FUSSBALL: Ex-FCL-CEO Marcel Kälin: «Der Mut ging leider verloren»

Vor zehn Tagen hat sich der FC Luzern «im gegenseitigen Einvernehmen» von Geschäftsführer Marcel Kälin (51) getrennt. Nun spricht Ex-CEO über die Schwierigkeiten seiner Arbeit und seine Zukunft.

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Marcel Kälin in der Swisspor-Arena: Der FCL-CEO freut sich auf den Fussball, den der neue Trainer Gerardo Seoane spielen lässt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 31. Januar 2018))

Marcel Kälin in der Swisspor-Arena: Der FCL-CEO freut sich auf den Fussball, den der neue Trainer Gerardo Seoane spielen lässt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 31. Januar 2018))

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Marcel Kälin, Wurden Sie vom Entscheid des FCL-Verwaltungsrats, als CEO zurückzutreten, überrascht?
Überrascht? Ja, definitiv überrascht. Dann war ich sprachlos wie viele meiner Arbeitskollegen auch.

Präsident Philipp Studhalter sagte, die Situation habe sich zugespitzt. Mehr nicht. Was ist passiert?
Vertrauen ist die stillste Form von Mut. Das FCL-Umfeld mit den Ehemaligen, einzelnen Beiräten und einzelnen Klubbesitzern war noch nie still. Offensichtlich gelang es mir nicht, alle Personen aus diesem bekannt unruhigen Umfeld hinter mich zu bringen. So ging leider der Mut verloren, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Allen Störfeuern zum Trotz: beim FCL beginnen neue Strukturen zu greifen. Die Eckpunkte der Vision 2021 werden deutlich, offensichtlich nicht für alle Investoren.

Die Personalführung soll einer der Hauptgründe für Ihr Ausscheiden sein. Was sagen Sie dazu?
In der ganzen Thematik der Personalführung muss man wissen, dass Veränderungen mit unternehmerischem Gedankengut gefordert wurden. Gerade im Personalbereich kommt der FCL von sehr weit unten. Der Sprung von einem Verein zu einem Unternehmen wurde nie geschafft. Grundlagen waren bei meinem Stellenantritt nicht vorhanden. Ein dokumentierter, periodischer Austausch zwischen Bereichsleiter und Mitarbeitern sowie Zielvorgaben fehlten zum Beispiel komplett, was wir 2017 korrigiert haben. Wissen muss man auch, dass beim FCL faktisch drei verschiedene Firmenkulturen gelebt wurden. Zwei unterschiedliche Kulturen innerhalb der FC Luzern Innerschweiz AG mit den Profis und dem Nachwuchs sowie die Dritte mit den Angestellten der Swisspor-Arena Events AG. Mit der Lancierung der Vision 2021 wollten wir eine Kultur für das ganze Unternehmen. Im Zuge der Personalförderung haben wir im Dezember eine gemeinsame Kader-Führungsausbildung lanciert, mit dem Ziel das Betriebsklima für die 139 FCL-Angestellten zu verbessern. Ein solcher Prozess ist nie einfach umzusetzen, gerade im emotionalen Umfeld Fussball.

Gingen Sie fehlerfrei vor?
Perfekt ist niemand. Für mich zählen die dokumentierten Rückmeldungen jener Mitarbeiter, die ich beim FCL bis am Mittwoch letzter Woche direkt geführt habe und mit meinem Führungsstil grossmehrheitlich zufrieden gewesen sind.

An der PK konnte man den Eindruck gewinnen, dass Sie die finanziellen Ziele nicht erreicht haben. Im Januar bestätigten Sie uns, keine Sponsorengelder generiert zu haben. Sind Sie vor allem daran gescheitert?
Wir sind nicht gescheitert. Anfang 2017 hat der FCL-Finanzchef mit mir zusammen einen Fünfjahresplan erstellt, den es vorher nicht gab. Unser Ziel war es, bis 2021 für den FCL ordentlich eine schwarze Null zu schreiben. Dieser Long-Term-Plan wurde vom Verwaltungsrat freigegeben und die Budgets entsprechend erstellt. Die Investoren wurden jederzeit transparent informiert. Philipp Studhalter hat letzte Woche an der Medienkonferenz gegenüber einem anderen Medium bestätigt, dass wir voll im Plan sind. Trotz weniger Zuschauern und VIP-Gästen sind wir in der laufenden Saison wesentlich besser als in den Vorperioden unterwegs. Gegenüber dem Verband sind wir mit der Lizenzierung 2018/19 ebenfalls im Soll. Folglich haben sich unsere Veränderungen bezahlt gemacht. Bei den Umsätzen hat es Verschiebungen auch mit neuen Produkten und Sponsoren gegeben.

Aus Ihrer Sicht ist finanziell beim FCL also alles im grünen Bereich?
Ich würde mich gerne messen lassen, aber die Zahlen sind beim FCL noch nicht transparent der Öffentlichkeit zugänglich. Genau die fehlende Transparenz macht es schwer, neue Partner zu finden und dazu kamen die laufenden Unruhen via Presse, welche ich leider nicht unterbinden konnte. Ein erstes geeignetes Mittel ist die Vision 2021 mit einem öffentlichen und transparenten Geschäftsbericht, der so von mir an der letzten Generalversammlung im Dezember proklamiert und versprochen wurde.

Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg hat letzte Woche in der NZZ gegen Sie nachgetreten. Er sagte: «Kälin hat keine Sozialkompetenz.» Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Es liegt mir fern, ein Nachtreten zu kommentieren.

Gemäss Präsident Studhalter erhalten Sie nach dem Abgang eine «wirtschaftsübliche Entschädigung». Was machen Sie derzeit und wie planen Sie die berufliche Zukunft?
Derzeit freue ich mich einfach über die begeisternden Auftritte der Mannschaft. Ich gratuliere Sportchef Remo Meyer, Cheftrainer Gerardo Seoane mit Staff und Spielerkader für die tollen Leistungen 2018. Mein Kopf und Herz ist noch beim FCL und meinen Mitarbeitern. Es ist noch zu früh, mir Gedanken über die Zukunft zu machen. Vielleicht wird es ja wieder der FCL sein. Zurzeit gilt es die Übergabe zu regeln. Ich stehe bei verschiedenen Ansprechpartnern und Mitarbeitern im Wort. Zusammen mit meiner Familie werde ich in den nächsten Monaten über die Zukunft entscheiden.

Was meinen Sie mit, «vielleicht wird es ja wieder der FCL sein»?
Man weiss nie, wie das Leben spielt. Ich war vor 30 Jahren als Spieler im Verein.

Werden Sie auch künftig an FCL-Heimspielen anzutreffen sein?
Solange, der FCL unseren Weg mit der Vision 2021 weitergeht. Die Veränderungen beim FCL wurden spürbar und positiv bewertet. So ist auch die Stimmung am Ostermontag im Match gegen St. Gallen zu erklären. Die Fans haben sich während dem Heimspiel mit Transparenten und meinem Namen bedankt. Diese Wertschätzung macht mich stolz.