend, wie wir die Gegner überraschen. Das ist im Moment unsere grösste Stärke», freut sich der frühere Innenverteidiger.

Der neue FCL-Coach Markus Babbel muss morgen auf einen fokussierten Widersacher gefasst sein. Sven Christ betont: «Auch im Cup verfolgen wir hohe Ziele.»

Nach dem Cupspiel gehts zum Leader

Neuer Wettbewerb, neue Chance. Das muss für den FC Luzern das Motto für den Achtelfinal im Schweizer Cup morgen Mittwoch (19.30, Swissporarena) gegen den FC Aarau sein. Denn in der Meisterschaft stehen die Zentralschweizer nach zwölf Spielen noch immer ohne einen einzigen Sieg da, während im Cup immerhin zwei Vollerfolge gefeiert werden konnten. Wenn auch das 9:0 beim interregionalen Zweitligisten FC Konolfingen ein Pflichtsieg und der FCL danach beim 5:3 nach Verlängerung gegen den Challenge-League-Verein FC Schaffhausen mit einem blauen Auge davon gekommen war.

Zehn Tage mehr Zeit für Babbel

Weil das Liga-Heimspiel vom Sonntag gegen YB aufgrund des Marathons verschoben wurde, hatte der neue FCL-Trainer Markus Babbel nach dem Einstand beim 0:0 gegen Vaduz zehn Tage mehr Zeit, sein Team kennen zu lernen. Nach dem Cupmatch gegen Aarau folgt am Samstag (17.45) das Meisterschaftsspiel beim Leader FC Zürich. Das ist die erste von sechs ausstehenden Ligapartien bis Ende Jahr.