FUSSBALL: Es riecht nach freiwilligem Rücktritt

Alles deutet darauf hin, dass die Zeit von Alex Frei als FCL-Sportchef abgelaufen ist. Was dazu geführt hat – und wie es in Luzern ohne Frei weitergehen könnte.

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Alex Frei: Sportchef seit 20 Monaten. 18 Transfers getätigt. Auf dem letzten Platz seit 10 Spieltagen. 1 Trainerentlassung. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Alex Frei: Sportchef seit 20 Monaten. 18 Transfers getätigt. Auf dem letzten Platz seit 10 Spieltagen. 1 Trainerentlassung. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der FC Luzern bleibt vor dem letzten Spiel der Vorrunde am Samstag (17.45) zu Hause gegen den FC Basel auf dem letzten Tabellenplatz. Nach der unglücklichen 1:2-Niederlage im Heimspiel vom Mittwoch gegen YB ist die Stimmung beim FCL wieder auf dem Tiefpunkt, die Hoffnung aus dem 3:0-Auswärtssieg in Aarau wurde somit im Keime erstickt. Im Geschäftsjahr 2014 droht ein Verlust von bis zu 3 Millionen Franken, Zuschauer fehlen. Dies alles an Alex Frei (35) festzumachen, wäre unfair. Trotzdem hat der Sportchef die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt.

Letzter mit Mittelfeld-Budget

Obwohl Frei Einsparungen machen musste, hat er mit dem sechsthöchsten Budget der Liga operieren können. Da ist die Bilanz von acht Niederlagen, zwei Siegen und sieben Unentschieden nach 17 Runden eindeutig zu schlecht. Der FCL kämpft im Frühling 2015 ums Überleben in der Super League. Wir erklären die Gründe, warum die Luzerner unter der sportlichen Führung von Frei derart ins Schlingern geraten sind, und zeigen auf, wie es zu seiner Freistellung kommen und wie es ohne ihn weitergehen könnte.

Was wird Alex Frei vorgeworfen?

Den Umbruch der Mannschaft hat er zu schnell vorgenommen. Vor allem, weil es sich um die Achse (beide Innenverteidiger, Sechser, Sturmspitze) handelte. Er und Präsident Ruedi Stäger verlängerten im Sommer den Vertrag mit Trainer Carlos Bernegger vorzeitig um ein Jahr, ohne die Holding und die Öffentlichkeit (die Konsumenten) zu informieren. Nicht zuletzt ist er sich selber im Weg gestanden; durch eine fehlende selbstkritische Haltung. Frei hat es nicht verstanden, die Leute für sich und seine Ideen zu gewinnen.

Was hat Frei gut gemacht?

Die Zuzüge von Marco Schneuwly, Jantscher und Freuler sind Transfererfolge für den FCL. Frei hat den Mut zu Veränderungen gehabt. Der Grat zwischen Mut und Hochmut ist allerdings schmal. Was aus Sicht des FCL schlecht war: Fast die gesamte sportliche Kompetenz ist bei Frei gelegen, keiner konnte auf Augenhöhe mit ihm über Fussball sprechen. Der Vergleich zum FC Basel zeigt: Dort gibt es eine vierköpfige Transferkommission mit Präsident Heusler, Sportchef Heitz sowie den Ex-Fussballern Knup (Vizepräsident) und Zbinden (Chefscout).

Wer sind Freis Freunde?

Unterstützung erhält er von Holding-Präsident Marco Sieber. Dieser bewundert den prominenten Ex-Fussballstar. Zu den Freunden Freis gehört auch der ehemalige FCL-Präsident Mike Hauser, der ihn zusammen mit Ex-Medienchef Stefan Bucher bei den Investoren als Sportdirektor «durchbrachte».

Wer sind Freis Gegner?

Frei befürchtete von Anfang an, dass der während Jahren stärkste Mann im Verein, Walter Stierli, nicht auf seiner Seite ist. Mit Hauser und dem inzwischen zum FC Zürich gewechselten CEO Thomas Schönberger wollte er einen neuen FCL aufbauen – ohne Stierli. Das ist genau so lange gut gegangen, bis die Resultate in diesem Kalenderjahr immer schlechter geworden sind. Aus bis dato 35 Spielen im Jahr 2014 sind 8 Siege einfach zu wenig, vor allem weil in der laufenden Saison erst in der 13. Runde der erste Vollerfolg errungen worden ist. Frei hat auch immer wieder von Leuten im Hintergrund gesprochen, die dem FCL nicht gut gesonnen seien und die Intrigen streuen würden.

Wie kann er entlassen werden?

Obwohl Stierli (25 Prozent) und Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg (26 Prozent) zusammen mit 51 Prozent die Mehrheitsaktionäre der FCL-Holding sind, könnten sie die Entlassung des Sportchefs faktisch nicht durchsetzen. Der Verwaltungsrat der Holding entscheidet nach Köpfen, nicht nach Aktienanteilen. Die Holding hat sechs Verwaltungsräte: Alpstaeg, Stierli, Samih Sawiris, Marco Sieber, Hans Schmid und Josef Bieri. Beschlussfähig ist nur ein Mehrheitsentscheid – also mindestens ein 4:2. Bei einem 3:3 fällt der Verwaltungsratspräsident Sieber den Entscheid.

Jeder Verwaltungsrat besitzt mindestens 10 Prozent der Aktien und kann per Vertrag nicht abgewählt werden. Ohne ausserordentliche Intervention des Holding-Verwaltungsrats ist FCL-Präsident Stäger für den Sportchef zuständig. Er kann gemäss Statuten über eine Trennung von Frei entscheiden.

Könnte er freiwillig zurücktreten?

Nach nur wenigen Monaten beim FCL, nachdem Hauser de facto nicht mehr Präsident war, drohte Frei damit, den Bettel hinzuschmeissen, falls er mit «gewissen Leuten» im Verein nicht klarkommen würde. Er machte darauf aufmerksam, dass er es «nicht nötig» hätte, hier zu arbeiten, da er wirtschaftlich unabhängig sei. Auch jetzt sagt Frei öffentlich immer wieder, dass er es «nicht nötig» hätte, beim FCL zu arbeiten. Ein freiwilliger Rücktritt oder ein Agreement mit Stäger ist möglich. Frei hat eine dreimonatige Kündigungsfrist.

Wie würde es mit Frei weitergehen?

Eine weitere Zusammenarbeit zwischen Frei und dem FC Luzern ist nach dem letzten Vorrundenspiel am Samstag gegen den FCB kaum mehr vorstellbar. Im Machtkampf hat es Scherben gegeben, die wohl nicht mehr zu kitten sind.

Wie es ohne Frei weitergeht

Der FCL-Präsident von 2005 bis 2012, Walter Stierli, tritt in einer operativen Funktion nicht mehr in Erscheinung. Obwohl gemäss Statuten nicht mehr der «starke Mann», ist er es im Hintergrund stets geblieben. Auch wenn man ihm Polemik und Aktionismus vorwerfen kann: Keiner der Führungsleute hat für den FCL nur annähernd so viel Herzblut und Einsatz gehabt wie er. Nachdem Stierlis Wunschkandidat Ilja Kaenzig dem FCL pro forma abgesagt hat, würde bei einem Abgang von Frei erste Priorität sein, einen neuen Sportchef zu suchen – unter der Führung von Stäger.

Wie es mit den von Frei geholten Babbel, Egli, Gaugler, Schmidt und Huggel weitergeht, ist unklar. Eine vorzeitige Trennung würde viel Geld kosten. Alpstaeg müsste wohl für diese Freistellungen und die Neuanstellungen geradestehen.

Daniel Wyrsch